Solaranlage im Gegenwind

Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz hat gegen die geplante Solar-Testanlage am Walensee Einsprache erhoben. Sie kritisiert das Bauvorhaben im nationalen Schutzgebiet scharf.

Cyrill Pinto
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Gegen die geplante Solar-Testanlage im Steinbruch in Quinten am Walensee hat die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz eine Einsprache erhoben. (Archivbild: Ralph Ribi)

Gegen die geplante Solar-Testanlage im Steinbruch in Quinten am Walensee hat die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz eine Einsprache erhoben. (Archivbild: Ralph Ribi)

AMDEN. Die Opposition gegen das bisher grösste in der Schweiz geplante Solarkraftwerk ist um ein prominentes Mitglied reicher. Auch die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz hat ihr Veto gegen das Grossprojekt am Walensee eingelegt. Dies nachdem bereits die Pro Natura St. Gallen-Appenzell gegen das Baugesuch für ein Solarkraftwerk der Elektrizitätswerke Zürich eingesprochen hatte. Sprecherin Anita Wyss bestätigt die Einsprache der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

Elf Fussballfelder

Die Stiftung Landschaftsschutz legt ihr Veto gegen das Rodungsgesuch der Elektrizitätswerke Zürich für die Testanlage im alten Steinbruch bei Quinten ein – die Anlage soll dereinst elf Fussballfelder gross werden und Strom für 3000 Haushalte produzieren. Sie wäre das bisher grösste Solarkraftwerk der Schweiz.

Von nationaler Bedeutung

Der Steinbruch auf Gemeindegebiet Amden liegt in einem Gebiet, das zu den Landschaften und Naturdenkmälern von nationaler Bedeutung zählt. Anita Wyss, Sprecherin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, kritisiert das Projekt scharf: Zuerst sollten die Potenziale zur Produktion von Solarenergie in bewohntem Gebiet ausgeschöpft werden, bevor ausserhalb der Bauzone, in einem Schutzgebiet, Solarparks gebaut würden.

«Studien zum Thema Solarenergie zeigen deutlich, dass es genügend freie und brachliegende Dach- und Fassadenflächen für die Stromproduktion gibt. Erst wenn diese Flächen genutzt sind, kann man über ein Projekt wie dieses am Walensee diskutieren», sagt Anita Wyss. Sie verweist auf das Beispiel Inwil im Kanton Luzern. Dort habe die kantonale Fachstelle ein Solarprojekt ausserhalb der Bauzone bereits in der Vorprüfung abgelehnt – «es wäre erstaunlich, wenn sich der Kanton St. Gallen positiv zum Solarkraftwerk am Walensee äussern würde», findet sie.

Entscheid in ein paar Wochen

In den nächsten Wochen erwartet Christian Meienberger von der Pro Natura St. Gallen-Appenzell ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission zum Projekt. Dieses soll feststellen, ob das geplante Solarkraftwerk ein schwerer oder leichter Eingriff in das bestehende Schutzgebiet ist. Denn: Das Solarkraftwerk soll nicht nur ausserhalb der Bauzone entstehen, sondern auch innerhalb eines Gebietes, welches im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgeführt ist. Je nach Ergebnis der Studie wird die Naturschutzorganisation das Vorhaben weiter bekämpfen oder mit dem Zürcher Energieunternehmen eine möglichst landschaftsverträgliche Variante suchen, wie Meienberger sagt.

Als Nächstes trifft sich die Stiftung Landschaftsschutz zusammen mit Pro Natura, dem Kanton und den Elektrizitätswerken Zürich zu einer Ortsbegehung. Erst danach wird der Kanton die Einsprachen der Umweltverbände behandeln. Die Elektrizitätswerke mögen sich aktuell nicht äussern. Sie warten die Begehung und den Entscheid des Kantons ab, wie deren Mediensprecherin Priska Laïaïda sagt.