Sogar die Nägel am Tor sind aus Holz

FRAUENFELD. Das Tor der Hubemer Trottenschüür von Architekt Gabriel Müller lässt sich wieder öffnen. Schreiner Thomas Eigenmann aus Gerlikon hat es restauriert. Das 350 Jahre alte Tor ist thurgauweit ein Unikat, weil es komplett aus Holz besteht.

Mathias Frei
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Inhaber und Architekt Gabriel Müller mit Schreiner Thomas Eigenmann am hölzernen Scheunentor. (Bild: Mathias Frei)

Inhaber und Architekt Gabriel Müller mit Schreiner Thomas Eigenmann am hölzernen Scheunentor. (Bild: Mathias Frei)

Auf drei Meter Höhe hing es 20 Zentimeter zur Seite. «Das Tor war in einem desolaten Zustand», sagt Gabriel Müller. Der Frauenfelder Architekt ist auf die Restaurierung historischer Bauten spezialisiert. In diesem Fall ging es um ein eigenes Objekt: das Tor der Hubemer Trottenschüür am Höhenweg. Der steinerne Speicher datiert von 1503, daran angebaut sind die Trotte und die Bohlenständerscheune. Sie sind ungefähr 350 Jahre alt. So alt ist auch das Scheunentor. Die kantonale Denkmalpflege stuft das Ensemble als besonders wertvoll ein.

Kein Metall, kein Leim

Die Torbalken und -bretter sind aus Weisstanne, die Zapfen und Holznägel bestehen aus Buchenholz. Wie Müller sagt, gibt es im ganzen Thurgau vermutlich kein zweites Scheunentor, das komplett aus Holz besteht. Kein Metall, kein Leim. «Vor 350 Jahren fehlte den Bauern das Geld, um Metall zu verarbeiten.»

Das Tor liess sich nicht mehr öffnen. Für Müller war aber klar, dass er den Zugang wieder nutzbar machen wollte. «Es braucht viel Idealismus, das ist mir bewusst», sagt Müller. Für diese Holzrestaurierung kam für ihn nur der Gerlikoner Schreiner Thomas Eigenmann in Frage. Müller und Eigenmann arbeiten immer wieder zusammen, wenn es um den historischen Baustoff Holz geht. Müller wusste, dass eine Restaurierung mit Metall weniger lang gedauert hätte und entsprechend günstiger gewesen wäre. «Aber mir war es wichtig, dass man dem 350 Jahren alten Tor die Restaurierung nicht ansieht», sagt der Architekt.

Schreiner Eigenmann investierte deshalb über 160 Arbeitsstunden. Er nahm das Tor komplett auseinander und ersetzte nur, was nötig war. «80 Prozent des Holzes konnte ich wieder einbauen», sagt er. Dies entspricht auch Müllers Credo, die historische Bausubstanz nach Möglichkeit zu erhalten.

Unter anderem verriegelte Eigenmann ein sogenanntes Mannstor, dessen Einbau jünger ist als das eigentliche Tor. Ebenfalls musste er die Holzpfannen ergänzen, auf sich denen die zwei Torflügel drehen. Und nicht zuletzt galt es, einige der insgesamt 130 Holznägel zu ersetzen. Eigenmann verwendete für seine Restaurierung ausschliesslich Altholz, also Holz, das zuvor schon einmal irgendwo verbaut worden war. Bretter und Balken blieben Tanne. Für die Holznägel verwendete Eigenmann bei der Restaurierung Eiche statt Buche, «weil Eiche weniger fault».

Einmal im Leben

«So eine Restaurierung macht man vielleicht einmal im ganzen Arbeitsleben», sagt Eigenmann. In einzelne Techniken, die bei dem Tor zur Anwendung gekommen waren, habe er sich zuerst hineindenken müssen. Müller und Eigenmann sind sich einig: «Das Tor muss die Arbeit eines erfahrenen Handwerkers gewesen sein. Nur so konnte es nun schon 350 Jahre überdauern.»