So verändern sich Stadt und Land

Der Thurgau im Wandel: Eine Ausstellung widmet sich der Entwicklung der letzten 50 Jahre und wirft einen kritischen Blick in die Zukunft. In alten Filmen ist Kurt Felix als Sprecher zu hören.

Evi Biedermann
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Umzug nach 63 Jahren: Lilly Strasser mit Kurt und Paola Felix. (Bild: Evi Biedermann)

Umzug nach 63 Jahren: Lilly Strasser mit Kurt und Paola Felix. (Bild: Evi Biedermann)

Frauenfeld. «Oh Thurgau, du Heimat, wie bist du so schön», heisst es im 150 Jahre alten Thurgauerlied. Noch immer fliesst der Thurstrom sich windend durch den Kanton, noch immer spriessen ihm Obstbäume und Weinstöcke entgegen, tönt bei Feier und Grab das Glockengeläute vom Kirchturm herab. Wer die ländliche Idylle erlebt hat, erinnert sich gern daran. Und manch einer will sie nochmals aufleben lassen, wenn eine Ausstellung dazu einlädt. So waren am Samstagnachmittag auch Kurt und Paola Felix im Naturmuseum anzutreffen, wo die Ausstellung «Wie bist du so schön – 50 Jahre Thurgauer Siedlung und Landschaft im Wandel» eröffnet wurde. Der Ostschweizer war vor seiner Zeit beim Radio und Fernsehen Lehrer in Hüttwilen und Frauenfeld. In der Ausstellung ist er in alten Filmen als Sprecher zu hören.

Diskussion anregen

Doch das Bild der idyllischen Landschaft hat sich verändert, lange Zeit langsam und schleichend, seit einigen Jahren rasant und deutlich sichtbar. Für diesen Fortschritt will die Ausstellung sensibilisieren. Es sei weder eine Marketingstrategie noch eine kaschierte, vorgezogene Debatte über die Strassenentwicklung, sagte Regierungsrätin Monika Knill an der Vernissage. «Wir wollen die öffentliche Diskussion um die Weiterentwicklung des Kantons Thurgau anregen», erklärte sie das Ziel der Thurgauer Regierung, die das Projekt 2008 in Auftrag gab.

Die Wanderausstellung im Frauenfelder Naturmuseum zeigt die Entwicklung des Kantons mit Dokumenten, alten Fotos, Landkarten, Filmen und Radioreportagen aus den letzten 50 Jahren. Sie blickt auch nach vorn und wirft Fragen auf. Wie will der Thurgau das ihm kürzlich prognostizierte Wachstum von 16 Prozent, was einem Zuwachs von 40 000 Personen entspricht, in den nächsten 20 Jahren bewältigen? Reichen der kantonale Richtplan und die regionalen Zonenpläne aus, um die Lebensressourcen zu sichern? «Da müssen wir rechtzeitig mitplanen und handeln», erklärte der Frauenfelder Stadtammann Carlo Parolari. Die Kantonshauptstadt hat sich in der Ausstellung eine eigene Ecke gesichert. Dort ist Erstaunliches zu sehen, etwa die Entwicklung des Quartiers Huben. Während sich der benachbarte Weiler Büel in den letzten 100 Jahren kaum verändert hat, standen in Huben bis 1980 nur wenige Häuser.

Huben boomt seit 1990

Der eigentliche Bauboom setzte 1990 explosionsartig ein. Im Film von Armin und Paola Menzi kommen Menschen zu Wort, deren Bleibe zugunsten eines Neubauprojekts weichen musste. Aber auch die Planer, welche das Projekt «Stadtvillen» an der Kesselstrasse realisieren. Lilly Strasser ist eine der Vertriebenen. Die 97-Jährige war auch an der Vernissage und freute sich, dass sie Kurt und Paola Felix persönlich kennenlernen durfte. An ihrer Aussage im Film hält sie noch immer fest. Der Umzug nach 63 Jahren sei nicht einfach gewesen. «Aber mir gefällt's am neuen Ort. Ich bin zufrieden.»

Unterhalb der Oberstadtstrasse entstand erst in den letzten Monaten ein neues Wohn- und Geschäftshaus. (Bild: Nana do Carmo)

Unterhalb der Oberstadtstrasse entstand erst in den letzten Monaten ein neues Wohn- und Geschäftshaus. (Bild: Nana do Carmo)