Slam-Achse Rodenberg

«Ach», sagt mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, «ihr tut mir schon leid da unten in Diessenhofen. Nicht mal ein ordentliches Theater mit Kleinkunst habt ihr.

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«Ach», sagt mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, «ihr tut mir schon leid da unten in Diessenhofen. Nicht mal ein ordentliches Theater mit Kleinkunst habt ihr.» – «Halt den Schnabel», gebe ich zurück, «wir brauchen kein Theater, denn bei uns gibt es in den kleinsten Dörfern mehr zu lachen als in eurer ganzen Region.» Das lässt er nicht auf sich sitzen und will mit mir wetten. «Lieber Siegelturmtschilper, wenn es bei euch auch nur ein Talent mit ordentlich Humor gibt, will ich von Steckborn nach Diessenhofen schwimmen. Du weisst, für einen Spatz ist das nicht ganz einfach.» – «Dann trainier' mal schön», zwitschere ich siegesgewiss. Als ich jedoch mit hängendem Kopf die Stammtische hinter mir lasse (statt Humor Blondinenwitze und bierseliges Schenkelklopfen), wird mir allmählich bewusst, dass ich den Schnabel etwas voll genommen habe und ich derjenige sein könnte, der schwimmen muss. Auf der Suche nach einem Zeichen flattere ich herum, schliesslich entdecke ich einen Regenbogen, der sich über den Rodenberg wölbt. Diese Slam-Achse erinnert mich daran, dass mit Lara Stoll und Gabriel Vetter zwei Superstars der Schweizer Slam-Poetry- und Kabarettszene etliche Jahre ihrer Kindheit in Rheinklingen und Schlattingen verbrachten. Natürlich weiss ich nicht, ob sie so steil durchstarteten, weil sie im prickelnden Rodenbergklima gross wurden, oder ob sie eben trotz der Jugend bei uns Karriere machten. Auch egal! Falls ihr in nächster Zeit einen Spatz seht, der im Untersee oder auf dem Rhein herumpaddelt, lasst ihn! Mein Cousin löst gerade seine Wette ein.

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