Skandal hier und dort

Thursicht

Samuel Koch
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Wellen schlägt sie, die Frühfranzösisch-Debatte. Derart hohe Wellen wie sie auf dem Bodensee kaum je zu sehen waren. So viel Aufmerksamkeit ist den Thurgauern gar nicht geläufig. Vielleicht revidieren die Luzerner, Berner oder Romands bald ihre Meinung, dass die Schweiz eben doch nicht in Winterthur endet.

Kein namhaftes Medium hat sich der Berichterstattung aus dem Grossen Rat entzogen. Online-Plattformen pushten, Zeitungen lieferten Hintergründe und die Tagesschau berichtete zur besten Sendezeit. Ob pro oder kontra Frühfranzösisch, Hauptsache im Gespräch.

Kippt der Thurgau das Frühfranzösisch endgültig aus der Primarschule, würde sich der Röstigraben für einige Schweizer verschieben, rund um den Thurgau. Eine Sprachinsel, von Horn bis Schlatt, von Gottlieben bis Fischingen. Analogien zu Asterix und Obelix kursieren. Dabei hat der Thurgau innenpolitisch doch genügend Sprachgrenzen. Die Beckeli-Grenze etwa zieht sich von Nord nach Süd quer durch die Landschaft, und Sprachinseln existieren ebenfalls bereits. Wie am Untersee, wo die ältere Generation mit dem Bodensee-Alemannisch noch eine eigene Sprache zu sprechen pflegt. «Gsoat» statt gesagt, «gmont» statt gemeint – im Ober- oder im Hinterthurgau versteht man da nur Bahnhof.

Und das Bodensee-Alemannisch lernen im Thurgau weder Primar- noch Oberstufenschüler. Der uralte Dialekt geht unter, ohne Wellen zu schlagen – ein Skandal für mich als waschechten «Seebueb».

Samuel Koch

samuel.koch

@thurgauerzeitung.ch