Six kilomètres à pied, ça use

RESTZUCKER

David Angst
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Vegane Erde ist mega im Trend. So hat Coop neuerdings vegane Erde im Sortiment, die bei Ricoter in Frauenfeld aufbereitet worden ist. Es ist deshalb im Thurgau nicht mehr erlaubt, den Hühnermist mit der Grünabfuhr mitzugeben. Und auch wenn Kantonsrat Joe Brägger ein Grüner ist, so sind die Rossbollen seines Pferdes beim besten Willen nicht vegan. Bräggers Pferd produziert nun ohnehin keine Rossbollen mehr, denn es ist tot. Er ist auf ihm in den Röstigraben geritten und hat es dann dort liegen lassen.

An ebendiesem Graben ist am Mittwoch zwar eine weitere Schlacht geschlagen worden, aber der Krieg ist noch nicht vorbei. Das Dorf der unbeugsamen Gallier – so jedenfalls hat die «NZZ am Sonntag» den Kanton Thurgau bezeichnet – sperrt sich immer noch hartnäckig gegen die Romanisierung. Der Feind lebt mitten im Dorf. Denn 53 Schwächlinge wollen sich lieber unter Alain Cäsar Bersets Joch begeben als in Freiheit zu leben. Ein solcher ist Hanspeter Troubadix Heeb. Dieser wird zwar für einmal nicht an einen Baum gefesselt, aber Gallus Majestix Müllers Singverbot trifft ihn hart genug.

Und so steht Heeb zusammen mit den Oberstufenschülern von Freidorf zuoberst auf der Liste für das «Trostpflästerli der Woche». Weil ihr Schulbus wegrationalisiert worden ist, müssen diese armen Kinder jetzt jeden Mittag sechs Kilometer marschieren. Freidorf ist offenbar velofreie Zone – deshalb wohl auch der Name. Die Oberstufenbehörde Arbon überlegt sich nun aber, die Schüler jeweils eine halbe Stunde früher in den Mittag zu entlassen. Als Aufsichtsperson würde man Hanspeter Heeb engagieren, der zusammen mit den Schülern täglich auf dem Heimweg sänge: «Six kilomètres à pied, ça use les souliers». Das ginge dann gleich als Französischunterricht.

David Angst

david.angst@thurgauerzeitung.ch