SITZUNG: «Mutlos und ohne Visionen»

Mehrere Mitglieder des Grossen Rats kritisieren die schmale Mittelschulstrategie. Bildungsdirektorin ­Monika Knill verteidigt das Papier, das alte Hürden abschaffe und dadurch eine ganz neue Dynamik ermögliche.

Larissa Flammer
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Die Diskussion des Grossen Rates zur Mittelschulstrategie im Weinfelder Rathaus: SP-Kantonsrätin Marianne Sax (Frauenfeld) am Rednerpult und Bildungsdirektorin Monika Knill im Vordergrund. (Bild: Reto Martin)

Die Diskussion des Grossen Rates zur Mittelschulstrategie im Weinfelder Rathaus: SP-Kantonsrätin Marianne Sax (Frauenfeld) am Rednerpult und Bildungsdirektorin Monika Knill im Vordergrund. (Bild: Reto Martin)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Da waren sie wieder, die Kritikpunkte am neuen «Gesamtkonzept Thurgauer Mittelschulen». «Das kann es jetzt aber nicht gewesen sein», dachte sich Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld), als er das Papier gelesen hatte. «Dünn und mutlos» nannte es Marianne Sax (SP, Frauenfeld). Für Joe Brägger (GP, Amriswil) ist das Konzept zwar auf gutem Weg, aber «ohne Visionen». Reto Ammann (GLP, Kreuzlingen) fehlen im Konzept die Grenzen. Ähnliche Bedenken wurden bereits am Podium laut, das die Förder- und Alumni-Vereinigungen der Kantonsschulen vergangene Woche veranstaltet hatten (TZ vom Samstag).

Das berühmte «Fleisch am Knochen» sei aber durchaus vorhanden, betonte Bildungsdirektorin Monika Knill. «Auf der Detailebene können Sie erkennen, dass einschneidende Entwicklungsmöglichkeiten im Konzept stecken.» Mit der alten Strategie funktioniere lange nicht alles so flexibel, wie das teilweise erwartet werde. Wenn diese Hürden erst fallen würden, entwickle sich eine Dynamik, die ganz Neues zulasse, sagte Knill. «Dinge, wie sie im Papier vermisst werden.» Auch Grenzen seien trotz der neuen Teilautonomie gegeben. Das Bundesgesetz, das Maturitätsreglement und auch überregionale und globale Entwicklungen würden den Rahmen für die Mittelschulen vorgeben.
 

Strategie geht in die richtige Richtung

Die Regierungsrätin konnte sich nach der Eintretensdebatte auch über Rückenwind freuen. Die meisten Redner bedankten sich für die Arbeit und freuten sich über die Richtung, die das Konzept einschlägt – auch wenn Konkretes vermisst wurde. Huber sprach von drei Zugeständnissen: die Flexibilität bei der Mittelzuweisung, die neue Teilautonomie und die Abschaffung der Weisung, dass alle drei Kantonsschulen ein identisches Angebot führen müssen. Die Teilautonomie freut auch Cornelia Hasler-Roost (FDP, Aadorf). Sie gibt aber zu ­bedenken: «Es ist heikel, wenn dann alle Kantonsschulen auf die gleichen Stärken setzen.» Alex Frei (CVP, Eschlikon) bemerkte, dass keine übermässige Rivalität entstehen darf. Um diesen Bedenken entgegenzuwirken, ist eine gute Zusammenarbeit wichtig. Reto Ammann wünscht sich diesbezüglich, dass das Departement die Schritte in die Teilautonomie in eine Richtung lenkt, «die dem Thurgau dient».

Ein weiterer an der Sitzung mehrfach angesprochener Punkt ist das Untergymnasium. Sax will damit mehr junge Männer in die Kanti holen. «Es gibt kluge Buben, die in der Sek nicht mehr aufstrecken, weil sie keine Streber sein wollen.» Mit einer frühzeitigen Förderung nicht nur von Musikern und Sportlern, sondern auch von «schlauen Allroundern», wie Sax es ausdrückt, könne auch die Maturitätsquote angehoben werden. Knill verweist dazu auf die neuen Massnahmen zur Begabtenförderung (die TZ berichtete). Das Thema Untergymnasium sei deshalb nicht weiter verfolgt worden.

Nach der Eintretensdebatte zeigte die Uhr bereits 12.40 Uhr, und die meisten Kantonsräte waren auf dem Sprung. Grossratspräsidentin Heidi Grau stellte deshalb alle Punkte gemeinsam zur Detaildiskussion und erklärte das Geschäft für erledigt, als sich niemand mehr meldete.