Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SIRNACH: Naturkatastrophen faszinieren ihn

Lars Kühne hat sich für seine Maturaarbeit mit dem Hochwasserschutz befasst. Für das Einzugsgebiet seines Wohnortes hat er eine Gefahrenkarte entwickelt und sie mit jener des Kantons verglichen.
Tim Frei
Hier unter der Murgbrücke in Sirnach ist die Hochwassergefahr besonders gross, sagt Lars Kühne. Da Fluss und Ebene gleich hoch sind, kommt es schnell zu Überschwemmungen. (Bild: Tim Frei)

Hier unter der Murgbrücke in Sirnach ist die Hochwassergefahr besonders gross, sagt Lars Kühne. Da Fluss und Ebene gleich hoch sind, kommt es schnell zu Überschwemmungen. (Bild: Tim Frei)

Tim Frei

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Graue Wolken verdunkeln den Himmel über Sirnach, um sich nur wenige Momente später zu entleeren. Der Regenfall ist dermassen stark, dass Bäche und Flüsse über die Ufer treten und Wasser die Strassen fluten. Ein solches Unwetter verfolgt man in der Regel lieber aus sicherer Distanz. Nicht so Lars Kühne, der Hinterthurgauer blüht dann richtig auf. So beispielsweise im vergangenen Jahr: Damals schlüpfte er jeweils schnell in den Regenmantel, schwang sich samt Kamera aufs Velo, fuhr damit an die Murg, um dort Fotos von den überschwemmten Flächen zu machen. «Naturkatastrophen haben mich schon immer fasziniert», sagt Kühne.

Doch, was steckt hinter diesen Bildern? Der Schüler der Kantonsschule Wil brauchte diese für seine Maturaarbeit, die von präventiven Massnahmen gegen Hochwasser in der Schweiz handelt.

Überschwemmungen in Wil von 2015 als Auslöser

Aufgrund seiner Faszination sei für ihn immer klar gewesen, dass er sich mit Naturgefahren befassen möchte. Die schweren Überschwemmungen in Wil 2015 haben bei ihm dann das Interesse am Hochwasserschutz geweckt –sowohl schweizweit als auch für seinen Wohnort Sirnach. Er stellte sich Fragen wie: Wie ging man in der Schweiz gegen Hochwasser in der Vergangenheit vor? Welche Lehren zog man daraus? Und vor allem: Wie gut ist Sirnach für ein ähnliches Unwetter wie damals in Wil gerüstet?

Seine in englischer Sprache verfasste Maturaarbeit setzt sich aus zwei Teilen zusammen, einem theoretischen und einem praktischen Teil. Im ersten zeigt Kühne auf, weshalb man seit Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr auf aktive Massnahmen wie Flussbegradigungen setzt, sondern auf passive, wobei die Raumplanung eine zentrale Rolle spielt. Im praktischen Teil hat er eine Gefahrenkarte für Sirnach und Umgebung entwickelt, dies auf Basis des geografischen Informationssystems.

Die rote Linie (siehe Karte) zeigt an, wo am meisten Wasser bei starkem Niederschlag hinfliessen würde. «Dort ist die Gefahr am grössten, dass die Murg übers Ufer treten würde», sagt Kühne. Besonders gross sei dieses Risiko bei der Murgbrücke in Sirnach. «Dies, weil der Fluss und die umliegende Bodenfläche gleich hoch sind. Zudem kann das Wasser nicht in den Boden versickern, da die Fläche versiegelt ist.» Insgesamt kommt der 18-Jährige zum Schluss, dass die Hochwassergefahr der Murg «nicht sehr gross» sei. Das liege an der Geologie. «Im Vergleich zu anderen Flüssen ist die Murg schmal und lang sowie weniger verschachtelt. So ist das Wasser zwar schnell im Hauptfluss, was zu einem schnellen Anstieg des Wasserstands führt, doch dieser senkt sich auch genauso schnell wieder.» Würde sich ein Unwetter wie in Wil ereignen, könnte es laut Lars Kühne trotzdem zu ähnlichen Schäden kommen: «Das Abwassersystem wäre dann wohl ebenso überlastet.»

Seine Gefahrenkarte ist kantonsübergreifend

Nachdem er die Gefahrenkarte entwickelt hatte, verglich er sie mit jener des Kantons. Sie gleichen sich in vielen Punkten; so folgen beide mehrheitlich der Murg. «Ich war mir von Anfang an bewusst, dass der Kanton das meiste schon weiss, was ich herausfinden würde. Mich nahm es aber wunder, ob ich tatsächlich zu den selben Ergebnissen kommen würde», sagt Kühne.

Es gibt aber auch Unterschiede zwischen den Karten. So verlässt die Gefahrenlinie bei der Karte des Schülers den Fluss kurz vor Sirnach. «Dies ist nicht realistisch, da die Murg dort rund zwei Meter tiefer ist als das umliegende Gelände.» Ein Vorteil seiner Karte, sagt Kühne, sei dagegen, dass sie kantonsübergreifend ist. Sie reicht nördlich fast bis Frauenfeld, südlich bis zum Hörnli, westlich bis zum Bichelsee und östlich bis Oberbüren. Während Kühne sich bei der Erarbeitung der Karte einzig auf Höhenunterschiede fokussierte, konnte der Kanton auch auf Bodeninformationen zurückgreifen. «Dass daraus trotzdem eine ähnliche Karte entstand, hat mich erstaunt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.