SIRNACH: Ein abgeschnittener Finger fliegt durch die Luft

Eine ausverkaufte Premiere und junge Theaterspieler in Höchstform. Das «Theater Jetzt» führte am Donnerstagabend sein neustes Werk auf. «Der Struwwelpeter» erntete stehende Ovationen.

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Der Struwwelpeter ist ein Kinderbuchklassiker. Die neuste Inszenierung von Oliver Kühns «Theater Jetzt» überzeugt mit starker Mimik. (Bild: Christoph Heer)

Der Struwwelpeter ist ein Kinderbuchklassiker. Die neuste Inszenierung von Oliver Kühns «Theater Jetzt» überzeugt mit starker Mimik. (Bild: Christoph Heer)

Gross war die Spannung im Foyer des Dreitannensaals am Donnerstagabend, als sich rund 100 Besucher zur Premiere von «Der Struwwelpeter» eingefunden hatten. Es war nicht nur der Premierenauftritt des knapp einstündigen Theaters, es war zugleich auch die erste Aufführung vom «Theater Jetzt» im Dreitannensaal. Vor drei Jahren gastierte die Schauspieltruppe mit «No Greg» noch im Saal des Restaurants Löwen. Daher sprach Gesamtleiter Oliver Kühn auch davon, mit dem Umzug in den grossen Saal den kulturellen Olymp Sirnachs zu erklimmen.

Und der Umzug gelang von A bis Z. Mit der drehbaren Bühne in der Mitte des Saals, die Tribüne gegen die Bühne hin errichtet, einer Lichtshow, die rundum passender nicht hätte sein können, und – dem Wichtigsten – motivierten Protagonisten im Scheinwerferlicht. Die ganze Insze­nierung wird dabei begleitet und umrahmt von den Wiler Bläserkids und den Musikern von Vendredi Soir Swing.

Wienerli aus der Dorfmetzg und fliegender Fleischkäse

Der Struwwelpeter, ein Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1845, besteht nicht nur aus leicht verdaulichem, humoristischem Gut. Ganz im Gegenteil, da wird zum Nachdenken angeregt, während kleine, feine Anekdoten in Richtung Erwachsene abgegeben werden. Dementsprechend fliegt dann schon mal ein abgeschnittener Daumen durch die Luft – keine Angst, es handelt sich hierbei um Wienerli aus der dorfei­genen Metzgerei – Streichhölzer sorgen für ein Feuer, und auch der fliegende Fleischkäse und die Mittelfinger dürfen nicht fehlen.

Der Struwwelpeter überzeugt mit starker Mimik, Publikumsnähe und funktionierender Bühnentechnik. Dank dieser Nähe zu den Nachwuchsschauspielern wie Lara Früh, Linda Barberi, Selina Colombo, Natalija Gasser und etlichen weiteren talentierten Jungschauspielern wird der aufmerksame Besucher nachfolgend in die Szenerie mit einbezogen. Valentin Hüppi spielt den Zappelphilipp und zeigte sich auch beim abschliessenden Medieninterview von seiner coolen Seite. «Das war mein erster Auftritt mit dem ‹Theater Jetzt›, und es hat riesigen Spass gemacht. Nervös war ich vorgängig nicht, bis dann die Besucher ihren Platz eingenommen haben, da fing das Herz an, schneller zu schlagen», meinte der Wiler lachend. Vom Premierenpublikum – Gemeindepräsident Kurt Baumann gehörte auch dazu – hörte man ausschliesslich Lob. Ob Thundorfer, Wiler, Müllheimer oder Sirnacher, «einmal mehr, ein grandioses Stück Theater», war man sich unisono einig.

Nach dem Theater an die Chilbi

Bis am 20. Januar wird «Struwwelpeter» noch einige Male aufgeführt. Nach dem Theater findet jeweils eine Chilbi mit diversen Spielmöglichkeiten wie Tischfussball, Dart, Flipperkasten oder etwa Büchsenwerfen statt. Wenn sich Suppenkaspar weiterhin weigert, die Buchstabensuppe zu essen, ist bis zur Dernière bestimmt für jeden Besucher genug da.

Christoph Heer

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch