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Sintflut statt Seegfrörni

Die Menschen haben ein kurzes Gedächtnis. Fast schon ein Spatzenhirn. Vor einem Jahr klagten alle über Trockenheit. Der Rhein war kaum schiffbar, der See tief und der Grundwasserspiegel alarmierend. Nun regnet es seit Tagen, und alle beklagen sich darüber, dass See, Rhein und Grundwasser steigen.

Die Menschen haben ein kurzes Gedächtnis. Fast schon ein Spatzenhirn. Vor einem Jahr klagten alle über Trockenheit. Der Rhein war kaum schiffbar, der See tief und der Grundwasserspiegel alarmierend. Nun regnet es seit Tagen, und alle beklagen sich darüber, dass See, Rhein und Grundwasser steigen. «Pass auf, dass dir keine Schwimmhäute wachsen», ruft mir meine Frau Turmspatz nach, als ich in den Regen hinausfliege. Mein Ausflug führt mich dem Radweg entlang nach Westen. Unter mir tropfende Velofahrer, die von dampfenden Badewannen und trockenen Betten träumen. Etwas oberhalb von Mammern steht ein Mann und schreit sich die Seele aus dem Leib. «Was ist los?» Ich setze mich auf einen Ast. «Das ist los!» Er zeigt auf den See hinunter. «Ich habe mich völlig verspekuliert.» Bevor ich etwas sagen kann, beginnt er zu singen: «Ein kalter Wintertag, an dem niemand nach draussen mag. Nur auf dem Steg, da steht ein Greis, und vor ihm wird der See zu Eis. Ein Eis, von Mammern bis zum Horizont, als wär's der letzte Tag, der kommt.» «Nicht schlecht», sage ich und klatsche mit den Flügeln. Der Sänger schiebt sich eine feuchte Strähne aus dem Gesicht. «Leider passt meine <Seegfrörni>-Musik nicht zu diesem Wetter. Mein Musical wird ein Reinfall.» «Kein Problem.» Ich pfeife ein paar Takte eines Regenliedes. «Am Himmel Wolkentürme – keine Stille, nass wird der Mann am Kohlengrille. Die Mütter haben feuchte Kinder, dass Autos rosten, kann man nicht verhindern. Und Spatzen fliegen, fast wie Regentropfen, durch den Wald und durch den Hopfen.» «Wie soll dieses Musical heissen?», fragt der Sänger. «Sintflut», zwitschere ich stolz.

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