Singen auf der Wartburg

60 Jugendliche singen und tanzen diese Woche im Lagerhaus «Wartburg». Sie nehmen an einem kantonalen Ferienlager teil. Heute zeigen sie in Tägerwilen, was sie gelernt haben.

Gudrun Enders
Drucken
Teilen
Aufstehen und dehnen, damit nachher die Stimme voller tönt.

Aufstehen und dehnen, damit nachher die Stimme voller tönt.

Mannenbach. Der Weg ist steil. Gefühlte 1000 Stufen geht es von der Wartburg den Hang hinab zum Waldhaus. Im abgelegenen Gebäude wird geprobt. «Eins – zwei – drei – vier», zählt Musiklehrer René Pulfer. «Uuuuuhu, uuuuuuu» singen rund 30 Jugendliche. Ein Stockwerk tiefer arbeitet Berufsakrobatin Corinne Mathis aus Wilen mit etwa 20 Mädchen. Eine Formation steht. «Jetzt will ich Party sehen», sagt Mathis und schwingt die Hüften. Die Mädchen tun es ihr gleich.

Mehr Anmeldungen als Plätze

«Mich haut um, was die Kinder in der kurzen Zeit lernen», sagt Pulfer später. Das Ferienlager wird vom Kantonalen Gesangsverband seit 15 Jahren angeboten. 120 Jugendliche melden sich inzwischen an, für 60 ist Platz.

Bald ist Mittag. In der Küche wird das Essen vorbereitet. Informatiker Marcel Hugentobler aus Weinfelden rührt in der Sosse. Als Schnupperstift guckt er den beiden Lagerköchinnen der ersten Stunde über die Schulter. «Man merkt, dass er ein Hobbykoch ist», lobt Elsbeth Bögli aus Tägerwilen. Böglis Gatte initiierte das Jugendlager vor 15 Jahren. Während die Gattin noch heute in der Küche steht, hat die Hauptverantwortung inzwischen Kantonaldirigentin Claudia Hugentobler inne.

Zurück in die Küche: In den Menuplan fliessen 15 Jahre Erfahrung ein. Gekocht wird, was am besten ankommt. «Und jeden Tag Dessert», sagt Elsbeth Bögli. Von den Kindern wird das Essen ausnahmslos gelobt. «Sehr lecker», lautet etwa das Urteil der 10jährigen Janine Fäsi aus Tägerwilen. Auch der Kurs kommt gut an: «Ich singe und tanze gern», sagt etwa der 10jährige Moritz Schmid aus Arbon.

Stress mit Stress

Vier Hausmütter leben in der Woche mit den Kindern zusammen. Sie sind da, wenn Heimweh quält oder wenn endlich Nachtruhe herrschen muss. Karin Bonderer aus Götighofen engagiert sich schon seit 15 Jahren als Hausmutter, seit sechs Jahren begleitet von Hund Tosca. Besonders in Erinnerung ist ihr geblieben, als sie sich vor vielleicht drei Jahren einen Aprilscherz erlaubte. Sie verkündete, dass Musiker Stress im Lager vorbeischauen würde. Die Kinder hingen sofort am Handy, um diese Hammer-Nachricht nach Hause zu melden. «Ich habe mich hochoffiziell entschuldigt», sagt Bonderer. «Ich hätte doch nicht gedacht, dass die so tun.» Sie riskiert solche Scherze nicht mehr. Doch dieses Mal würden die Telefonkosten im Rahmen bleiben. Denn Handys dürfen nicht mehr mit ins Lager.

Aufführung heute Freitag um 16 Uhr in der Bürgerhalle Tägerwilen

Am riesigen Topf stehen Marcel Hugentobler und Susi Kramer. (Bilder: Gudrun Enders)

Am riesigen Topf stehen Marcel Hugentobler und Susi Kramer. (Bilder: Gudrun Enders)