Sind benachteiligt: Über 70jährige Autofahrer

FRAUENFELD. Seniorinnen und Senioren sollen zwischen dem 70. und dem 80. Lebensjahr nicht mehr alle zwei Jahre, sondern nur noch alle fünf Jahre ihre Fahrtauglichkeit von einem Arzt überprüfen lassen. Dies forderte Pro Senectute in unserer Zeitung (Ausgabe vom 4. November).

Inge Staub
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Thomas Meyer Leiter Wissenschaft bei der Terz-Stiftung (Archivbild: Nana do Carmo)

Thomas Meyer Leiter Wissenschaft bei der Terz-Stiftung (Archivbild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Seniorinnen und Senioren sollen zwischen dem 70. und dem 80. Lebensjahr nicht mehr alle zwei Jahre, sondern nur noch alle fünf Jahre ihre Fahrtauglichkeit von einem Arzt überprüfen lassen. Dies forderte Pro Senectute in unserer Zeitung (Ausgabe vom 4. November).

Rückendeckung durch Terz

Die Seniorenorganisation erhält nun Rückendeckung von der Terz-Stiftung, die ihren Sitz in Berlingen hat. Die Stiftung verlangt, dass die Kontrolle der Fahrtauglichkeit ab 70 Jahren um mindestens fünf Jahre nach hinten verlegt wird.

Unauffällige Kohorte

«Aus allen Statistiken ist sehr gut nachweisbar, dass die Kohorte zwischen 65 und 75 Jahren die unauffälligsten Motorfahrzeuglenkenden in Bezug auf Unfälle sind», sagt Thomas Meyer, Leiter Wissenschaft der Stiftung.

Die Terz-Stiftung hat sich bereits in einer Petition an den Bundesrat und in zahlreichen Publikationen gegen die heutige Bestimmung zur Wehr gesetzt. Thomas Meyer von der Terz-Stiftung betont deutlich: «Der wissenschaftliche Nachweis fehlt, dass die bisherigen Kontrolluntersuchungen die Fahrfähigkeiten der älteren Verkehrsteilnehmenden sinnvoll erfassen.»

Nicht weniger Unfälle

Des weiteren ist die Terz-Stiftung überzeugt, dass die Kontrollen nicht zu einer höheren Verkehrssicherheit führen würden. Thomas Meyer vergleicht die Unfallrate der Schweizer Autofahrer über 70 Jahren mit jener von gleichaltrigen Autofahrern aus Nachbarländern. «Wir haben nicht erheblich weniger Unfälle als die anderen Länder.» Die über 70jährigen Autofahrer würden gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern benachteiligt, sagt Meyer.

Diskriminierender Untersuch

Sie fühlten sich durch das Aufgebot zur medizinischen Untersuchung im Turnus diskriminiert. Die Kontrolle werde als Bedrohung und als Schikane wahrgenommen.

Die Terz-Stiftung wünscht sich, dass statt der medizinischen Untersuchung und dem «zu raschen Entzug des Führerausweises» mehr gezieltes Fahrtraining für über 70-Jährige angeboten würde. Thomas Meyer unterstreicht, die Fahreignungsprüfung «ist der Zeit nicht mehr angemessen und wissenschaftlich umstritten». Er hofft, dass «die Politik endlich aktiv wird».

Der Gesetzgeber will es so

Das Parlament hat sich 2012 für die periodische Kontrolluntersuchung von über 70-jährigen Fahrzeuglenkern ausgesprochen und diese im Strassenverkehrsgesetz verankert.