Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Sigmaringen bietet Raum und Geld

UTTWIL/SIGMARINGEN. Der Thurgauer Unternehmer Fredy Iseli verlagert die Serienproduktion seines Ecocell-Schnellbausystems nach Baden-Württemberg. Schweizer Banken geben ihm keine Kredite, damit er die in Sulgen entwickelte Produktion weiter ausbauen kann.
Inge Staub
Fredy Iseli zeigt eine Betonwabe, die den Kern des von ihm erfundenen Bausystems bildet. (Bild: Donato Caspari)

Fredy Iseli zeigt eine Betonwabe, die den Kern des von ihm erfundenen Bausystems bildet. (Bild: Donato Caspari)

«Die Risikobereitschaft der Schweizer Banken ist nicht allzu gross», bedauert Fredy Iseli. Der Uttwiler Architekt wollte im Thurgau seine Produktion weiter automatisieren. Hierfür klapperte er fast alle Schweizer Banken ab. Ohne Erfolg. Jetzt hat er andere Pläne.

In den vergangenen Jahren hat Fredy Iseli ein neuartiges Schnellbausystem entwickelt, mit welchem sich Gebäude in wenigen Tagen aufbauen lassen. Dieses System hat er in einer angemieteten Halle in Sulgen zur Produktionsreife gebracht. Das erste Haus steht bereits – in St.Margrethen. Damit weitere folgen, will Iseli die Produktion der Bauelemente weiter ankurbeln. Hierfür benötigt er Maschinen und Produktionsanlagen im Wert von über fünf Millionen Euro. Da er die Entwicklung und den Aufbau der Produktion bisher selber finanziert hat, ist er für den weiteren Ausbau neben privaten Investoren auf ein Engagement der Banken angewiesen. «Ich habe in der Schweiz keine Bank gefunden, die mir auch nur eine Maschine oder Anlage finanziert hätte», bedauert er.

Drei Banken interessiert

Inzwischen hat der Architekt eine Kreditzusage bekommen. Von einer deutschen Bank. «Drei deutsche Banken haben sich fast darum gestritten, mir mindestens 50 Prozent der Investitionskosten zu finanzieren», sagt er. Deshalb entsteht die erste vollautomatische Produktion seiner Bauelemente jetzt in Sigmaringen, rund 40 Kilometer nördlich von Meersburg. Auf dem Areal einer ehemaligen Kaserne hat Fredy Iseli bereits mehrere Hallen angemietet, in welchen demnächst bis zu 15 Personen einen neuen Arbeitsplatz finden werden. Diese 15 Arbeitsplätze hätten auch dem Thurgau gutgetan. Doch weshalb stellen sich die Banken quer? Fredy Iseli vermutet, dass die Schweizer Banken ihm nicht unter die Arme greifen, weil ihnen das Geschäft zu kompliziert und allenfalls zu riskant ist. Das Produkt ist neu, die Marktchancen schwer zu beurteilen, obwohl er ein erstes Haus bereits aufgestellt hat und er für sein Trennwandsystem mit der Post schon einen grossen Kunden gewinnen konnte.

Grundsätzlich finanzieren auch Schweizer Banken Investitionen. Die Thurgauer Kantonalbank prüft bei der Kreditvergabe Bonität und Sicherheiten eines Unternehmens. «Nicht üblich ist, Maschinen als Sicherheiten für Investitionsfinanzierungen heranzuziehen», sagt Mediensprecherin Melanie Frei. Oft würden sich Kunden deshalb anstelle eines klassischen Kredits für eine Leasing-Finanzierung entscheiden.

Diese wird auch von den Raiffeisenbanken angeboten. Mediensprecher Franz Würth betont: «Bei der Kreditvergabe ist die Gesamtsituation des Kunden ausschlaggebend, eine blosse Abstellung auf eine etwaige Kreditsicherstellung ist nicht ausreichend.» Generell berücksichtigen die Raiffeisenbanken die aktuelle wirtschaftliche Situation des Unternehmens, die Zukunftsaussichten und Marktchancen des Produkts.

Doch sind in der Schweiz die allermeisten KMU-Kredite hypothekarisch gesichert. «Es kann also durchaus so sein, dass KMU, die keine Immobilien als Sicherheit anbieten können, es tatsächlich schwer haben, einen Kredit zu erhalten», sagt Professor Martin Brown vom Swiss Institute of Banking & Finance der Universität St. Gallen.

Generell scheinen kleinere und mittlere Unternehmen von den Banken entweder keine Darlehen zu bekommen, oder sie entscheiden sich bewusst dagegen. Denn 65 Prozent der Schweizer KMU verfügen laut einer Studie, die das Bundesamt für Wirtschaft Seco 2012 in Auftrag gegeben hat, über keinen Bankkredit. Sie arbeiten ausschliesslich mit Eigenmitteln oder greifen auf Darlehen von Dritten zurück. Die Hälfte der Unternehmen, die sich Geld von Banken liehen, gab an, dass sich die Bedingungen in den letzten Jahren verschlechtert hätten.

159 Gebäude stehen leer

In Sigmaringen ist man froh, dass Fredy Iseli kommt. Die Bundeswehr ist letztes Jahr abgezogen und hinterlässt in der Graf-Stauffenberg-Kaserne 159 Gebäude, die wieder mit Leben gefüllt werden sollen. Die Wirtschaftsförderung bewirbt den Standort intensiv. Mit dem Slogan «Wir bieten Raum für Ihre Ideen» versucht sie, Investoren anzulocken – auch aus dem Thurgau. Denn Bürgermeister Thomas Schärer stammt aus Egnach und verfügt deshalb über gute Kontakte in die Schweiz. Dank diesen fand auch Fredy Iseli den Weg in die Donaustadt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.