Sie zeigt die Dorfgeschichte

Ab nächster Woche lassen sich Führungen durch Berlingen buchen. Die Schirmherrschaft über die Neuerung hat der Verkehrsverein. Der hat mit Bettina Huber eine bekannte und versierte Führerin gefunden.

Gudrun Enders
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Bettina Huber deutet bei ihrem Dorfrundgang auf eines der vielen historischen Häuser an der Seestrasse. (Bild: Reto Martin)

Bettina Huber deutet bei ihrem Dorfrundgang auf eines der vielen historischen Häuser an der Seestrasse. (Bild: Reto Martin)

BERLINGEN. Bettina Huber bereitet sich auf ihre Feuertaufe vor. Wie lange, kann sie gar nicht sagen. Berlinger haben ihr Unterlagen über die Dorfgeschichte vorbeigebracht. Huber hat in Bibliotheken gestöbert und das Hinweisinventar der kantonalen Denkmalpflege gefilzt. «Das Gerüst steht», sagt sie.

Sie hat sich in die Geschichte von Berlingen gekniet und ist gleichwohl aufgeregt, morgen Donnerstag erstmals durchs Dorf zu führen. Dieser Rundgang ist kostenlos und für die Einheimischen gedacht. «Das sind die, die am meisten wissen», sagt Huber. Danach wird zum Apéro in den Garten des Dietrich-Hauses geladen. Huber ist auf die Geschichten der Berlinger gespannt. Vielleicht lässt sich das eine oder andere einbauen oder reizt zum Nachforschen an.

Viele Führungen im Kanton

Die 75jährige Bettina Huber verfügt über sehr viel Erfahrung mit Rundgängen. Die ehemalige Primarlehrerin führt durch Frauenfeld, durchs Schloss in Frauenfeld und durch die Kartause Ittingen. Die Thurgauer Kunstgesellschaft muss mit ihr zufrieden sein. Denn als das kleine Haus des berühmten Malers Adolf Dietrich – es gehört der Thurgauer Kunstgesellschaft – in Berlingen zur Vermietung stand, erinnerte man sich an eine frühere Anfrage Hubers. Die hatte es als gebürtige Kreuzlingerin wieder an den See gezogen. Nun lebt Huber seit zehn Jahren im Dietrich-Haus und damit direkt am Ufer, betreut das Museum und den Garten. Sie führt zudem bis zu 20 Gruppen im Jahr durchs Haus des Künstlers.

Keine Schauspielerin

Zunehmend werden den Touristen Führungen angeboten, an denen mittelalterliche Nachtwächter, Mägde oder gar Schlossgeister ihre Geschichte erzählen. «Das ist nichts für mich», sagt Huber. «Ich bin keine Schauspielerin.» Sie vermittle ihr Wissen gerne frontal, passe sich der Gruppe und auch etwa dem Wissensstand von Kindern an. Das glaubt man der Grossmutter von sieben Enkeln sofort.

Kaum ist sie auf die Seestrasse getreten, sprudelt es schon aus ihr heraus. Sie erzählt vom Kehlhof. Dort mussten die Berlinger ihren Zehnten an die Reichenau abgeben. Sie weiss, welches Haus nach alemannischer Art gebaut wurde. Sie gestikuliert. Sie ist voll dabei.