Sie wollen nur spielen

FRAUENFELD. 2014 wurden im Kanton Thurgau 227 Hundebisse gemeldet. Die Zahl ist im Vergleich zu 2013 konstant geblieben, im Vergleich mit den Vorjahren aber gestiegen. Das hängt wohl damit zusammen, dass es immer mehr Hunde gibt.

Michèle Vaterlaus
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Ein Hundebiss kann eine ernsthafte Verletzung verursachen oder auch einfach nur eine kleine Schramme hinterlassen. (Bild: Susann Basler/Archiv)

Ein Hundebiss kann eine ernsthafte Verletzung verursachen oder auch einfach nur eine kleine Schramme hinterlassen. (Bild: Susann Basler/Archiv)

227 Mal haben Hunde im Thurgau im Jahr 2014 zugebissen. Das sind exakt gleich viele wie im Jahr 2013. Es sind aber mehr als die Jahre davor: 2012 wurden 204 Bisse gemeldet, 2011 waren es 187 und im Jahr 2010 218. Von einem Anstieg will der zuständige Thurgauer Amtstierarzt Ulrich Weideli aber nicht reden. «Die Zahlen stehen für Meldungen, denn Hundebisse sind meldepflichtig. Sie sagen aber nichts über die tatsächliche Verletzung durch den Biss aus.» Es gebe nämlich einen Unterschied, ob ein Pitbull-Terrier zubeisse oder ein Yorkshire-Terrier. Unterschiede gebe es auch bei den Menschen: «Manche gehen mit einem Kratzer zum Arzt, andere nicht», sagt Weideli.

Grosse Wunde oder Kratzer

Ob die gebissenen Personen zum Arzt gehen oder nicht, ist entscheidend, weil der Arzt eine Meldepflicht hat (siehe Kasten). Er muss also den Vorfall bei der zuständigen kantonalen Stelle – dem Veterinäramt – melden. Dort wird der Vorfall erfasst, egal ob es nur eine Schramme oder eine tiefe Wunde war. Aus den Meldungen geht also nicht hervor, wie schwer die Verletzung war. Ebenfalls nicht erfasst ist, ob nun ein Mensch von einem Hund gebissen wurde oder ein anderes Tier. Im Jahr 2014 waren gemäss Geschäftsbericht des Kantons Thurgau ernsthafte Folgen durch Zwischenfälle mit Hunden aber – wie bereits bisher – selten. Die genaue Anzahl Bisse kennt der Kanton aber nicht. Es gibt eine Dunkelziffer. Denn jene Person, die selbst oder mit ihrem Tier nicht zum Arzt geht, wird nicht in den Meldungen erfasst.

Über 18 000 Hunde im Thurgau

Dass die Meldungen unterschiedliche Verletzungen beinhalten, betont auch Gerda Messmer, Präsidentin der Nordostschweizerischen Vereinigung der Sektionen der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft. «Ich würde auch bei einem Kratzer empfehlen, zum Arzt zu gehen, wenn ich den beteiligten Hund nicht kenne und nicht gegen Tetanus geimpft wäre.» Sie weiss, dass die Zahl der gemeldeten Hundebisse gesamtschweizerisch zugenommen hat. Gerda Messmer nennt zwei Gründe dafür: «Das lässt sich wohl mit dem erneuten Aufruf an die Ärzte erklären, alle Hundebisse zu melden.» Der zweite Grund liege möglicherweise darin, dass es immer mehr Hunde gibt. Im Thurgau sind es mittlerweile mehr als 18 000. Im Jahr 2011 gab es rund 17 000 Hunde. Weideli betont bezüglich dieser Zahlen, dass pro Jahr rund 200 gemeldete Hundebisse nicht besorgniserregend sein müssen.

Schärferes Hundegesetz

Die Hundebissmeldungen hätten nichts mit der Rassenliste zu tun, sagt der Amtstierarzt weiter. Seit 2008 gibt es im Thurgau eine Liste, auf welcher potenziell gefährliche Hunderassen zusammengestellt sind. Wer einen Listenhund, wie beispielsweise einen Pitbull-Terrier halten will, muss zahlreiche administrative Hürden bewältigen. Diese gefährlichen Hunde beissen nicht öfter zu, sagt Weideli. Die in den vergangenen Jahren gemeldeten Bisse stammten denn auch von diversen Rassen. «Wir führen jedoch keine Statistik mehr darüber, ebenso wenig der Bund.» Die Einführung der Liste war eine Reaktion des Kantons auf einen Vorfall von 2005, als drei Pitbulls im zürcherischen Oberglatt einen sechsjährigen Buben töteten.

Keine Bösartigkeit

Gerda Messmer sagt, dass sich Bissvorfälle meist im eigenen Haushalt mit dem eigenen oder einem bekannten Hund zutragen. «Hunde beissen nicht aus Bösartigkeit. Oft wird das Tier geärgert, falsch verstanden, oder es schnappt im Spiel zu. Auch so können Schrammen entstehen.»