Sie stellen sich der Herausforderung

Am 3. März wählen die Fischinger eine neue Schulbehörde. Nach den Turbulenzen der letzten Wochen stellen sich nun vier Kandidaten zur Verfügung. Am Montagabend präsentierten sie sich an einem Podium. Für eine vollständige Behörde fehlt aber noch eine Person.

Philipp Haag
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Peter Büttiker, 54 Jahre, Lehrer. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Peter Büttiker, 54 Jahre, Lehrer. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

FISCHINGEN. Es interessierte die Bevölkerung von Fischingen, wer die Personen sind, die sich zutrauen, wieder Ruhe in die Schule zu bringen. Der Saal im Restaurant Brückenwaage in Dussnang war am Montagabend gut besetzt, um die 120 Personen warteten gespannt auf die Ausführungen von Godi Siegfried, der als Schulpräsident kandidiert, sowie Norbert Meile und Peter Büttiker, welche am 3. März neu in die Schulbehörde gewählt werden möchten, und Hedi Baumgartner, die sich nochmals zur Verfügung stellt. Die letzten Wochen waren turbulent. Beatrice Matthys zog ihre Kandidatur für das Schulpräsidium kurz nach Ablauf der Meldefrist zurück, das Behördenmitglied Konrad Frischknecht verzichtete ebenfalls. Es ist darum keine einfache Situation, welcher sich die vier Kandidaten stellen. Denn nicht nur in der Behörde kommt es zu Abgängen. Auch etliche Lehrer verliessen in den vergangenen Monaten die Schule. Und viele andere seien verstört, hiess es am Podiumsabend.

In der Milch-Politik

Darauf angesprochen, meinte Präsidiumskandidat Siegfried, er habe gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen. Der 55jährige Biolandwirt aus Sitzberg, Vater von zwei erwachsenen Söhnen, engagiert sich seit Jahren in der Milch-Politik. Er sei in der Lage, die menschlich-emotionale Ebene auszublenden, «und sachbezogen zu diskutieren». Für den ehemaligen Schulpräsidenten von Schurten soll eine Schule fördern, aber auch fordern. «Und sie muss bezahlbar sein», sagte er. Für Siegfried ist klar: «Die Mitglieder einer Behörde müssen auf das gleiche Ziel hinarbeiten.» Diesen Konsens zu finden, dies sei in der Anfangszeit die grosse Herausforderung. In einem Punkt sind sich die vier Kandidaten aber bereits einig. «Die Schule muss die Kinder auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereiten.» Dafür brauche es eine funktionierende Schule. Um dies zu erreichen, dafür möchte der 54jährige Büttiker, Vater eines schulpflichtigen Sohnes, seine pädagogische Erfahrung einbringen. Er war mehr als 20 Jahre Oberstufenlehrer in Zürich, seit einiger Zeit ist er auf der Mittelstufe tätig. Büttiker, der sich gerne komplexen Aufgaben stellt, möchte mit allen Beteiligten, also mit Schulleiter, Lehrern und Eltern lösungsorientiert arbeiten. Eine gute Schule ist für Büttiker der Ort, an dem Kinder ihre Fähigkeiten entwickeln können.

Einmal kam während der Diskussion etwas Spannung auf. Der derzeitige Schulpräsident Urs Schwarz fragte Büttiker, wie dieser behaupten könne, die Finanzen der Schule seien nicht im Lot und die Verwaltungsausgaben dürften nicht weiter steigen. Die Behörde habe trotz sinkender Schülerzahlen zu lange an einem Schulstandort festgehalten – Büttiker meinte die Schule Au – und unnötig Geräte angeschafft. Schwarz liess dies nicht auf sich sitzen und nannte Zahlen, gemäss denen die Kosten pro Fischinger Schüler und der Verwaltungsaufwand unter dem Thurgauer Mittelwert liegen. Nach der Meinung über die Basisstufe gefragt, durch deren Einführung der Standort Fischingen gestärkt werden soll, sagte Büttiker wie die anderen drei Podiumsteilnehmer, dass geprüft werden müsse, ob das Modell für Fischingen Sinn macht. Einzig Hedi Baumgartner wagte sich etwas weiter vor und liess durchblicken, dass sie die Basisstufe für verfolgenswert halte. Die 44-Jährige, seit letztem Herbst in der Behörde, möchte die Öffentlichkeits- und Elternarbeit beibehalten. Sie wünscht sich eine gute Kommunikation zwischen Behörde, Lehrern und Eltern und glaubt, als Mutter von drei schulpflichtigen Kindern Eltern, die ein Anliegen haben, gut zu verstehen, «auch wenn man sich bewusst sein muss, dass die Rolle als Behördenmitglied eine andere ist».

Dass er in diese Rolle hineinwachsen muss, dem ist sich der 42 Jahre alte Meile, Vater von zwei schulpflichtigen Kindern, bewusst. Der Projektleiter bei einer Systemholzbaufirma in der Region würde gerne das Ressort Liegenschaften betreuen. Der Kommandant der Feuerwehr Fischingen ist verankert im Dorf, bezeichnet sich als kontaktfreudig, der sachbezogen und offen diskutiert. In die Behörde einbringen möchte er seine vielen Kontakte. Er glaubt, durch diese Treffen und Gespräche eher mal zu hören, wo in der Schule der Schuh drückt.

Frauen haben anderen Zugang

Die Interpartei Fischingen unterstützt alle vier Kandidaten, wie Präsident Thomas Bürgi sagte. Noch fehlt es aber an einem Kandidaten. Bürgi hofft, dass sich noch vor dem Urnengang vom 3. März eine Person meldet. «Am liebsten wäre mir eine zweite Frau in der Behörde», sagte Hedi Baumgartner. Und Siegfried pflichtete bei: «Frauen haben oft eine anderen Zugang zu Themen als wir Männer. Darum hole ich mir oft Rat bei meiner Ehefrau.»

Hedi Baumgartner, 44 Jahre, Hausfrau/Mutter. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Hedi Baumgartner, 44 Jahre, Hausfrau/Mutter. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Godi Siegfried, 55 Jahre, Biolandwirt. (Bilder: Reto Martin)

Godi Siegfried, 55 Jahre, Biolandwirt. (Bilder: Reto Martin)

Norbert Meile, 42 Jahre, Projektleiter Systemholzbaufirma. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Norbert Meile, 42 Jahre, Projektleiter Systemholzbaufirma. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))