«Sie sind absolut respektlos»

Ostschweizer Haftanstalten haben grosse Probleme mit Insassen nordafrikanischer Herkunft. Viele von ihnen bedrohen und beleidigen das Personal – und setzen teils sogar arbeitswillige Mithäftlinge unter Druck.

Daniel Walt
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«Ein Gefühl von Ohnmacht»: Nordafrikanische Insassen machen dem Ostschweizer Gefängnispersonal das Leben schwer. (Bild: Reto Martin)

«Ein Gefühl von Ohnmacht»: Nordafrikanische Insassen machen dem Ostschweizer Gefängnispersonal das Leben schwer. (Bild: Reto Martin)

«Häftlinge aus Nordafrika sind gewaltbereiter als andere, und es kommt vermehrt zu Beschimpfungen und Beleidigungen gegenüber dem Gefängnispersonal.» Mit diesem Hilfeschrei auf Radio DRS hat Thomas Freytag, Präsident des Haftanstalten-Vereins «Freiheitsentzug Schweiz», am Mittwoch für Schlagzeilen gesorgt. Die Probleme mit Insassen aus Ländern wie Tunesien, Marokko oder Libyen halten auch Ostschweizer Anstalten auf Trab.

«Die schwierigste Gruppe»

«Häftlinge aus nordafrikanischen Staaten sind die schwierigste Gruppe, mit der wir bisher zu tun hatten.» Das sagt Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt im st. gallischen Saxerriet, wo rund ein Zehntel der 120 Insassen aus Nordafrika stammt. Probleme gibt es laut Vinzens insbesondere, wenn sich Häftlinge gleicher Herkunft zusammentun und in Gruppen auftreten. Zu kämpfen hat das Saxerriet-Personal besonders mit der zunehmenden verbalen Aggression von Nordafrikanern – es sei sogar schon zu Morddrohungen gekommen, sagt Vinzens. Aber auch sonst stellt das Verhalten der Nordafrikaner das Personal vor grosse Probleme: «Es gibt auch Ausnahmen. Aber die Nordafrikaner treten, gerade in Gruppen, oftmals frech und fordernd auf», führt Vinzens aus und nennt ein Beispiel: Viele hätten das Gefühl, sie könnten ihre Strafe absitzen, ohne arbeiten zu müssen oder im Rahmen des Strafvollzugs zu kooperieren. Sie versuchten teils sogar, Druck auf arbeitswillige Insassen auszuüben. «Wir müssen diesen Leuten dann klarmachen, dass wir keine Servicestation sind», sagt Martin Vinzens.

«Sehr belastend»

Auch in der Strafanstalt im ausserrhodischen Gmünden sowie im angegliederten Kantonalgefängnis sind Probleme mit Nordafrikanern an der Tagesordnung. Direktor Kurt Ulmann berichtet von verbalen Drohungen – «teils sind sie massiv.» Ihm sei es ein Anliegen, dass es in solchen Fällen zu einer Aussprache komme – «im Optimalfall nimmt der Insasse die Drohung zurück. Andernfalls kann es zu einer Versetzung in eine andere Anstalt oder einer Anzeige kommen.» Ulmann teilt den Eindruck von Thomas Freytag vom nationalen Verband der Haftanstalten, dass Nordafrikaner im Strafvollzug schwieriger als Osteuropäer seien: «Sie sind oft sehr fordernd und auch laut», hält er fest. Ulmann berichtet auch von einem nordafrikanischen Ausschaffungshäftling im Kantonalgefängnis, der seine Zelle in Brand gesteckt habe. Generell hält er fest, die Respektlosigkeit in der heutigen Gesellschaft sei eine Tatsache – und durch die zusätzlichen Probleme mit nordafrikanischen Häftlingen sei die Arbeit für das Personal sehr belastend geworden. Umso dankbarer ist Ulmann, dass das Thema interkultureller Austausch in der Ausbildung des Personals eine grosse Rolle spielt. «Aber für Intensivschulungen speziell zum Thema Nordafrikaner haben wir derzeit keine Ressourcen», bedauert er. Seine Schlussfolgerung in Anbetracht der aktuellen Situation: «Wir bräuchten mehr Personal.»

«Wollen nur konsumieren»

Rund ein Fünftel der 60 Insassen des Kantonalgefängnisses in Frauenfeld stammt aus dem nordafrikanischen Raum. Stephan Felber, Generalsekretär des Departements für Justiz und Sicherheit: «Probleme mit Gewalt und Drohungen gegenüber dem Personal kennen wir weniger.» Ein Grund: Die Polizei befindet sich in unmittelbarer Umgebung der Haftanstalt und wird frühzeitig beigezogen, wenn sich ein Konflikt anbahnt. Trotzdem haben auch die Thurgauer ihre Probleme mit Insassen aus Nordafrika: «Sie wollen teils nur konsumieren und sind absolut respektlos im Umgang mit dem Personal», sagt Felber. Das Resultat: ein Gefühl von Ohnmacht bei den Angestellten. Diesen könne durchaus der Gedanke kommen, wo ihre eigenen Rechte blieben im Vergleich mit jenen der Gefängnisinsassen.