Sie hat alle hinter sich gelassen

Die Thundorferin Martina Nef ist die neue Schweizer Meisterin im Geländewagenfahren. Im Kampf um den Titel setzte sich die 22-Jährige gegen 30 andere Teilnehmer durch, auch gegen ihren Vater.

Marion Wehrli
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Martina und Walter Nef während eines Rennens. Diese finden meistens in Kiesgruben statt. (Bild: pd)

Martina und Walter Nef während eines Rennens. Diese finden meistens in Kiesgruben statt. (Bild: pd)

THUNDORF. «Der Sieg ist speziell für mich, aber das Wichtigste ist die Freude am Offroadfahren», sagt Martina Nef. Sie hat mit gerade mal 22 Jahren die Schweizer Meisterschaft (SM) im Geländewagenfahren gewonnen. «Leider kennen nur wenige diese Sportart. Auch ich wusste lange nicht, was das für ein Sport ist. Dabei ist Geländefahren eigentlich nichts anderes als ein Geschicklichkeitsfahren, das in Kiesgruben stattfindet», sagt die junge Thundorferin. Für die SM finden in der Saison acht Läufe statt. Wer die meisten Punkte aus diesen Rennen mitnehmen kann, wird Meister.

Die Zeit ist nicht entscheidend

Am Morgen jedes Laufs findet die technische Abnahme statt, bei der entschieden wird, in welcher Klasse der Fahrer startet (siehe Kasten). Vor den Rennen haben die Fahrer auch Zeit, die Strecke zu inspizieren. Diese ist mit Toren ausgesteckt, welche die Teilnehmer umfahren müssen. Dabei gilt es, das Ziel in einer beschränkten Zeit zu erreichen und dabei möglichst wenige Strafpunkte sammeln. Erteilt werden die unter anderem, wenn der Fahrer ein Tor berührt oder überfährt. Am Ende gewinnt, wer die wenigsten Strafpunkte erhalten hat.

Schnelle Fahrer haben also keinen Vorteil im Kampf um den Titel, im Gegenteil. Denn wenn man zu schnell fährt, kippt das Auto im rutschigen Gelände möglicherweise um. Aus diesem Grund müssen sich die Fahrer vor dem Rennen die Zeit nehmen, die Strecke zu prüfen. Nur so können sie Schwierigkeiten entdecken, ihre Route festlegen und einschätzen, wo sie wie viel Gas geben müssen.

Doppelsieg für Nefs

Vor und während des Rennens ist Walter Nef, Martinas Vater, eine wichtige Hilfe. «Wir sind ein eingespieltes Team. Ich fahre bei seinen Läufen als Beifahrer mit und er bei meinen. Das ist wichtig, denn während der Fahrt kann es sein, dass man ein Blackout hat oder sich nicht sicher ist, wie nahe man am Tor vorbeifährt. Mein Vater kann mich in einer solchen Situation beruhigen und mir helfen, mich zu orientieren.» Die beiden sind erst in der zweiten Saison mit dabei, dies aber erfolgreich. Denn während Martina Nef den ersten Rang belegte, erreichte ihr Vater den zweiten Platz. Dies bei insgesamt 31 Teilnehmern.

Nicht mit dem Sieg gerechnet

Doch wie kam Nef zu dieser Leidenschaft? «Das Autofahren hat mich immer fasziniert. Ich konnte es kaum abwarten, bis ich 18 Jahre alt wurde, nur damit ich fahren darf.» Deshalb hat sie sich auch für den Beruf im Strassenverkehrsamt Frauenfeld entschieden. Bei einem Offroadkurs im Jura entdeckten Vater und Tochter dann ihre Leidenschaft für das Geländefahren. Mit dem Sieg hatte Nef aber zuerst gar nicht gerechnet. «Ich habe mir einfach vorgenommen, bei den vorderen Plätzen mitzumischen. Als es mir dann gut lief, fuhr ich umso motivierter.» Bereits vor dem letzten Rennen in Wil ZH stand schon fest, dass Nef den Titel gewinnen würde. «Ich wollte dennoch ein gutes Rennen liefern, um zu beweisen, dass ich den Titel verdiene.» Das hat sie mit einem letzten Sieg auch mehr als geschafft.

Martina Nef Geländewagenfahrerin aus Thundorf (Bild: Marion Wehrli)

Martina Nef Geländewagenfahrerin aus Thundorf (Bild: Marion Wehrli)