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SICHERHEIT: Nirgends gibt es so wenige Polizisten wie im Thurgau

Der Kanton Thurgau hat im Verhältnis zur Bevölkerung schweizweit am wenigsten Polizisten. Die Sicherheitsdirektorin Cornelia Komposch sagt zwar, dass dies kein Qualitätskriterium sei. Trotzdem fände sie eine Erhöhung des Korpsbestandes für angebracht.
Sebastian Keller
Im Kanton Thurgau muss sich ein Polizist um 710 Einwohner kümmern. (Bild: Reto Martin)

Im Kanton Thurgau muss sich ein Polizist um 710 Einwohner kümmern. (Bild: Reto Martin)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Im Thurgau kommt ein Polizist auf 710 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit hat der Kanton die tiefste Polizeidichte im ganzen Land. Das zeigt die jüngst ­publizierte Übersicht der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS) per Stichtag 1. Januar 2018. Das dichteste Polizistennetz hat das Tessin: Auf 332 Einwohner kommt im Süd­kanton ein Polizist, im Schweizer Durchschnitt sind es 455. Daran hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas geändert. Auf Anfrage schreibt die KKPKS: Betrachte man die Anzahl Polizistinnen und Polizisten im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum, können keine wesentlichen Veränderungen in den Polizeibeständen festgestellt werden.

Im Thurgau nahm die Polizeidichte in den vergangenen Jahren etwas zu: 2016 war es noch ein Polizist für 738 Einwohner, im Jahr darauf 717. «In erster Linie hat es bestimmt mit dem Erreichen des Sollbestandes zu tun», sagt die Thurgauer Sicherheitsdirektorin Cornelia Komposch (SP). Der neue Sollbestand liegt bei 384 Ordnungshütern. Erreicht wurde er gemäss Geschäftsbericht des Kantons am 1. Oktober 2017. «Die Polizeidichte ist jedoch im Vergleich zur starken Zunahme der Wohnbevölkerung nur minimal angestiegen», sagt Komposch. Die KKPKS schreibt, dass die grossen Unterschiede zwischen den Kantonen auf unterschiedliche Aufgabengebiete zurückzuführen sind. Ferner seien kantonale Besonderheiten wie die Fläche und Topografie, die Korpsorganisation, die Sicherheitslandschaft sowie die politischen Vorgaben zu berücksichtigen.

Die Thurgauer Sicherheitsdirektorin fände eine Anpassung an vergleichbare Kantone angebracht. Als Gründe führt sie etwa die Grenzlage, die künftigen Herausforderungen wie beispielsweise die Cyberkriminalität und den Umgang mit Gefährdern und Extremisten an. Weiter sei der Thurgau heute Standortkanton eines Empfangs- und Verfahrenszen­trums für Asylsuchende sowie künftig eines Ausreisezentrums. Ein wirkungsvoller Umgang mit diesen Herausforderungen sei nicht nur ausbildungsintensiv, sagt Komposch, sondern fordere auch Ressourcen. Etwa in den Ermittlungsverfahren, «die tendenziell komplexer und umfangreicher werden». Dies werde indirekt auch Auswirkungen auf die Frage der «richtigen» Polizeidichte haben.

Polizeidichte sagt nichts über die Qualität der Polizeiarbeit aus

Die Qualität der Polizeiarbeit lässt sich anhand der Polizeidichte nicht messen. «Es geht bei der Polizeiarbeit darum, die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort einsetzen zu können», sagt die Sicherheitsdirektorin. Die Qualität lasse sich vielmehr anhand der Kriminal- und Verkehrsunfallstatistik sowie aufgrund von Rückmeldungen aus der Bevölkerung messen. Die Kriminalität im Kanton sei stabil oder in einzelnen ­Bereichen gar rückläufig. Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen: Bei der Häufigkeit von Gewaltstraftaten schwingt der Thurgau nicht obenauf. Diese Rangliste führen vielmehr städtische Kantone wie Basel-Stadt und Genf an. Die KKPKS schreibt, dass die Qualität der Polizeiarbeit von zahlreichen Faktoren abhängig sei. Diese lasse sich in der Statistik, aber auch am Sicherheitsgefühl, dem Vertrauen in die Polizeiinstitutionen sowie an der Zufriedenheit mit der Polizeiarbeit ablesen. «Studien ­haben ergeben, dass die Polizei in der Schweiz ein sehr hohes Vertrauen geniesst», schreibt die KKPKS. So gaben bei der nationalen Sicherheitsbefragung 2015 neun von zehn Befragten an, der Polizei zu vertrauen. Zudem beurteilen mehr als 70 Prozent die Polizeiarbeit mit der Schulnote fünf oder höher.

Kantonsparlament will bei Anzahl Polizeiposten mitreden

Das Thema Polizei kam unlängst im Thurgau aufs politische Parkett. Im Rahmen des Sparprogramms Haushaltsgleichgewicht 2020 wurde auch die Überprüfung der Anzahl Polizeiposten angekündigt. Heute sind es 28 Standorte zwischen Bodensee und Hörnli; eine Reduktion um bis zu elf Posten wird ­geprüft. Damit liessen sich laut Bericht jährlich wiederkehrend maximal rund 240000 Franken Mietkosten einsparen. Die Frage der Anzahl Posten wird im Rahmen einer Gesamtanalyse «Evaluation der Kapo TG» erörtert.

Die Überprüfung des Postennetzes stiess auf Widerstand, als in mehreren Grossratssitzungen über Sparprogramm debattiert wurde. Kantonsräte um den Fischinger Josef Gemperle (CVP) reichten einen Vorstoss ein. Ihre zentrale Forderung: Das Kantonsparlament soll eine minimale Anzahl Posten festsetzen können. Formell hat das Parlament heute keinen Einfluss auf das Postennetz. In der Begründung zur Motion wird ebenfalls auf die im Schweizer Vergleich geringe Polizeidichte hingewiesen.

Der Regierungsrat hat den Vorstoss zwar noch nicht beantwortet, Sicherheitsdirektorin Cornelia Komposch sagt aber bereits heute: «Um der Bevölkerung die bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten, sind aus unserer Sicht nicht in erster Linie die Anzahl Polizeiposten massgebend.» Vielmehr sei in der heutigen und schnelllebigen Zeit eine moderne, agile, gut ausgebildete und ausgerüstete Polizei gefordert. Komposch: «Unter einer modernen Polizei verstehen wir Bürgernähe, eine hohe Patrouillendichte und eine rasche Interventionsfähigkeit bei einem Ereignis.»

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