Sicherheit in der Badi: Ein bisschen Risiko springt immer mit

Ruedi Wolfender bringt es auf den Punkt: «Wenn wir absolute Sicherheit wollen, müssen wir die Badi schliessen.» Was schade wäre, denn im Kreuzlinger Schwimmbad Hörnli tummeln sich an einem heissen Sommertag bis zu 6000 Menschen.

Ida Sandl
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Kopfüber in Frauenfeld: Im Sommer gibt es kaum Schöneres als einen Sprung ins kühle Wasser – vorausgesetzt, man beherrscht die Technik. (Bild: Reto Martin)

Kopfüber in Frauenfeld: Im Sommer gibt es kaum Schöneres als einen Sprung ins kühle Wasser – vorausgesetzt, man beherrscht die Technik. (Bild: Reto Martin)

Ruedi Wolfender bringt es auf den Punkt: «Wenn wir absolute Sicherheit wollen, müssen wir die Badi schliessen.» Was schade wäre, denn im Kreuzlinger Schwimmbad Hörnli tummeln sich an einem heissen Sommertag bis zu 6000 Menschen.

Schön für die Kasse, anstrengend für den Bademeister und sein Team. Bei Hochbetrieb biete man zusätzliches Personal auf: «Da arbeiten zwölf Leute, statt drei oder vier», sagt Wolfender, der die Stadt Kreuzlingen in der Betriebskommission des Schwimmbads vertritt.

Aber auch viele Augen können nicht alles sehen. Die grosse Rutschbahn ist in Kreuzlingen mit Video überwacht, zusätzlich zum Mitarbeiter, der sie beaufsichtigt. «Das hat uns zweimal einen Rechtsstreit erspart», sagt Wolfender. In einem Fall erlitt ein 40-Jähriger ein Schleudertrauma, als er am Ende der Rutsche mit dem Kopf gegen die Rampe stiess. Ein paar Monate nach dem Vorfall habe sich sein Anwalt gemeldet: Die Rutsche sei gefährlich und sein Mandant habe zu lange auf Hilfe warten müssen. Anhand des Videos habe man beweisen können, dass der Mann auf dem Bauch nach unten gerutscht sei. Das ist klar verboten. Ausserdem sei fünf Sekunden nach dem Unfall bereits ein Helfer zur Stelle gewesen.

Video für strittige Situationen

Frauenfeld lässt die Rutschbahn in der Badi ebenfalls mit Video überwachen. «Um uns für strittige Situationen abzusichern», sagt Fabrizio Hugentobler. Er ist bei der Stadt für Freizeitanlagen und Sport zuständig. Denn, sobald etwas passiert sei, werde die Frage nach der Schuld gestellt. «Und die Schuld suchen die wenigsten bei sich.»

Handkehrum würden Regeln öfter missachtet, Bademeister müssten Verbote stärker begründen als noch vor Jahren.

Diese Tendenz zeigt sich auch in anderen Badis. «Die Leute sind anspruchsvoller geworden», sagt der Romanshorner Bademeister Roland Weder. Auch in Romanshorn ist die Rutschbahn mit Video überwacht, jedoch nur wegen der Sicherheit. An Tagen mit wenig Gästen, könne man sie so von der Kasse aus beobachten. «Wir zeichnen nicht auf», sagt Weder.

In den See auf eigene Gefahr

Neben Rutschbahn und Sprungtürmen ist vor allem der Bodensee ein kritischer Punkt. In Kreuzlingen weisen schon am Eingang Schilder darauf hin, dass das Baden im See auf eigene Gefahr erfolgt und der Uferbereich nur überwacht ist, wenn die grüne Fahne weht.

In vielen Seebädern waten die Schwimmer über einen Betonsteg in den See. Im Sommer breiten sich darauf die Algen aus und machen ihn rutschig. «Der Steg untersteht der Werkeigentümerhaftpflicht», erklärt Thomas Steccanella, verantwortlich bei der Stadt Arbon für die Kommunikation. Die Haftpflicht gilt da, wo das Ufer nicht naturbelassen ist, sondern künstliche Bauten wie Treppen oder Stege errichtet wurden. Bei Unfällen in diesen Bereichen hafte der Grundeigentümer.

In Kreuzlingen sorgt eine Plastikmatte für Sicherheit, sie werde wöchentlich gereinigt. In Arbon werde der Steg täglich gebürstet. Von weiteren Schildern, die auf die Rutschgefahr hinweisen, hält man wenig. «Wir möchten nicht für jedes theoretisch vorhandene Risiko, eine separate Warntafel aufstellen», sagt Steccanella. Baden im See sei nun mal mit gewissen Gefahren verbunden.

Scheinbar machen die Bäder ihre Sache aber gut, denn, ausser den üblichen Schürfungen und Insektenstichen, geschehen wenig gravierende Unfälle.