Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Sich selber nicht wichtig nehmen

DIESSENHOFEN. Tele D ist das älteste Lokalfernsehen der Schweiz. Zu Gast sind immer wieder prominente Personen aus Wirtschaft, Politik und Glanz & Gloria. Seit kurzem kann der Sender in der ganzen Schweiz empfangen werden.
Michèle Vaterlaus
Klein aber fein: Peter Schuppli im Studio von Tele D in Diessenhofen. (Bild: Reto Martin)

Klein aber fein: Peter Schuppli im Studio von Tele D in Diessenhofen. (Bild: Reto Martin)

DIESSENHOFEN. Adolf Ogi, Simonetta Sommaruga, Anita Buri, Kliby und Caroline oder Bernhard Russi: An der Wand des Studios von Tele D hängen Fotos von prominenten Schweizer Politikern, Sportlern, Komikern und Missen. Sie alle waren zu Gast beim ältesten Lokalfernsehen der Schweiz, standen den Moderatoren Red und Antwort und blieben danach auch noch gerne ein Stündchen oder zwei auf ein Glas Wein. «Anekdoten? Da will ich jetzt keinen Gast herauspicken», sagt Peter Schuppli, Geschäftsleiter und Präsident des Stiftungsrates. «Die Besonderheit liegt in der Vielfalt. Aber eines habe ich in den 30 Jahren Tele D gelernt: Prominenz ist kein Garant für Spannung.»

Eine Fasnachtsidee

Peter Schuppli hat das Tele D vor 30 Jahren gegründet. Eigentlich war er Primarlehrer und hatte keine Ahnung vom Fernsehen. Als er für das Fasnachtskomitee einen Film drehte, hatte dieses die Idee, diesen doch via Antenne im ganzen Städtchen zu verbreiten. Das hat geklappt. «Wir haben es ein zweites Mal gemacht, dann haben wir es ein paar Mal gemacht und dann viele Male, und irgendwann war Tele D geboren», sagt Schuppli. Mittlerweile arbeiten 35 Leute dort, alle ehrenamtlich. Erreichte Tele D damals erst 140 Haushalte, sind es seit diesem Jahr drei Millionen. Denn der Sender kann nun auch über Swisscom TV und Cablecom empfangen werden. Zuschauer hat Tele D rund 100 000 in den Kantonen Thurgau, Schaffhausen und St. Gallen, das hat einst eine Studie ergeben. «Ich weiss nicht genau, wer unsere Zuschauer sind», sagt Schuppli. «Ich nehme an, ein eher älteres Publikum.»

Das kommt daher, weil Tele D nach einem veralteten Konzept funktioniert. Gäste werden ins Studio geladen und vom Moderator befragt. «Das könnte im Prinzip auch Radio sein», sagt Schuppli und lacht. Derzeit plant er aber, das Ganze etwas aufzufrischen. Das Studio wird renoviert, neue Kameras installiert, das Licht angepasst – schliesslich flimmert der Sender nun in HD über den Bildschirm. Dennoch ist vieles selbst gebastelt. Die Kameras fahren auf Rollen aus dem Jumbo. Das Studio kann flexibel umgebaut werden. Die NZZ bezeichnete den Lokalsender daher auch schon als handgestrickt. Für Schuppli kein Problem, weil es ja irgendwie so ist. «Wir haben keine Millionen zur Verfügung, keine Gebührengelder.» Alles stammt von den Freunden von Tele D, Unternehmen, die das Fernsehen unterstützen, und hinter dem Lokalfernsehen steht noch eine Stiftung.

Die «Aargauer Zeitung» ihrerseits bezeichnet Tele D als «Der Bundesratssender». 95 Bundesratsbesuche hatte Schuppli in den 30 Jahren, in denen es Tele D gibt, zu Gast. Manche kamen mehrmals im Jahr. Aber seit es Tele D gibt, waren wohl alle, die in dieser Zeit je Bundesrat waren, im Studio. Warum alle gekommen sind? Das weiss Schuppli nicht. «Vielleicht, weil man bei uns auch mal einen Satz zu Ende sagen kann.» Das Lokalfernsehen sei nicht an fixe Strukturen gebunden, es gibt keinen genauen Stundenplan. «Wird das Gespräch nach 20 Minuten langweilig, dann dauert es nur 20 Minuten. Ist es nach 30 Minuten nicht fertig, dann dauert es halt 35 Minuten.»

Eisbrecher sei aber sicher Adolf Ogi gewesen, der als erster zu Gast war. Er ist später noch mehrere Male gekommen. Einen Gast konnte Schuppli aber noch nicht empfangen. «Mit Roger Federer hat es noch nicht geklappt», sagt er. «Noch nicht.» Aber aufgeben tut er nicht. «Es ist ein Abtasten, man darf die Leute nicht unter Druck setzen und muss die Contenance halten», sagt er. Vielleicht klappt es so auch eines Tages mit Roger Federer.

Die Zukunft bleibt offen

Zwar investiert Tele D derzeit in die Zukunft, ob es den Sender noch weitere 30 Jahre gibt, weiss Schuppli nicht. Er ist 67jährig, pensionierter Primarlehrer und steckt sein ganzes Herzblut in das Fernsehen. Seit 15 Jahren kümmere er sich schon um die Nachfolge. Doch bisher hat es nicht geklappt. «Aber man muss sich auch nicht zu wichtig nehmen. Dann gibt es Tele D eines Tages halt nicht mehr. Es gab schon mal eine Zeit, da hat es Tele D nicht gegeben.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.