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SEXUALDELIKTE: Pädophile abhalten, Täter zu werden

Am forensischen Institut Ostschweiz in Frauenfeld werden Pädophile behandelt. Die meisten melden sich selber zur Therapie an, haben aber die Justiz im Nacken.
Das forensische Institut Ostschweiz von Monika Egli-Alge ist in den vergangenen 14 Jahren auf 26 Mitarbeitende angewachsen. (Bild: Reto Martin)

Das forensische Institut Ostschweiz von Monika Egli-Alge ist in den vergangenen 14 Jahren auf 26 Mitarbeitende angewachsen. (Bild: Reto Martin)

Pädophile müssen lernen, mit ihrer Neigung zu leben, ohne sie auszuleben. Das forensischen Institut Ostschweiz (Forio) ist ein Ort, an den sich Pädophile mit ihrem Problem wenden können. «Unser oberstes Ziel ist, zu intervenieren, bevor etwas Schlimmes geschieht», sagt Monika Egli-Alge, Gründerin des privatwirtschaftlichen Instituts mit Sitz in Frauenfeld. 48 Betroffene seien derzeit in Behandlung. In erster Linie gehe es darum, dass diese Männer nicht straffällig werden, sich also nicht an Kindern vergreifen. Aber auch der Download von Kinderpornos aus dem Internet ist strafbar.

«Die Betroffenen müssen lernen, damit zu leben», sagt Egli-Alge am Freitag anlässlich einer Medienorientierung ihres Instituts, an der sie Bilanz zog. Pädophilie zu «heilen» sei nicht möglich. Seit 2006 beriet und behandelte Forio 126 Pädophile. 80 Prozent hätten sich selber zur Therapie gemeldet, sagt Egli-Alge. Auf die meisten davon wirkt aber Druck der Justiz. Denn nur jeder fünfte Betroffene blieb vor der Therapie straffrei und meldete sich aus ganz freien Stücken. Die restlichen Klienten mussten sich bereits für ein Pädophilen-Delikt verantworten und sind von den Behörden zu einer Therapie aufgefordert worden. Die Behandlungen würden von den Krankenkassen mitfinanziert. «Etwa 10 Prozent sehen sich als nicht therapierbar», sagt Egli-Alge. Sie zeigten keine Einsicht und seien etwa der Überzeugung, das Kind brauche das, müsse an die Sexualität herangeführt werden. Die Psychologin spricht von einer «kognitiven Verzerrung». Diese Gruppe sei kein Fall für das Forio. Bei ihnen müssten die Gerichte entscheiden, wie weitere Straftaten verhindert werden können.

Von einer Person auf 26 Mitarbeiter angewachsen

Die Pädophilie ist nur ein Bereich, in dem das Forio aktiv ist. «Wir sind einer der grössten Player in der Schweizer Forensikszene», sagt Egli-Alge. Mit 650 Gutachten in den vergangenen 14 Jahren habe sich das Institut als führendes Kompetenzzentrum für forensische Psychologie etabliert. Mit einer halben Stelle habe sie damals begonnen. Heute beschäftigt Egli-Alge 26 Mitarbeiter an den drei Standorten Frauenfeld, Zug und Zürich. «Das zeigt, dass das Angebot dringend nötig ist.» Einer der Schwerpunkte ist die Kooperation mit Strafanstalten in der «psychotherapeutischen Versorgung der Häftlinge». Auch habe man sich auf ­Jugendkriminalität und auf Menschen mit Lernbeeinträchtigung und geistiger Behinderung spezialisiert. Letztere würden statistisch gesehen neunmal häufiger Opfer von sexuellen Straftaten und fast ebenso häufiger selber zum Täter werden. Jährlich 2,5 Millionen Franken Umsatz erwirtschafte das Institut und reinvestiere den Gewinn in das Wachstum der Institution.

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

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