Semi-Schülerin schnuppert Polit-Luft

200 Jugendliche aus der ganzen Schweiz nehmen in diesen Tagen an der Jugendsession in Bern teil. Darunter auch die Frauenfelderin Luisa Wunderlin. Sie freut sich auf die Diskussionen. Eine politische Karriere strebt sie aber nicht an.

Michèle Vaterlaus
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Luisa Wunderlin nimmt an der Jugendsession teil. (Bild: Andrea Stalder)

Luisa Wunderlin nimmt an der Jugendsession teil. (Bild: Andrea Stalder)

FRAUENFELD. Es ist ein Experiment. Eine Chance, mal Einblick in das politische Geschehen zu bekommen. Deshalb hat sich die Frauenfelderin Luisa Wunderlin um eine Teilnahme an der diesjährigen Jugendsession beworben. Es hat geklappt. Am Donnerstag reist sie mit rund 200 anderen Jugendlichen aus der ganzen Schweiz nach Bern. Bis am Sonntag wird sie sich mit politischen Themen wie Gentechnologie, Initiativrecht, Datenschutz, Migration, Energieeffizienz und Jugendpartizipation auseinandersetzen. Die Session beginnt mit Gruppendiskussionen, enden wird sie mit der Verabschiedung unterschiedlichster Petitionen. «Ich glaube nicht, dass wir in diesen Tagen viel bewirken können», sagt die 19-Jährige. Doch sie sei gespannt auf die vier Tage, denn sie erlebe etwas Neues, das sie noch nicht kenne.

Ein Sprungbrett

Diese offene Einstellung begrüssen die Organisatoren der Jugendsession. «Die Jugendlichen sollen nicht schon festgefahren sein», sagt Medienkoordinator Michael Küng. Die Jugendsession solle vielmehr eine Chance sein, sich unverbindlich über politische Prozesse und Mitwirkungsmöglichkeiten zu informieren. Dennoch hoffen die Organisatoren, dass für einige Jugendliche die Teilnahme an der Jugendsession der Beginn einer politischen Karriere ist. Gerne wird das Beispiel des St. Galler SVP-Nationalrats Lukas Reimann genannt. «Er hat durch die Teilnahme an der Jugendsession den Sprung in die Politik gewagt und geschafft», sagt Küng.

Etwas Besonderes

Eine politische Karriere strebt Luisa Wunderlin, die derzeit die Pädagogische Maturitätsschule besucht, nicht an. Sie sei zwar politisch interessiert und diskutiere gerne, weil sie so etwas über Menschen und ihre Meinungen erfahre. Das hat sie von zu Hause mitbekommen. Die Mutter ist SP-Mitglied, der Vater Journalist – da sind am Mittagstisch politische Themen nicht unüblich. «Ich könnte mich aber wohl nicht für eine Partei entscheiden», sagt sie und lacht. «Ich müsste dann ja immer die Ansicht der Partei vertreten, das wäre schwierig für mich.» Grundsätzlich sei ihre politische Orientierung wohl links-grün.

Deshalb hat sie sich bei der Wahl der Themen an der Jugendsession für das Thema «Energieeffizienz» eingetragen. Ihr liegt die Umwelt am Herzen. Mitgespielt habe aber auch, dass sie sich bei Vorträgen in der Schule schon mit dem Thema auseinandersetzen musste. Apropos Vorträge: Mühe, etwas vor Menschen zu präsentieren, hat die Semi-Schülerin nicht. Es würde ihr auch nichts ausmachen, vor den 200 Teilnehmern der Jugendsession etwas zu sagen. Gespannt ist Luisa Wunderlin nicht nur auf die Session und die Diskussionen, sondern auch auf das Bundeshaus. «Es ist schon etwas Besonderes, selber im Nationalratssaal zu sitzen und die Politik wie in echt zu erleben.»