Seit 33 Jahren räubern Murgpiraten

Die Murgpiraten sind kein Fasnachtsverein, sondern eine GmbH, eine Gesellschaft mit beschränktem Humor. Auch sonst schwimmen die närrischen Freibeuter gerne gegen den Strom. Gestern um 11.11 Uhr feierten sie ein Schnapszahl-Jubiläum.

Mathias Frei
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Oberpirat Carlo Sasso schenkt Krambambuli aus. (Bild: Mathias Frei)

Oberpirat Carlo Sasso schenkt Krambambuli aus. (Bild: Mathias Frei)

FRAUENFELD. «Da haut's einem ja grad die Zehennägel hinten raus.» Das ist nicht die einzige Lobeshymne auf den Fasnachts-Krambambuli von Oberpirat Carlo Sasso. Aber es gibt ja auch etwas zu feiern, nämlich passend zum alkoholischen Heissgetränk ein Schnapszahl-Jubiläum. Am 11.11.1982, also vor 33 Jahren, gründeten sich die Murgpiraten. Drei Böllerschüsse folgen. «Dreimal reicht, sonst kommt noch die Polizei», meint ein Chellewybli.

Rund 20 Murgpiraten-Freunde haben sich gestern vor dem Kulturgärtli beim ehemaligen Restaurant Murgbrücke eingefunden. Bekannte Gesichter der Murganesen und Murgratzen gehören ebenso zu den Gratulanten wie die zwei alt Obernarren Markus Frei und Kurt Sieber sowie Stadtrat Urs Müller, selber ein Murgpirat seit Kindesbeinen. Müller mag zwar der persönliche Piraten-Stadtrat sein, Zeremonienmeister und Oberpirat bleibt aber Carlo Sasso, schon seit 33 Jahren.

Mit Piratenflagge und Uniform

Fasnächtler war Sasso schon immer. Eines der ersten Bilder von ihm zeigt Klein-Carlo als Clown. Sasso war Gründungsmitglied bei den Murganesen und später auch bei den Murgratzen. 1970 übernahm Sasso die «Murgbrücke» – damals, als die Frauenfelder Beizenfasnacht ihre Hochzeit erfuhr. Der junge Wirt merkte aber bald, dass die eigene Beiz und seine vielfältigen Fasnachtsaktivitäten zeitlich nicht mehr zu vereinbaren waren. Denn schon die wilden Fasnachtsfeten in seinem Lokal waren anstrengend genug. Also gründete er die Murgpiraten. Der heutige Kunstvereinspräsident Hans Bissegger gestaltete 1983 die Piratenflagge, Schuh- und Huthändlerin Hilde Market zeichnete später für die Uniform verantwortlich.

Heiliger als Weihnachten

Schreiner Stefan Abate erklärt: «Wir gehören zu den nicht-organisierenden Fasnachtsvereinen Frauenfelds.» Der ehemalige Bürgerstube-Wirt René Isler korrigiert ihn: «Zu den nicht organisierten.» Abate und Isler sind aktive Murgpiraten. Abate soll dereinst Sassos Nachfolge übernehmen, wenn dieser irgendwann einmal für immer seine Piratenfahne abgibt. Und Isler sagt: «Der 11.11. und die Murgpiraten sind mir heiliger als Weihnachten.»

Je nach Lust und Laune zählen die Murgpiraten zwischen einem und zehn Freibeuter. Und sie sind nicht als Verein organisiert. Deshalb gibt es auch keine Mitglieder. Sasso spricht gerne von der Murgpiraten-GmbH, also einer Gesellschaft mit beschränktem, manchmal auch bestimmten Humor. In Grossbesetzung sieht man die Piraten am Frauenfelder Fasnachtsumzug. Dort verteilen sie von ihrem Piratenschiff Bananen und Orangen. «Wir drehen jeweils bis zu drei Runden – bis wir halt ausgeschossen sind», sagt Sasso. Dass das Murgpiraten-Schiff im Umzug überholt, würden die Umzugsveranstalter aber nicht so gerne sehen. Sei es so.

Garten mit totem Matrosen

Nicht weniger kurios ausgestattet ist das Kulturgärtli, das mit «Felix-Rosenberg-Park» angeschrieben ist. Regierungsrat Rosenberg war ein gerngesehener Gast in der «Murgbrücke», wie später auch Philipp Stähelin und Hans-Peter Ruprecht. Der kleine Grünstreifen gehörte der Stadt, die aber lange nichts von ihrem Besitz wusste. Die «Tumorwaage», eine alte Kohlenwaage, ein geschnitzter Holzkopf, «der tote Matrose», und ein zu kleines Rednerpult gehören zum Inventar des Kulturgärtli. Den toten Matrosen hievte 1984 ein Kran der damaligen Hauptpost-Baustelle ins Gärtli.

Die «Murgbrücke» ist seit sechs Jahren nicht mehr. Das neue Piraten-Stammlokal, das Restaurant 5 von Sasso-Sohn Marino, hat aber auch Murg-Anschluss. Das ist wichtig. Und dass den Piraten der Krambambuli nie ausgeht. Ahoi.

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