Seine Seen, seit 80 Jahren

Er ist ein Nussbaumerseebub. Die Flora und Fauna des Seebachtals sind für Eugen Akeret seit jeher eine Herzensangelegenheit. Heute wird der Naturschützer 80 Jahre alt.

Matthias Frei
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Geburtstagskind Eugen Akeret mit Blick von Südwesten aufs Seebachtal. (Bild: Matthias Frei)

Geburtstagskind Eugen Akeret mit Blick von Südwesten aufs Seebachtal. (Bild: Matthias Frei)

NUSSBAUMEN. Ob er am Montag noch Reservatsaufseher für die Dreiseenlandschaft ist, weiss Eugen Akeret nicht. Gelegentlich will er das bei seinem Arbeitgeber abklären. «Aus versicherungstechnischen Gründen stellt der Kanton keine Leute mehr an, die älter als 80 Jahre sind», sagt Akeret. Er wird heute 80 Jahre alt. Man sieht ihm das Alter nicht an. Akeret macht den Anschein, als wäre er vor drei Jahren in Pension gegangen.

«Wenn ich die Gesundheit dafür habe, will ich auch in Zukunft im Gebiet sein.» Sein Gebiet: das Seebachtal. Seit fast 40 Jahren macht er hier die Aufsicht über das Naturschutzgebiet rund um Nussbaumer-, Hüttwiler- und Hasensee. Rief man früher bei Akerets daheim an, hiess es, er sei im Gebiet. Heute hat Eugen Akeret ein Mobiltelefon, für seine jährlich rund 80 Kontrollgänge nimmt er eher mal das Auto. Früher war er oft mit dem Velo und zu Fuss unterwegs.

Wollbadehosen und Hockey

Akeret ist ein Nussbaumer, eben hier 1935 geboren und aufgewachsen. Wenn er vom See spricht, meint er den Nussbaumersee. «Der See war unser Spielplatz.» In der ersten Klasse lernte Akeret schwimmen – in Wollbadehosen. Mit einem Strick hielt der Lehrer ihn vom Untergehen ab. Im Winter stand Eishockey auf dem Programm. Seklehrer Ernst Geiger nahm die Schüler oft auf Exkursionen mit und förderte so die Liebe zur Natur. Akeret lernte Stromer und übernahm das elterliche Elektrogeschäft in Nussbaumen.

Ungefähr mit 25 Jahren begann sich Akeret für den Vogelschutz zu interessieren. «Ich suchte eine Abwechslung zu meinem technisch-handwerklichen Beruf.» In Frauenfeld ging er auf frühmorgendliche Vogelexkursionen. Schnell wurde er Mitglied beim Vogelschutzverein Frauenfeld, dem heutigen Natur- und Vogelschutzverein. 1968 war er Mitbegründer des Vogelschutzvereins Neunforn. Akeret machte später ornithologische Weiterbildungskurse an der Vogelschutzwarte Frankfurt sowie bei Beringungs- und Beobachtungswochen der Vogelwarte im Jura und im Berner Oberland.

1975 wurde er in den Vorstand des Thurgauer Vogelschutzes gewählt, dem er später zehn Jahre als Präsident vorstand. 1977 übernahm Akeret von der Schweizerischen Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz (ALA) die Betreuung und Aufsicht am Nussbaumersee. Später ging die Koordination der Reservate an den Kanton über.

Als kleiner Bub erlebte Akeret noch mit, wie im Ried Torf gestochen wurde – als Heizmaterial. «In der Erinnerung höre ich heute noch die Kiebitze rufen, wenn man den Nestern zu nahe kam.» Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Ried im Rahmen der Anbauschlacht Wahlen melioriert. «Das war die endgültige Zerstörung dieses schönen Naturgebietes.» Die Rietflächen wurden trockengelegt, damit eine bessere landwirtschaftliche Nutzung möglich wurde. Das Seeufer verbuschte rasch, der Lebensraum vieler Tiere ging verloren. Unter Akerets Leitung legte 1978 eine Genie-Kompanie ein kleines Stück Ufer am Nussbaumersee wieder frei. «Jahr für Jahr haben wir mit Freiwilligen aus den Vogelschutzsektionen hier gearbeitet.»

Der «huere grüni Siech»

Dann wurde die Stiftung Seebachtal 1994 gegründet. Akeret war mit dem Rechtsanwalt Humbert Entress Gründungsmitglied. Entress präsidiert die Stiftung seit 2004. Akeret sitzt seit der Gründung im Stiftungsrat. In der langen Zeit als Reservatsaufseher sei er viele Male als Hundehasser oder «huere grüene Siech» beschimpft worden, wenn er auf ihr Fehlverhalten im Naturschutzgebiet hinwies. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite zeigt sich in Ehrenmitgliedschaften bei «seinen» Vereinen. Dazu kommt das Ehrenpräsidium beim Thurgauer Vogelschutz. Der Dank für Akerets Idealismus.