Sehr wichtiges Signal

Vor eindreiviertel Jahren hat die Regierung angeordnet, den Nachlass des ehemaligen Chefarztes der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, Roland Kuhn, archivarisch aufzuarbeiten. Dafür hat sie 160 000 Franken gesprochen.

Inge Staub
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Vor eindreiviertel Jahren hat die Regierung angeordnet, den Nachlass des ehemaligen Chefarztes der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, Roland Kuhn, archivarisch aufzuarbeiten. Dafür hat sie 160 000 Franken gesprochen. Kuhn wird vorgeworfen, in den 50er- und 60er-Jahren Patienten als Versuchskaninchen missbraucht und an ihnen neue – noch nicht zugelassene – Medikamente getestet zu haben. Gegenüber der Thurgauer Zeitung schilderten Opfer, dass sie noch heute an den Folgen dieser Behandlung leiden.

Nun ist der erste Schritt in Sachen historischer Aufarbeitung der Münsterlinger Psychiatrie-Geschichte erledigt, der Nachlass Kuhn wurde geordnet und elektronisch erfasst. Dies ist die Grundlage, um die Vergangenheit der Psychiatrischen Klinik akribisch und umsichtig aufarbeiten zu können. Der Regierungsrat hat bereits angekündigt, dass er ein entsprechendes Forschungsprojekt in Auftrag geben wird.

Es ist der Regierung hoch anzurechnen, dass sie im Februar 2013 rasch handelte und dass sie die wissenschaftliche Untersuchung der Vorkommnisse in Münsterlingen weiterhin unterstützt. Damit trägt sie nicht nur dazu bei, dass Unrecht aufgedeckt wird und Licht in ein dunkles Kapitel der Thurgauer Geschichte kommt. Sie signalisiert zudem Patienten, dass sie Leid ernst nimmt.