«Sehr hohes Niveau beibehalten»

Der Thurgauische Anwaltsverband (TAV) hofft darauf, dass auch Thurgauer Anwälte die Beurkundungskompetenz erhalten. Damit würde ein Wettbewerbsnachteil beseitigt, erklärt TAV-Präsidentin Rita Wenger.

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«Ein gutes Klima unter den Mitgliedern ist mir persönlich sehr wichtig»: Rita Wenger. (Bild: Martin Sinzig)

«Ein gutes Klima unter den Mitgliedern ist mir persönlich sehr wichtig»: Rita Wenger. (Bild: Martin Sinzig)

Der TAV betreibt eine stetige Weiterbildung für seine gut 100 Mitglieder. Warum?

Rita Wenger: Jedes Mitglied bildet sich je nach der Ausrichtung in der Advokatur selbst weiter. Es gibt aber Themen, die alle beschäftigen, so dass der TAV solche Themen aufgreift und seinen Mitgliedern entsprechende Weiterbildungen anbietet. Diese Veranstaltungen sind in der Regel sehr gut besucht und dienen auch dem fachlichen und kollegialen Austausch.

Auch im Anwaltsberuf ist eine zunehmende Spezialisierung nötig, mit welchem Nutzen für die Klienten?

Wenger: Es ist heute kaum mehr möglich, in allen Rechtsgebieten fachlich kompetent zu sein, so dass es richtig ist, sich auf gewisse Tätigkeitsgebiete zu beschränken. Die berufliche Ausrichtung kann aber immer noch sehr breit sein. Die Klientschaft kann sich so darauf verlassen, dass eine umfassende und fachlich kompetente Beratung und Vertretung gewährleistet ist.

Welche Rolle spielt die Beurkundungskompetenz für Thurgauer Anwälte?

Wenger: Im Gegensatz zu den Kolleginnen und Kollegen anderer Kantone, beispielsweise St. Gallen, hat die Thurgauer Anwaltschaft keine Beurkundungskompetenz. Anwältinnen und Anwälte fertigen oft Dokumente aus, die öffentlich beurkundet werden müssen (Eheverträge, Erbverträge, Gesellschaftsgründungen, Stiftungsurkunden etc.). Diese müssen danach in einem ausserkantonalen Anwaltsbüro oder bei einem Notar im Thurgau öffentlich beurkundet werden.

Dies ist ein eindeutiger Wettbewerbsnachteil und in keiner Weise kundenfreundlich. Der TAV bemüht sich daher, dass diese Beurkundungskompetenz für die Anwaltschaft neu eingeführt wird, damit der Service für unsere Klientschaft noch umfassender ist. Im Zuge einer Gesetzesrevision sollte dies circa 2012 möglich sein.

Auch zu Treuhändern und Banken besteht eine Konkurrenzsituation.

Wenger: Verschiedenste Institute, insbesondere Banken und Treuhänder, bieten Rechtsberatungen an, ohne über ausgewiesene Fachkompetenz zu verfügen. Die lange juristische Ausbildung und die strenge Anwaltsprüfung, die unsere Mitglieder absolvieren, gewährleisten, dass Beratungen und Rechtsvertretungen nicht nur fachlich kompetent und seriös abgewickelt werden, sondern dass auch der Blick fürs Ganze nie verloren geht.

Darüber hinaus ist die Unabhängigkeit und das Berufsgeheimnis der Anwaltschaft – im Gegensatz zu anderen Berufskategorien – gesetzlich verankert.

Sie sind die erste Frau als Präsidentin des TAV: Ist das aussergewöhnlich?

Wenger: Aussergewöhnlich ist höchstens, dass es mehr als 100 Jahre dauerte, bis eine Frau das Präsidium des TAV übernahm.

Ansonsten ist in keiner Weise etwas Aussergewöhnliches darin zu erblicken, zumal der Frauenanteil im TAV etwas mehr als ein Fünftel beträgt.

Welche Aufgabe sehen Sie in Ihrem Amt? Welche Ziele für den TAV?

Wenger: Ein gutes Klima unter den Mitgliedern einerseits sowie im Verkehr mit den Behörden andererseits ist mir persönlich sehr wichtig.

Darüber hinaus will der TAV dazu beitragen, dass die Dienstleistungen, die unsere Mitglieder erbringen, weiterhin auf einem sehr hohen Niveau sind und Klienten sich darauf verlassen können, jederzeit eine optimale Beratung und rechtliche Begleitung in den verschiedensten Lebenssituationen zu erhalten.

Interview: Martin Sinzig

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