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SEHNSUCHTSORT: Ein Apfel weit weg vom Stamm

Es war ein Aprilscherz mit einem wahren (Apfel-)Kern. Der ländliche Frankfurter Stadtteil Harheim wolle zum Thurgau angehören. Die Idee dazu stammte vom CDU-Mann und Thurgau-Kenner Frank Somogyi.
Christof Lampart
Ein Neubauhaus im Süden Harheims. (Bild: Picasa)

Ein Neubauhaus im Süden Harheims. (Bild: Picasa)

In einem Telefonat legt Frank Somogyi gegenüber der «Thurgauer Zeitung» die Karten auf den Tisch. Was hatte den Frankfurter gerade dazu motiviert, «den schönsten Kanton der Schweiz» für sein, wenn auch nur scherzhaftes, Anschlussbegehren an die Eidgenossenschaft auszuwählen? Nun, die Region Wetterau, zu der der Frankfurter Stadtteil Harheim gehöre, ähnele dem Thurgau, so Somogyi: Streuobstwiesen, so weit das Auge reicht, der bekannte Äppelwoi (Apfelwein) wird hier produziert. Es existieren eine durch KMU geprägte Wirtschaftsstruktur sowie zwei Schweinezüchter, und eine hohe Eigenheimquote sowie eine Arbeitslosenquote von zwei Prozent würden schon heute dazu führen, dass «viele Deutsche sich hier mehr an den Thurgau denn an Frankfurt erinnert fühlen», erläutert Somogyi.

Tatsächlich scheint dies auch die Frankfurter Stadtverwaltung so zu sehen, denn auf ihrer Webseite wird Harheim als «Frankfurts entspannter Stadtteil» gepriesen. Hier zügelt hin, wem persönliche Kontakte wichtiger sind als die anonyme Ruhe der Grossstadt. «Wir haben hier ein reges Vereinsleben, man grüsst sich auf der Strasse mit Namen, und ein Wort ist ein Wort», beteuert Somogyi.

Viele Frankfurter wären froh

Dass der Thurgau Sehnsuchtsort vieler Harheimer – aktuell zählt der Ort, der mit 4,841 km2 flächenmässig minim grösser als Kesswil ist, 4739 Einwohner – ist, überrascht nicht, wohl aber die Reaktion der CDU-Fraktion aus dem «Römer», dem Frankfurter Rathaus. «Mir wurde vom Fraktionsvorsitzenden der Frankfurter CDU in den Sozialen Medien zu diesem Schritt gratuliert», so Somogyi schmunzelnd. Schliesslich sind die Harheimer für ihren Eigensinn bekannt und artikulieren deutlich, wenn ihnen etwas stinkt.

Als Harheim 1972 nach Frankfurt zwangseingemeindet wurde – das Dorf wehrte sich vehement dagegen – kippten die Harheimer vor dem Frankfurter Rathaus eine Ladung Mist aus. Bei einer solchen «Zwangsehe» verwunderte es nicht, dass die Harheimer CDU in ihrer «Pressemitteilung» jubelte: «45 Jahre nach der Zwangseingemeindung Harheims nach Frankfurt erfolgt der Schritt nicht gänzlich unerwartet, in seiner Konsequenz aber doch überraschend». Somit dürften nicht nur die Harheimer, sondern auch einige Frankfurter, so Somogyi, es zu schätzen wissen, wenn der Anschluss Harheims an die Schweiz einst Tatsache werden würde. Dass auch dem Thurgau dereinst solche Querelen seitens der neuen Mitbürger blühten, wie 1972 den Frankfurtern, glaubt Somogyi nicht: «Ich habe in Konstanz studiert und in Zürich promoviert; ich kenne also die Gegend gut; wir würden hervorragend zusammenpassen – wie ein Apfel zum anderen.»

Lieferant für die Olma

Aber welchen Mehrwert könnte Harheim dem Thurgau bieten? «Wir feiern jeden Oktober den ‹Kerb›, das ist so eine Art Chilbi, die weit herum Beachtung findet und somit auch touristisch von Bedeutung ist. Ausserdem könnten unsere beiden Schweinezüchter die Tiere für das Säuli-Rennen an der Olma liefern.» Mit einem Zusammenschluss würde «das zusammenwachsen, was zusammengehört», zeigt sich Somogyi felsenfest überzeugt. Doch die Hürden für einen Landeswechsel wären hoch. Nicht nur müssten nach dem Ja der Harheimer auch noch das Bundesland Hessen und der Deutsche Bundestag über das Ansinnen positiv befinden, sondern auch die Schweizerinnen und Schweizer in einer Volksabstimmung. «Ich bin mir sicher, dass die Schweizer anders entscheiden würden, als sie das 1918 beim Anschlussgesuch Vorarlbergs taten», gibt sich Somogyi optimistisch, obwohl seine Aussage zugleich Beweis dafür ist, dass ihm die Wankelmütigkeit des helvetischen Souveräns nicht fremd ist.

«Mit gutem Beispiel vorangehen»

Dass er selbst durch den Landeswechsel praktisch über Nacht politisch heimatlos werden würde, damit könnte Somogyi leben: «Man muss für alles im Leben einen Preis bezahlen. Ich würde aber das Politisieren nicht aufgeben, sondern dann wohl zur CVP oder zur FDP wechseln», erklärt er lapidar. Und noch etwas würde Frank Somogyi lernen: «Das Thurgauerlied. Das kann ich noch nicht, aber ich werde auch hier den Harheimern mit guten Beispiel vorangehen.»

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