SEEPOLIZEI: Weniger Badeopfer am See

Dass der vergangene Sommer eher durchschnittlich gewesen ist, hatte auch eine gute Seite: Im Bodensee sind verglichen mit 2015 markant weniger Menschen ertrunken.

Christian Kamm
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Badevergnügen im Bodensee vor Arbon. (Bild: Archiv)

Badevergnügen im Bodensee vor Arbon. (Bild: Archiv)

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch

Je schöner das Wetter, desto mehr ist im und auf dem Bodensee los. Und desto mehr Unfälle passieren. Dass das Jahr 2016 punkto Freizeitwetter eher durchschnittlich ausgefallen ist, hat auch auf die Statistik durchgeschlagen. Die meisten Zahlen, welche die Thurgauer Seepolizei gestern an ihrer Bilanz-Medienkonferenz präsentierte, weisen verglichen mit dem meteorologischen Prachtsjahr 2015 nach unten. Rund um den Bodensee inklusive Hochrhein hat sich das Unfallgeschehen reduziert: Von 194 Unfälle auf insgesamt 179; massiv bei den Badeunfällen (von 31 auf 14). Statt 18 Badetote zählte man 2016 noch deren 6.

Geringfügiger Anstieg im Thurgau

Aber es gibt regionale Ausreisser. Der Kanton Thurgau liefert gleich selber einen. So sind im Thurgauer Teil des Bodensee die Unfallzahlen insgesamt sogar geringfügig gestiegen (Grafik). Auch die Zahl der tödlich verlaufenen Vorkommnisse hat sich von zwei auf vier erhöht. Drei davon waren Badeunfälle (2015: einer). «Die Zahlen auf Thurgauer Gebiet liegen aber im langjährigen Durchschnitt», bilanzierte Fritz Hefti, Chef der Verkehrs- und Seepolizei vor den Medien.

Dass die Anzahl der Sturmwarnungen letztes Jahr zurückgegangen ist, hat in der Statistik ebenfalls ihren Niederschlag gefunden. Die Seepolizei verzeichnete 2016 deutlich weniger Rettungseinsätze. Ein Trend, der für den ganzen See gilt. Trotz vieler Hafen- und Uferkontrollen ist es im vergangenen Jahr auffallend häufig zu Motorendiebstählen gekommen (Kasten). Und auch die Entwicklung der Schiffsbrände (vier) sticht ins Auge. Hier entstand eine Schadensumme von 130000 Franken (2015: null). Das hänge damit zusammen, dass ein Kunststoff-Schiff, einmal in Brand geraten, kaum mehr zu retten sei. «Meist gibt es einen Totalschaden», so Hefti.

Bei den Ursachen für Schiffsunfälle auf dem Bodensee spielt – entgegen der verbreiteten Meinung – Alkohol nur eine kleine Rolle. Gerade mal zwei Unfälle unter Alkoholeinfluss wurden letztes Jahr rund um den See gezählt. Hauptverursacher ist vielmehr mangelnde Sorgfalt. Der Hafen- und Uferbereich sei am kritischsten, sagte Hefti. «Dort ist auch der Verkehr dichter, und Unachtsamkeit wirkt sich am meisten aus.» Mangelnde Sorgfalt könne aber auch heissen, etwa der Wettervorhersage zu wenig Beachtung zu schenken.

Ein Dauerthema für die Seepolizei sind laut Dienstchef Urs Eberli weiterhin die Ausflügler auf dem Hochrheinabschnitt bis Schaffhausen. «Sie lassen sich einfach treiben, statt sich auf den Fluss zu konzentrieren.» Hefti wie Eberli lobten die internationale Zusammenarbeit auf dem See, «die sehr gut funktioniert».

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