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SEELINIE: "Wir werden einfach abgeschnitten": Thurgauer Pendler ärgert sich über schlechte Anschlüsse am Untersee

Im Fahrplan 2019 wird die Seelinie zeitlich verschoben. Dadurch müssen Pendler in Stein am Rhein 20 Minuten warten, wenn sie Richtung Winterthur reisen. Ein Berlinger will das nicht hinnehmen.
Rahel Haag
Ein Zug der S-Bahn-Linie 8 hält im Bahnhof Berlingen. (Bild: Donato Caspari)

Ein Zug der S-Bahn-Linie 8 hält im Bahnhof Berlingen. (Bild: Donato Caspari)

Rahel Haag

rahel.haag@thurgauerzeitung.ch

Seit 15 Jahren wartet er. Und jetzt, da sein Wunsch Ende Jahr endlich in Erfüllung gehen soll, hat er nichts davon. «Wir werden einfach abgeschnitten», sagt Markus Schmid und schüttelt den Kopf. Damit meint der 59-Jährige die Pendler vom Untersee, die jeden Morgen über Stein am Rhein Richtung Winterthur fahren. Der Berlinger sitzt morgens um sieben in einem gestreiften Hemd mit einer Tasse Kaffee vor sich in einem modernen Restaurant am Bahnhof Winterthur. Gewartet hat er darauf, dass die S-Bahn-Linie 29 von Stein am Rhein nach Winterthur einen 30-Minuten-Takt erhält.

Gut eine Stunde zuvor ist er in Berlingen in die S-Bahn gestiegen, wie jeden Tag. Die Linie 8 bringt ihn nach Stein am Rhein, dort steigt er jeweils auf die Linie 29 um. Das wird mit dem Fahrplan 2019 nicht mehr möglich sein, denn die Fahrzeiten der Seelinie S8 verschieben sich um 15 Minuten. «Dadurch muss man in Stein am Rhein künftig 20 Minuten warten», sagt Schmid. Er arbeitet als Informatiker in Zürich. «Es geht mir nicht um mich.» Künftig werde er über Schaffhausen fahren. Das komme auf dasselbe heraus. Was ihn ärgert ist, dass sich durch die Umstellung die Situation für Pendler vom Untersee Richtung Winterthur verschlechtert. «Der Regionalverkehr leidet.»

Markus Schmid, Pendler aus Berlingen. (Bild: pd)

Markus Schmid, Pendler aus Berlingen. (Bild: pd)

«Man kann es nicht allen zu 100 Prozent recht machen»

Markus Schmid hat sämtliche Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten am Untersee kontaktiert, um sie auf das Problem aufmerksam zu machen. Reagiert haben bisher Roger Forrer, Stadtpräsident von Steckborn, und Annemarie Moret, Gemeindepräsidentin von Berlingen. Sie sind sich einig: «Man kann es nicht allen zu 100 Prozent recht machen.» Mit seiner Kritik hat sich Schmid ausserdem an die Thurbo AG und Stefan Thalmann, Leiter der Abteilung Öffentlicher Verkehr des Kantons Thurgau, gewandt.

Letzterer sagt dazu, dass durch die Verschiebung der S8 in Schaffhausen, Kreuzlingen, Romanshorn und Rorschach wesentlich kürzere Anschlüsse an die Schnellzüge angeboten werden können. «Die S29 wird nicht angepasst, damit in Winterthur weiterhin gute Anschlüsse angeboten werden können.» Dies sei eine Interessenabwägung zwischen ungefähr 75 Anschlussreisenden pro Tag in Stein am Rhein an die S8 und rund 300 Anschlussreisende in Winterthur in verschiedene Richtungen. «Ein Fahrplan ist immer ein Kompromiss», sagt Thalmann. Den deutlichen Vorteilen stünden punktuell auch Nachteile gegenüber. «Insgesamt ist das veränderte Angebot für den Thurgau ein Gewinn.» Dieselbe Antwort hat auch Schmid erhalten. Er bezeichnet sie als unbefriedigend. «Sie impliziert, dass es keine andere Lösung gibt.» Und genau das glaubt er nicht.

Schmid beugt sich über einen Plan, der die Zugverbindung ab 2019 mit ihren jeweiligen An- und Abfahrtszeiten zeigt. Die Darstellung erinnert an jene eines elektrischen Schaltplans. Schmid schiebt seine Brille aus dem Gesicht und kneift die Augen zusammen. Er will die Lösung finden.

Unterstützung des Vereins Pro Bahn Schweiz

An eine andere Lösung glaubt auch die Sektion Ostschweiz des Vereins Pro Bahn Schweiz – Interessenvertretung der Kunden des öffentlichen Verkehrs. «Wir sind gar nicht glücklich über die Situation in Stein am Rhein», sagt Mediensprecher Bruno Eberle. Bereits im November 2016 hatte sich die Sektion Ostschweiz zum Thema geäussert. In der schriftlichen Stellungnahme wird dargelegt, dass sich die Reisezeit von Steckborn nach Winterthur um 18 Minuten verlängert, von Diessenhofen nach Winterthur steigt sie um 21 Minuten.

Dem hält Thalmann entgegen, dass es im Fahrplan 2019 alternative Reisemöglichkeiten gebe. «Von Steckborn und Eschenz ist man schneller, wenn man mit dem Postauto nach Frauenfeld fährt und von dort den Zug nach Winterthur nimmt», sagt er. Für Markus Schmid dagegen ist klar: «Die Verantwortlichen beim Kanton reden den Verlust am Untersee einfach klein.»

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