SEELAND: Grüne Herzensangelegenheit

Zwei grosse Areale am Bodensee hat die Unternehmerfamilie Bühler erworben. Ein Gut ist Sommersitz. In Chratzern will Marisa Bühler einen Bauernhof zum Erblühen bringen. Und ein Eldorado für Bienen schaffen.

Max Eichenberger
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Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Vor drei Jahren hatten Urs Bühler, ehemaliger CEO des Uzwiler Maschinenbaukonzerns, und seine Gattin Marisa das Anwesen Seewies und 18500 Quadratmeter Umschwung gekauft: in der Gemeinde Egnach. Auf dem schönen Flecken, direkt am unüberbauten Oberseeufer zwischen Wiedehorn und Chratzern (Arbon), hat das Ehepaar inzwischen ihren Zweitwohnsitz eingerichtet. «Ich geniesse jede Stunde hier am schönen See. Das empfinde ich als Riesenglück», sagt die zweite Frau des ehemaligen Firmenpatrons.

Mit jeder Faser ein Naturmensch

Für sie sei es eine Heimkehr an den See. Unweit seiner Gestade, im vorarlbergischen Lustenau, war Marisa Bühler aufgewachsen. Mit jeder ihrer Fasern ist sie ein Naturmensch. In Uzwil hat sie gemeinsam mit Urs Bühler, der 2014 aus dem Verwaltungsrat des Konzerns ausgeschieden war, ein Tiergesundheitszentrum (Health Balance) aufgebaut und dort lange Tierkinesiologie praktiziert. Und dafür acht Millionen Franken investiert. Beide haben es mit Pferden. Und Marisa Bühler nicht nur ideell, sondern auch geschäftlich inzwischen mit Bienen.

Im Wissen, dass Honigbienen für die Vielfalt der Natur und das ökologische System wichtig sind, hat die begeisterte Imkerin die Bee-Family AG gegründet. Diese setzt sich unter anderem dafür ein, Lebensräume für die Bienen intakt zu erhalten und in ihrer Vielgestaltigkeit zu fördern.

Die neuen Pläne in Chratzern sollen dafür Schule machen. Mit ihrer Firma und sechs Angestellten plant Marisa Bühler mittelfristig den Umzug dorthin. Und mit ihren Privatpferden. Unweit des Sommersitzes in der Seewies hat die Geschäftsfrau und das Mitglied der Uzwiler Unternehmerdynastie im Frasnachter Ortsteil im Januar weitere 15400 Quadratmeter Land erworben.

Aus dem einstigen Biolandwirtschaftsbetrieb hatte die vormalige Besitzerin Josefina Müller ab 2003 einen «Ort der Begegnungen» entwickelt: mit Unterkünften im Haus, Tipi-Zelten, Seminar- und Gruppenräumen direkt an der Bodensee-Radroute.

Nichts wird mit dem Naturerlebniszentrum

Mit dem Trägerverein und Partnern führte sie Workshops durch, bot Erlebnis-Events im naturpädagogischen Bereich an. Unternehmen entdeckten Chratzern für Teambildungsanlässe. Als «Kraftort», wo spirituelle Energie fliesst, war der Weiler eine bekannte Adresse. Am Handwerkermarkt tauchten Besucher in längst vergangene Epochen ein und entdeckten verlorengegangene Fertigkeiten wieder. Sie flochten Körbe, entfachten Feuer, stellten Ledertaschen her, schliffen Steinwerkzeit oder schnitzten ein Urboot aus einem Baumstamm und stachen damit in See.

Es gab zudem Pläne für ein stattliches Naturerlebniszentrum mit Nachbildungen von Pfahlbauten, wie sie die Arboner Vorfahren vor 5500 Jahren in der Bleichebucht bewohnt hatten. Doch dann wurde es ruhig in Chratzern. Die idealistischen Träume verpufften. Josefine Müller siedelte nach Spanien um.

Ein blühender Hof, wo viele Lebewesen sich tummeln

«Ich habe lange nach einem solchen Hof gesucht», spricht Marisa Bühler von einem Glücksfall. Sie will den Bauernhof reaktivieren und das dreihundert Jahre alte Gebäude mit viel Liebe restaurieren. Die Planung mit einem Architekten laufe. «Es soll wieder ein richtiger blühender Bauernhof werden, der mit Hecken, Totholz und Steinhaufen vielen Tieren Lebensraum bietet.» Weil sie einen «innigen Bezug zur Natur» habe, sei das für sie eine Herzensangelegenheit.

Ihre Pläne versteht sie auch als Hommage an ihren Grossvater. Er hatte in Kärnten einen Hof betrieben. Bei ihm war Marisa Bühler in ihrer Kindheit viel zu Besuch. Diese Zeit und Erlebnisse seien prägend gewesen. Den Sitz der Bee-Family AG plane sie nach Chratzern zu verlegen. Finanziert wird das Projekt durch den Verkauf von hochwertigem, sortenreinem Bienenhonig und Patenschaften. Hingegen werde auf dem Gelände keine Dépandance der Health Balance AG installiert, lediglich eine Koppel für die privaten Pferde. Wer künftig auf dem Hof wohnen wird, werde «momentan familienintern diskutiert». Freuen werden sich sicher auch die Bienen.