Sebastian Vettel: Weniger mit dem Heli geflogen als erlaubt

Die Gemeinde Kemmental hat bisher keine Klagen wegen der Helikopterflüge von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel erhalten.

Martin Knoepfel
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FRAUENFELD. Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat sich in die «Neumühli» in Ellighausen in der Politischen Gemeinde Kemmental verguckt. Das war vielleicht so eine Art Liebe auf den ersten Blick beziehungsweise Gaspedaldruck. Oder doch eher ein Rennen über ein Jahr und 20 Etappen wie die Formel-1-Weltmeisterschaft 2011? Lassen wir das ebenso offen wie die Frage, ob der Neo-Kemmentaler seinen Titel verteidigen kann. Offen ist noch etwas.

Werden Kemmental und andere Gemeinden in der An- und Abflugroute künftig zu jeder Tages- und Nachtzeit Helikopterlärm erdulden müssen? Formel-1-Rennfahrer deplazieren sich ja nicht selten per Helikopter.

Die Frage hat einen politischen Hintergrund: Der Bund will eine Verordnung über Aussenlandungen von Flugzeugen oder Helikoptern erlassen. Aussenlandungen sind Landungen ausserhalb von Flugplätzen. Sie sind heute bewilligungspflichtig.

Wenn die Verordnung in Kraft tritt, entfällt die Bewilligungspflicht für jeden Helikopter oder Piloten. Der Bund verspricht sich davon weniger Papierkram und Kosten.

Die neue Verordnung muss noch vom Bundesrat verabschiedet werden. Wann das der Fall ist, steht in den Sternen, nicht nur den dreizackigen, denen Vettel letztes Jahr das Rücklicht gezeigt hat. Nach Auskunft von Anton Kohler, Sprecher des Bazl, wertet das Bazl im Moment die Vernehmlassung aus.

Schon heute Beschränkungen

Bei der Kommunikation des Bazl geht man davon aus, dass der Kanton oder eine Gemeinde künftig zum Schutz der Umwelt oder der Menschen Auflagen für Aussenlandungen machen darf. Eine solche Klausel dürfte in der Verordnung drin sein. Kohler betont, dass es heute schon Beschränkungen gibt.

Auf der Homepage des Bazl findet man Antragsformulare für Aussenlandungen.

Da steht unter anderem, dass Aussenlandungen und Starts sonntags, in der Nacht und an Feiertagen verboten sind. Zudem müssen die Piloten lärmempfindliche Gebiete, etwa Spitäler oder Wohngebiete, beim An- und beim Abflug möglichst verschonen.

Auflagen für Lärmschutz?

Wird die Gemeinde die Chance beim Schopf packen und Auflagen in Sachen Lärmschutz machen? Gemeindeammann Walter Marty hat die neue Verordnung noch nicht gesehen und konnte deshalb noch nichts dazu sagen.

Er hat allerdings bisher keine Klagen der Bevölkerung über Helikopterlärm zu hören bekommen.

Marty ist überzeugt, dass sich die Kemmentaler an die Gemeinde gewendet hätten, wenn sie sich belästigt fühlten. Vettel sei letztes Jahr drei oder vier Mal per Helikopter an- oder abgereist, betont Marty. Das sei weit weniger als die erlaubten zehn Mal.

Vettel zieht's nicht nur in die Höhe, sondern auch in den Untergrund. In der neuesten Ausgabe des «Kemmentaler Anzeigers» ist ein Baugesuch für Erdsondenbohrungen zu lesen. Wenn im Formel-1-Tempo gebohrt wird, ist Ellighausen reif für einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.