Sebastian Vettel verzichtet auf Tennisplatz

KEMMENTAL. Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel verzichtet auf eine Sonderbauzone für Freizeitanlagen. Er hat mit dem WWF eine entsprechende Vereinbarung getroffen.

Yvonne Bugmann
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Sebastian Vettel und der WWF haben sich geeinigt. (Bild: Keystone)

Sebastian Vettel und der WWF haben sich geeinigt. (Bild: Keystone)

Sebastian Vettel wollte auf seinem Anwesen im Kemmental einen Tennisplatz und ein Schwimmbad bauen. Dazu musste das Land in eine Sonderbauzone für Freizeitanlagen umgezont werden. Dem hatte die Gemeindeversammlung vergangenen November zwar zugestimmt, doch der WWF und die Stiftung Landschaftsschutz hatten dagegen Rekurs eingelegt.

Weder Swimmingpool noch Tennisplatz
Nun ist diese Sonderbauzone vom Tisch. «Sebastian Vettel verzichtet kompromisslos auf die Freizeitanlage», sagt Jost Rüegg vom WWF. Bei einem Augenschein im April habe sich der Rennfahrer einsichtig gezeigt, nun hat er sich mit den Umweltverbänden geeinigt und mit ihnen eine Vereinbarung getroffen.

Diese betrifft nicht nur den Verzicht auf die Sonderbauzone, sondern auch drei Baugesuche. Sebastian Vettel hatte nachträglich drei Baugesuche eingereicht für Bauvorhaben, die er bereits realisiert hatte. Auch dagegen hatte der WWF Einsprache erhoben. Zum einen geht es um einen Zaun ums Gelände. «Der Zaun wird durch eine Hecke ersetzt», erläutert Jost Rüegg einen weiteren Punkt der Vereinbarung. Der jetzige Zaun bleibe nur bis 2020 bestehen, bis die natürliche Hecke genügend hoch gewachsen ist.

Geld für Naturschutzprojekt
Zum anderen nützt Sebastian Vettel den Mühleweiher als Schwimmteich. Zum Ausgleich für den Eingriff in das Naturschutzobjekt Neumühleweiher unterstützt Sebastian Vettel ein Naturschutzprojekt, welches vom Kanton bestimmt wird. Zudem gibt er der Biodiversität auf seinem Grundstück mehr Raum, wie der WWF mitteilt.

Der WWF ist mit dieser Vereinbarung zufrieden. «Es ist eine vernünftige, sehr gelungene Vereinbarung, von der alle profitieren», sagt Jost. Auch von der Zusammenarbeit mit dem Formel-1-Weltmeister ist Jost angetan: «Vettel ist intelligent, mit ihm kann man reden.»

Kanton begrüsst Vereinbarung
Ob die Vereinbarung auch umgesetzt wird, ist von den Behörden abhängig. Der Kanton Thurgau, wo der Rekurs hängig ist, muss sich damit einverstanden erklären. In einer Stellungnahme teilt Regierungsrat Jakob Stark mit: «Wenn sich Parteien in einem Rechtsverfahren einvernehmlich einigen können, ist das grundsätzlich immer zu begrüssen, auch im vorliegenden Fall.» Stark zieht auch Lehren für die Zukunft: In ähnlichen Fällen müsse zukünftig viel früher das gemeinsame Gespräch gesucht werden, um Missverständnisse zu vermeiden und gute, tragbare Lösungen zu finden. Es sei wichtig, dass auch der WWF dazu Hand biete und nicht einfach die Konfrontation suche. «Dies hat er im vorliegenden Fall bewiesen.»

Auch der Kemmentaler Gemeindeammann Walter Marty freut sich für Sebastian Vettel, dass sich dieser mit dem WWF einigen konnte. «Schlecht finde ich aber, dass das Volk von Naturschutzverbänden überstimmt wird.» Denn die Kemmentaler hatten der Umzonung zugestimmt. «Der Volkswille wird nicht respektiert», ärgert sich Marty.