Schwere Last der Nachfolger

Die SVP Thurgau wird es schwer haben, in drei Jahren die drei Sitze im Nationalrat halten zu können. Während es der Parteileitung punkto Nachwuchsförderung nicht eilt, rät alt Nationalrat Peter Spuhler, jetzt die Segel zu setzen.

Marina Winder
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Die drei Schwergewichte J. Alexander Baumann, Hansjörg Walter und Peter Spuhler (v. l.) machen es ihren Nachfolgern nicht leicht. (Archivbild: Susann Basler)

Die drei Schwergewichte J. Alexander Baumann, Hansjörg Walter und Peter Spuhler (v. l.) machen es ihren Nachfolgern nicht leicht. (Archivbild: Susann Basler)

FRAUENFELD. Mit dem Trio J. Alexander Baumann, Peter Spuhler und Hansjörg Walter hatte die SVP Thurgau drei Schwergewichte an der Spitze. Die Partei musste sich punkto Nachfolgeregelung keine Gedanken machen, und neue Kandidaten machten sich keine Hoffnung auf einen Sitz. Der Rücktritt J. Alexander Baumanns vor einem Jahr und der überraschende Rücktritt Peter Spuhlers im vergangenen Herbst haben die Partei aber aufgerüttelt. Sie musste sich neu ordnen.

Alt Nationalrat Peter Spuhler sieht Handlungsbedarf. Für seinen Geschmack dürfte die Partei eine aktivere Nachwuchsförderung betreiben. «Die SVP Thurgau muss unbedingt darauf achten, dass sie jetzt vorausschauend handelt und vielversprechenden Nachwuchs wie beispielsweise eine Diana Gutjahr rechtzeitig aufbaut.»

«Wir sind nicht nervös»

Keinen Grund zur Eile sehen hingegen Parteipräsident Walter Marty und Max Arnold, Präsident der Findungskommission. Die Partei beschäftige sich zwar intensiv mit der Frage, wie sie die drei Sitze im Nationalrat halten könne. «Wir sind aber nicht nervös deswegen und haben auch nicht das Gefühl, dass wir jetzt unbedingt schon irgendwelche Weichen stellen müssen», sagt Arnold.

Anders als Spuhler spricht er sich für die klassische Ochsentour aus: «Ich persönlich finde es gut, wenn die jungen Leute erst einmal Erfahrung sammeln, sei es in einem Vereinsvorstand, in einer Schulbehörde oder einer politischen Behörde.» Er räumt ein, dass dieser klassische Weg früher mehr gegolten habe als heute. «Heute haben Quereinsteiger, wenn sie die richtigen Voraussetzungen mit sich bringen, eher die Chance, dass sie direkt auf eine Liste kommen.»

Gutjahr will es langsam angehen

Nachwuchshoffnung Diana Gutjahr will sich Schritt für Schritt vorarbeiten. «Ich bin als Quereinsteigerin in den Grossen Rat gekommen. Jetzt will ich mich da erst einmal etablieren.» Sie ziele nicht auf ein bestimmtes politisches Mandat. Wichtiger sei ihr, das Unternehmertum vertreten zu können. «Dazu muss ich an meinem Netzwerk arbeiten», sagt Gutjahr. Erste Schritte habe sie bereits in die Wege geleitet: Neu hat sie das Vize-Präsidium des Arbeitgeberverbandes Romanshorn inne und ist für den Vorstand des Gewerbeverbandes Thurgau nominiert.

Mit Hansjörg Walter ist der Partei immerhin ein Zugpferd erhalten geblieben. Vorerst. Über den Zeitpunkt seines Rücktrittes wird heftig spekuliert. Selber hat er sich zu dieser Frage bis jetzt nicht offiziell geäussert. Für eine Stellungnahme war er in den vergangenen zwei Tagen nicht zu erreichen.

Gemäss Walter Marty sind drei Szenarien denkbar: Ein frühzeitiger Rücktritt Hansjörg Walters, ein regulärer Rücktritt in drei Jahren oder eine erneute Kandidatur. Was für die Partei am besten wäre, will Marty nicht kommentieren: «Hansjörg Walter soll frei entscheiden.» Bei einem frühzeitigen Rücktritt würde Kantonsrat Urs Martin nachrücken. Er will sich zu diesem Thema erst äussern, wenn es durch eine Rücktrittserklärung aktuell würde.

Mit und ohne Stimmengarant Hansjörg Walter wird es die Partei schwer haben, die drei Sitze im Nationalrat behalten zu können. «Wenn die drei Mandatsträger gute Arbeit leisten, sollte das möglich sein», sagt dazu Arnold.