Schweizerdeutsch nicht aus dem Kantonsrat verbannen

THURGAU. Thurgauer Kantonsrätinnen und Kantonsräte dürfen im Grossen Rat weiterhin Mundart reden. Eine Änderung in der Geschäftsordnung, die Verhandlungen ausschliesslich in Hochdeutsch zu führen, lehnte der Rat am Mittwoch klar ab.

Drucken
Teilen
Kantonsräte aus dem Thurgau können weiterhin reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. (Bild: Reto Martin)

Kantonsräte aus dem Thurgau können weiterhin reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. (Bild: Reto Martin)

Die regelmässige Revision der Geschäftsordnung hat am Mittwoch zu einer unerwartet langen Diskussionen im Grossen Rat geführt. Die Fachkommission hatte vorgeschlagen, die Ratssprache auf Hochdeutsch festzulegen, weil so die Protokollführung erleichtert würde.

Dies passte einigen Ratsmitgliedern gar nicht. Stefan Geiges (CVP, Frauenfeld) verlangte, dass er weiterhin so reden dürfe, wie ihm der Schnabel gewachsen sei. Der Rat stehe allen Bürgern offen, auch einfachen Handwerkern wie ihm. Hochdeutsch solle keine Voraussetzung sein, um in den Kantonsrat gewählt werden zu können, sagte Geiges. Unterstützt wurde sein Antrag von der SVP-Fraktion.

Allerdings war sich die Mehrheit einig, dass normalerweise im Kantonsrat Hochdeutsch gesprochen werde. Eine Regelung in der Geschäftsordnung brauche es deshalb nicht. Turi Schallenberg (SP, Bürglen) stellte schliesslich den Antrag, den entsprechenden Paragraphen aus der Geschäftsordnung des Grossen Rates zu streichen. Dieser wurde mit 100 gegen 11 Stimmen angenommen.

Sitzungsgelder nicht gekürzt

Der Rat kürzt die Entschädigung für Mitglieder der Geschäftsprüfungskommission (GfK) nicht. Sie erhalten weiterhin für jede Sitzung 200 Franken. Ein entsprechender Antrag von Daniel Wittwer (EDU, Sitterdorf) wurde mit 72 gegen 21 Stimmen angenommen.

Die vorberatende Kommission wollte die Sitzungsgelder auf höchstens 200 Franken pro Halbtag kürzen und so die Vorgaben des Sparpakets LÜP (Leistungsüberprüfung) umsetzen.

Die Mehrheit im Rat war jedoch der Meinung, dass eine Kürzung ungerecht wäre. Zudem wäre der finanzielle Nutzen fraglich, weil die GfK durch eine gute Vorbereitung der Geschäfte den Ratsbetrieb effizienter mache. Wenn ganze Sitzungen des Kantonsparlaments ausfallen, spare dies viel mehr Geld als eine Kürzung der Sitzungsgelder bei den GfK-Mitgliedern. (sda)

Aktuelle Nachrichten