Schutz vor riesiger Flut

An der Murg im Frauenfelder Stadtzentrum haben letzte Woche Bauarbeiten begonnen. Dämme und Mauern sollen Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser bieten.

Thomas Wunderlin
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Spatenstich: Baudirektor Jakob Stark bewegt die Schaufel. (Bild: id)

Spatenstich: Baudirektor Jakob Stark bewegt die Schaufel. (Bild: id)

frauenfeld. Die Murg floss am Donnerstagnachmittag friedlich in ihrem Bett. Pro Sekunde strömten 1,5 Kubikmeter Wasser am Werkhof an der Frauenfelder Gaswerkstrasse vorbei. «Sie sehen, die Murg ist ein Wildbach», erklärte Marco Baumann, Chef des kantonalen Amts für Wasserwirtschaft und Wasserbau. Ein Wildbach zeichnet sich durch stark wechselnde Pegelstände aus. So gab es in den letzten 50 Jahren siebenmal Abflussmengen von über 100 Kubikmetern pro Sekunde. Nun wird das Siedlungsgebiet an beiden Ufern besser geschützt.

Beobachtet von zwei Dutzend Beteiligten, darunter einigen Grundeigentümern, führte Regierungsrat Jakob Stark mit einem Bagger den Spatenstich aus. Nur mit Mühe gelang es ihm, die Schaufelsteuerung seinem Willen zu unterwerfen.

20 Bäume werden gefällt

Auf einer Strecke von 500 Metern zwischen der Zeughaus- und der Rheinstrassenbrücke werden Erddämme aufgeschüttet.

An andern Stellen entstehen Winkelstützmauern mit Betonfundamenten, die zu den Gebäuden angeschüttet werden. Rund 20 Bäume werden gefällt, vor allem am linken Ufer. Bei bestehenden Zugängen zum Ufer werden Dammbalken bereitgestellt, um sie im Notfall wasserdicht zu machen. Das Landschaftsbild wird sich wenig verändern. Günstiger Wasserstand vorausgesetzt, sind die wichtigsten Arbeiten bis Weihnachten abgeschlossen. Die Gärtnerarbeiten sollen bis März 2011 beendet sein.

Eine Renaturierung und Ausweitung des Flussbetts wäre laut Baumann zu teuer geworden. Die Werkleitungen im Murgufer hätten verlegt werden müssen.

Das Projekt kostet 650 000 Franken. Die potenzielle Schadenssumme andererseits wird auf über 6 Millionen Franken geschätzt.

Siedlungsgebiet muss laut Gesetz vor einem Jahrhunderthochwasser geschützt werden. Im Unterschied dazu darf Landwirtschaftsgebiet alle 20 Jahre überflutet werden. Laut Baumann wird ein Jahrhunderthochwasser an der Murg mit 170 Kubikmetern pro Sekunde definiert.

Übersteigt der Pegel diesen Wert, so ist weiterhin mit Schäden zu rechnen. Ausgeschlossen ist das nicht.

Murg riss halbe Brücke weg

Bei der Hochwasserkatastrophe von 1876 führte die Murg über 300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, wie in der 1996 erschienenen Frauenfelder Stadtgeschichte nachzulesen ist. Damals riss die Flut mehrere Häuser entlang des Ufers samt der halben Eisenbahn- brücke weg.

Der Murganstösser Martin Beerli ist zufrieden, weil er eine Mauer in seinem Garten verhindern konnte. Stattdessen werde ein Erddamm aufgeschüttet. Vier Bäume habe er bereits gefällt. Zwei japanische Ahorn könnten stehen bleiben. Er habe schon ein Dutzend Hochwasser erlebt, sagt der 85-Jährige. Sobald die Murg steigt, drückt Grundwasser in Beerlis Keller. Er hat deshalb zwei Pumpen, die das Wasser automatisch in die Kanalisation befördern.