Schutz vor Flut in Gachnang

GACHNANG. Die Gemeinde Gachnang zieht Konsequenzen aus dem Hochwasser im Jahr 2008. Das Projekt «Hochwasserkorridor mit Objektschutz» soll entsprechende Massnahmen schaffen.

Christine Luley
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Gemeinderat Fritz Stettler und Stefan Angst, Leiter Bau und Werkverwaltung, beim Abschnitt der geplanten Freilegung des Oberwilerbaches. (Bild: Christine Luley)

Gemeinderat Fritz Stettler und Stefan Angst, Leiter Bau und Werkverwaltung, beim Abschnitt der geplanten Freilegung des Oberwilerbaches. (Bild: Christine Luley)

Die starken Regenfälle im April 2008 gaben den Ausschlag. Stefan Angst, Leiter Bau- und Werkverwaltung in der Gemeinde Gachnang, erzählt von den insbesondere im Gebiete Langäcker überfluteten Kellern und Gärten sowie ausgespülten Flurstrassen. Die Tiefgarage einer Überbauung sei dabei nur knapp verschont worden. Laut Angst ist im geschlossenen Siedlungsgebiet und im Industriegebiet bis zum Tegelbach Schadenspotenzial ausgewiesen. Das geht aus der Naturgefahrenkarte hervor, die vom kantonalen Amt für Umwelt in Auftrag gegeben und vom Departement für Bau und Umwelt genehmigt worden ist.

Deshalb beauftragte der Gemeinderat ein Ingenieurbüro, um im Rahmen einer Hochwasserschutzkonzeptstudie die Problematik zu beurteilen und mögliche Massnahmen aufzuzeigen. Die erarbeiteten drei Varianten wurden den Grundeigentümern vorgestellt und in Absprache mit dem kantonalen Amt für Umwelt, Abteilung Wasserbau und Hydrometrie wurde entschieden, das Projekt «Hochwasserkorridor mit Objektschutz» weiterzuverfolgen.

Renaturierung Oberwilerbach

Im östlichen Gemeindegebiet soll der Schutz durch bauliche Massnahmen auf einem Korridor mit verschiedenen Teilstücken verbessert werden. Der teilweise eingedolte Oberwilerbach wird innerhalb des Grossholz-Waldes renaturiert, so dass er selbst bei einem Jahrhunderthochwasser in seinem natürlichen, breiteren Bett bleiben soll.

Stefan Angst weist auf die ökologische Funktion hin: «Die wertvollen Lebensräume am Waldrand, am Übergang zwischen Naturlandschaft und Kulturlandschaft, werden durch die Bachöffnung erheblich aufgewertet». Für das Vorhaben müsse der Waldsaum gerodet werden, doch die 3745 Quadratmeter würden wieder aufgeforstet.

Grundeigentümer informiert

Im Siedlungsgebiet sind vor allem Objektschutzmassnahmen an Gebäuden und der Umgebungsgestaltung geplant, wie Mäuerchen und Erhöhungen. An verschiedenen Infoanlässen, welche teilweise auch vor Ort stattfanden, wurde das Vorhaben mit den Grundeigentümern besprochen. Im Bereich der SBB und der Industriegleise soll durch Ableitung des oberflächlich abfliessenden Wassers von Süden her über die Kantonsstrasse in den Vorfluter (Tegelbach) bewirkt werden, dass die Gleise und Weichen keine Schäden erleiden.

Damit es in der Bahnunterführung (Regio-Radweg) zu keinem Aufstau kommt, wird dort das Wasser gefasst und in ein Gerinne geführt, das mit einem Längsgefälle bis zum Bachdurchlass unter dem Industriegleis verläuft. Nach dem Bahndurchlass wird das Gerinne offen bis zum Parkplatz der Ricoter AG geführt. Winkelplatten schützen die Gebäude des Industriebetriebs vor Hochwasser. Somit wird das Wasser kontrolliert auf die Mattstrasse geführt, auf der es zum Tegelbach fliesst. Der neu geplante Lagerplatz auf der westlichen Seite der Mattstrasse wird durch eine bauseitig zu erstellende Mauer geschützt.

Bund und Kanton zahlen mit

Bund und Kanton beteiligen sich an den Gesamtkosten von brutto 1,383 Millionen Franken. Auf die Gemeinde Gachnang entfallen demnach Restkosten von 560 000 Franken.

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