Schulterschluss in Münsterlingen

Das Herz-Neuro-Zentrum Bodensee will von Kreuzlingen nach Münsterlingen umziehen – in einen Neubau direkt neben dem Kantonsspital. Die Thurgauer Wirtschaft sieht weitere Kooperationspotenziale für private und öffentliche Kliniken.

Marc Haltiner
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Das Kantonsspital Münsterlingen bekommt neue Nachbarn: Das Herz-Neuro-Zentrum Bodensee plant einen Neubau direkt daneben. (Bild: Urs Jaudas)

Das Kantonsspital Münsterlingen bekommt neue Nachbarn: Das Herz-Neuro-Zentrum Bodensee plant einen Neubau direkt daneben. (Bild: Urs Jaudas)

Münsterlingen. Mit ihrer Zusammenarbeit betreten das Herz-Neuro-Zentrum Bodensee und das Kantonsspital Münsterlingen schweizweit Neuland. Das Zentrum will einen Neubau in Münsterlingen erstellen, Infrastruktur und Personal könnten gemeinsam genutzt werden.

Interessiert an Partnern

Wie Dierk Maass, der Verwaltungsratspräsident des Herz-Neuro-Zentrums, bestätigt, könnten Teile des Rettungsdienstes in Kreuzlingen bleiben. Gerade für den Raum Konstanz sei dieser Standort zentraler.

Nicht betroffen vom Schulterschluss ist hingegen das Kantonsspital Frauenfeld. Die Bereiche, die mit dem Herz-Neuro-Zentrum zusammenarbeiten, seien bereits weitgehend in Münsterlingen konzentriert, sagt Marc Kohler, der CEO der Spital Thurgau AG. Beide Kliniken zeigen sich zudem offen für weitere Kooperationen. In Münsterlingen entstehe ein Spitalcampus, der gerade bei Notfällen und Patienten mit schweren Krankheiten diverse Behandlungen anbieten könne. Dies könne auch für weitere Kantone interessant sein.

Ja zum Baurechtsvertrag

Den Neubau will das Herz-Neuro-Zentrum direkt neben dem Kantonsspital in Münsterlingen realisieren, dies auf 130 000 Quadratmetern, die der Regierungsrat im Baurecht abtreten will. Der Preis: knapp drei Millionen Franken. Zustimmen muss allerdings noch der Grosse Rat, doch dort zeichnet sich Zustimmung ab. «Ich hoffe sehr auf ein Ja», meint CVP/GLP-Fraktionschefin Carmen Haag. Gleicher Meinung ist FDP-Präsident Bruno Lüscher. Er zeigt sich erleichtert, dass das Herz-Neuro-Zentrum eigenständig bleiben will.

Die Spital AG habe bereits die Venenklinik gekauft, weitere Übernahmen würden die Privatspitäler schwächen.

«Die Zusammenarbeit stärkt den Standort Thurgau», findet SVP-Fraktionschef Stephan Tobler. In der Ostschweiz entstehe ein starkes Zentrum. Positiv zum Baurecht äussert sich SP-Präsidentin Barbara Kern. Die Regierung dürfe das Land des Kantons nicht verkaufen.

Attraktiv bleiben

Ein Projekt mit ähnlichem Ziel hatte bereits die Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau lanciert. In der Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Kliniken ortete eine Studie eine Möglichkeit, die Attraktivität des Thurgaus als Spitalstandort zu stärken – da Patienten ab 2012 auch Spitäler ausserhalb des Kantons wählen können, könnten die Thurgauer Spitäler Patienten an grössere Spitäler verlieren, sagt IHK-Direktor Peter Maag.