Schulstandort weiterhin im Fokus

An der Budgetgemeindeversammlung der Schule Herdern-Dettighofen entfachte sich eine emotionale Diskussion über den Schulstandort. Nun muss die Behörde nochmals über die Bücher. Zudem wurde ein neuer Präsident gewählt.

Evi Biedermann
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Patrick Siegenthaler Neuer Schulpräsident PSG Herdern-Dettighofen (Bild: Evi Biedermann)

Patrick Siegenthaler Neuer Schulpräsident PSG Herdern-Dettighofen (Bild: Evi Biedermann)

LANZENNEUNFORN. Aus der Traum von einer Klärung der heftig umstrittenen Schulstandortfrage bis Ende Jahr: Die Stimmbürger der Schulgemeinde Herdern-Dettighofen wiesen am Dienstagabend den Vorschlag der Schulbehörde über das weitere Vorgehen zurück und erklärten den Antrag der Interessengemeinschaft «Schulstandort Mitte», die eine umfassende Prüfung von nur einem Standort verlangt, als erheblich. Dabei hatte die Behörde durchaus im Sinn des aktiven Stimmvolks gehandelt. Dieses entschied sich am 8. November in einer Konsultativabstimmung zu 60 Prozent für zwei Standorte, einer in Herdern und einer in Lanzenneunforn.

Strategie der kleinen Schritte

Das schlägt auch die Schulbehörde vor, die sich zu der Standortfrage bislang neutral verhielt und ihre Aufgabe darin sah, dem Volk mögliche Varianten zur Wahl vorzulegen (die TZ berichtete). «Wir verfolgen eine Strategie der kleinen Schritte», erklärte Schulpräsident Marc Meile in der vollbesetzten Mehrzweckhalle. Diese sieht in einem ersten Schritt vor, die Schule Dettighofen zu veräussern, hernach müsse sich die Behörde bilden und sich dann über den Umfang von zwingend nötigen Investitionen, über Sicherheit und Werterhaltung der Gebäude Gedanken machen, sagte Meile.

Anschliessend las er den Antrag vor, der von der IG Mitte eingegangen war. Diese will nur einen Schulstandort und verlangt eine umfassende Prüfung von Lanzenneunforn. Dies soll in Zusammenarbeit mit Schulbehörde und IG sowie allenfalls der Unterstützung von Amt für Volksschule und einer Schulberatung geschehen und Faktoren wie Raumbedarf und Kosten sowie allfällige Verkäufe von Land und nicht mehr benötigter Infrastrukturen beinhalten.

Kosten liegen weit auseinander

Aus Sicht der Schulbehörde berücksichtigt der Antrag nicht alle Fakten und ist zum Teil unrealistisch. So etwa die Kosten für die Sanierung der Halle, welche die IG mit 200 000 Franken beziffert. Die Zahlen der Schulbehörde, die von zwei renommierten Firmen berechnet wurden und Sanierungen bis 2019 berücksichtigen, belaufen sich auf 1,4 Millionen Franken. «Der Antrag führt zu einem gegenseitigen Abrüsten», sagte Meile, und er sei abzulehnen. Vor der Abstimmung jedoch entfachte sich eine emotionale Diskussion über das Pro und Kontra der beiden Konzepte, die sich teils im Detail oder in Widersprüchen verlor. Auch fehlte ein Mikrophon, denn nicht jeder Redner hatte ein hallentaugliches Stimmorgan. So blieb einiges für einige auf der Strecke. Applaus jedoch gaben die 199 Stimmberechtigten dennoch nach jedem Votum kräftig. Über den Antrag der IG respektive dessen Erheblichkeit wurde letztlich geheim abgestimmt, weil ein Votant befürchtete, die offene Stimmabgabe könnte in den Dörfern zu Anfeindungen führen. Der Antrag ging mit 138 Ja-Stimmen zurück an die Schulbehörde, die nun ein Jahr lang Zeit hat, dem Stimmvolk einen neuen Vorschlag zu unterbreiten.

Budget mit Verlust

Das Budget 2016 rechnet mit einem Verlust von 105 300 Franken, kalkuliert hat der neu gewählte Schulpräsident Patrick Siegenthaler. Darin sind die Kosten für die Sanierung und den Umbau der Schulanlagen noch nicht enthalten. Diese Anträge würden erst nach dem strategischen Grundsatzentscheid gestellt, sagte Siegenthaler.