Schulleiterin per sofort freigestellt

Gestern flatterte in Hüttwilen den Eltern von Kindergärtlern und Primarschülern ein Brief der Schulbehörde ins Haus: Darin wird die sofortige Trennung von der Schulleiterin mitgeteilt.

Beat W. Hollenstein
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Hüttwilen. Die Primarschule Hüttwilen wird ab Beginn des neuen Schuljahres zumindest vorübergehend ohne Schulleitung sein. Die Freistellung erfolgt per sofort, den Lohn dürfte sie jedoch nach heutigem Kenntnisstand noch bis Ende Jahr beziehen. Die Nachricht machte gestern im Dorf in Windeseile die Runde. Etliche Mütter und ein Vater riefen auf der TZ-Redaktion an, um ihr Unverständnis und ihren Unmut über den Entscheid der Schulbehörde auszudrücken.

Die Freistellung betrifft nur das 30-Prozent-Pensum, zu dem die Frau von der Schulgemeinde Hüttwilen als Schulleiterin angestellt war, nicht jedoch das 25prozentige Pensum, mit dem sie die Primarschule Nussbaumen leitet. Dies bestätigte René Strasser, Präsident der Primarschulbehörde Nussbaumen, auf Anfrage der TZ: «Das Anstellungsverhältnis in Nussbaumen bleibt bestehen, ebenso ihr Halbamt als Lehrerin.» Die Stelleninhaberin leitete die beiden Schulen während zweieinhalb Jahren; sie will gegen die Entlassung nicht rekurrieren.

Bei den Lehrern beliebt

Dass sich die Schulbehörde von ihr trennen will, wurde der Schulleiterin bereits vor den Pfingstferien mitgeteilt; es wurde jedoch beidseitiges Stillschweigen vereinbart. Vor zwei Wochen wurden auch die zehn in Hüttwilen tätigen Lehrer informiert. Eine Lehrperson, die ihren Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, erklärt: «Dass es gewisse Kommunikationsprobleme zwischen Schulleitung und Behörde gab, war uns bekannt. Aber dieser Bescheid war doch ein Schock für uns alle. Das haben wir nicht erwartet.» Die Stelleninhaberin habe viel zur Teambildung an der Schule beigetragen. Auch eine zweite Lehrkraft äussert ihr Bedauern: «Die Schulleiterin war eine kompetente Führungsperson, die extrem zu motivieren wusste.» Dem Vernehmen nach wurde an einer Aussprache mit der Schulbehörde seitens der Lehrerschaft auch Protest geäussert.

Die Gründe für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses könne nicht im Detail erläutert werden, heisst es im Elternbrief weiter. «Sie hat gute Arbeit in pädagogischen Belangen geleistet und ist bei den Lehrpersonen sehr beliebt.» Weshalb denn sah sich die Schulbehörde zu diesem rigorosen Schritt veranlasst? Das Schreiben bleibt in diesem Punkt ziemlich vage: «Leider war ihre Zusammenarbeit mit der Schulbehörde und anderen Parteien unbefriedigend.»

Kein Spontanentscheid

Schulpflegerin Bénédicte Boccanegra möchte sich nur dahingehend zitieren lassen, dass der Entscheid nicht von heute auf morgen gefällt worden sei und man das Gespräch mit der Schulleiterin mehrmals gesucht habe. Konkret werden der Schulleiterin offenbar mangelnde Kommunikation und Illoyalität gegenüber den Behörden vorgeworfen.

Boccanegra betont auch, dass die Schulberatung und das Schulinspektorat des kantonalen Amtes für Volksschule stets involviert gewesen seien. «Die Situation war untragbar geworden, und nun hoffen wir, dass wieder Ruhe einkehrt.» Demgegenüber hält René Strasser fest, dass die Zusammenarbeit in Nussbaumen «bestens» klappe.

Thomas Wicker, Präsident der Hüttwiler Primarschulbehörde, war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar; er weilte beruflich an einem Meeting in München. Unklar blieb, ob die Schulleiterin das kantonale Zertifikat für Schulleiter beigebracht hat. Dieses ist zur Ausübung der Funktion notwendig. Sie selbst wollte sich gestern dazu nicht äussern. Laut kantonalem Amt für Volksschule kann es innert dreier Jahre nach Stellenantritt berufsbegleitend erworben werden.