Schulhaus Ochsen evakuiert

Im Zentrum von Müllheim schlägt ein Tanklastzug leck und eine unbekannte Flüssigkeit tritt aus. Vorsorglich werden die knapp 70 Schülerinnen und Schüler des Schulhauses Ochsen in Sicherheit gebracht – glücklicherweise nur übungshalber.

Stefan Hilzinger
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In Sicherheit bringen: Betreuer Jannis Quenson führt eine Klasse in Zweier-Kolonne weg. (Bilder: Stefan Hilzinger)

In Sicherheit bringen: Betreuer Jannis Quenson führt eine Klasse in Zweier-Kolonne weg. (Bilder: Stefan Hilzinger)

MÜLLHEIM. Ein schwerer Tanklastzug verunfallt am Montagmorgen im Zentrum vom Müllheim. Der LKW fährt zu schnell in den Ochsen-Kreisel und kippt. Der Tank schlägt leck und eine unbekannte Flüssigkeit tritt aus. Die Polizei ist schnell vor Ort und übernimmt das Kommando. Der Zivilschutz der Region Frauenfeld wird aufgeboten, die fast 70 Schülerinnen und Schüler und ihre drei Lehrerinnen aus dem direkt neben dem Kreisel gelegenen Primarschulhaus Ochsen in Sicherheit zu bringen. Kurz nach halb elf Uhr stehen die drei Klassen ruhig auf dem Vorplatz des Schulhauses und machen sich, angeführt von einem Zivilschützer, in Zweierkolonnen auf den Weg zur katholischen Kirche.

Bloss eine Übung

Der Unfall, der lecke Tanklaster im Kreisel und die Evakuierung des Schulhauses Ochsen sind – zum Glück für die Betroffenen – nur Teil einer grossen Übung der Zivilschutzregion (ZSR) Frauenfeld, die noch bis morgen Mittwoch dauert. In Müllheim stehen die Betreuer der ZSR Frauenfeld im Einsatz. In Matzingen spielen die sogenannten Führungsunterstützer das «Handling» eines Flugzeugabsturzes durch, und in Winterthur kämpfen die Pioniere aus Frauenfeld mit ihren Kollegen aus der Zürcher Nachbarschaft mit den Folgen eines fiktiven Hochwassers.

Im Gegensatz zu ordentlichen Wiederholungskursen wurde die Grossübung nicht vom Frauenfelder Zivilschutzkommando geplant und durchgeführt, sondern von Fachleuten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz in Bern. Rund ein Dutzend angehender Zivilschutzinstruktoren aus verschiedenen Deutschschweizer Kantonen erbringt so einen Teil der Abschlussarbeit in der Region Frauenfeld. «Wir sind dankbar, dass unsere Zivilschützer in den Genuss einer vorbildlich und sehr realitätsnah angelegten Übung kommen», sagt Andrej Rudolf Jakovac, stellvertretender Kommandant der ZSR Frauenfeld.

Im Dienst der Sache

Die Schülerinnen und Schüler des Müllheimer Primarschule kümmert der organisatorische Überbau der Evakuierung nicht gross. Sie freuen sich zunächst über Abwechslung im Schulalltag. «Wir sind über die Schulleitung angefragt worden, ob wir mitmachen sollen. Wir haben im Dienst der Sache zugesagt», erklärt eine der drei Lehrerinnen.

Erfreut stellen die Zivilschützer fest, dass die Kinder es gewohnt sind zuzuhören. Ruhig entfernen sie sich klassenweise vom Gefahrenherd. Gelassen stehen sie in der Reihe, um sich in die Liste der Evakuierten eintragen zu lassen. Unruhe kommt erst auf, als bei der Getränkeausgabe vorübergehend kein Eistee und keine Cola mehr vorrätig sind. «Hät's nu no Wasser?», maulen die Kinder und machen lange Gesichter. Doch schon eilt ein Zivilschützer mit Süssgetränken heran.

Vom Sammelplatz geht es geordnet zum Saal der katholischen Kirchgemeinde, wo schon bald das Mittagessen serviert wird. Am Nachmittag sorgen die Zivilschützer-Betreuer für kindergerechte Beschäftigung. Der eigens für solche Situationen zusammengestellte Animations-Koffer kommt zum Einsatz.

Mit Fussballspielen im Freien ist dann zwar nichts – wegen der angenommenen Gefahr durch den umgekippten LKW. Dagegen reicht die Zeit für die eine oder andere Partie «Eile mit Weile».

Übersicht schaffen: Andreas Wyler und Rolf Tobler notieren Namen.

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Bei Laune halten: Aeneas Hürlimann begleitet die Kinder zur Kirche.

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