Schulen haben Reserven für Steuersenkungen

FRAUENFELD. Die Thurgauer Schulgemeinden haben ihr Eigenkapital 2014 erneut ausbauen können. Bottighofen und Salenstein haben die tiefsten Schulsteuern, Berg-Birwinken hat die höchsten. Die Schülerzahlen haben erstmals seit 1999 nicht mehr abgenommen.

Thomas Wunderlin
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Die Thurgauer verdienen immer besser und sie werden immer mehr. Dadurch haben die 90 Thurgauer Schulgemeinden ihr Eigenkapital 2014 erneut um 25 Millionen Franken auf einen neuen Höchstwert von 239 Millionen Franken erhöhen können, wie den gestern veröffentlichen Thurgauer Schulfinanzen 2014 zu entnehmen ist.

Viele Schulgemeinden hätten Spielraum für Steuersenkungen, da Steuerkraft und Einwohnerzahl gestiegen sind, sagt Martin Schläpfer Leiter Finanzen im kantonalen Amt für Volksschule. Sie würden aber davor zurückscheuen und lieber Reserven bilden.

Grosse Unterschiede

Allerdings sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Schulgemeinden gross. Schläpfer möchte sich nicht zu Frauenfeld äussern, wo der Steuerfuss von 86 Prozent im Abstimmungskampf über das Schulbudget zum Thema geworden ist. Hingegen hält er in seinem Bericht fest, dass drei Schulgemeinden im Raum Arbon von einer «grossen bis kaum noch tragbaren Verschuldung» betroffen sind. Die Ursachen sind umfangreiche Infrastrukturprojekte. Für eine Steuersenkung besteht da kaum Spielraum.

Vier Steuerfüsse gesenkt

Jede vierte Schulgemeinde hat 2014 den Steuerfuss gesenkt, im Schnitt um zwei Prozentpunkte. Vier Schulen haben durchschnittlich drei Prozentpunkte aufgeschlagen. Die tiefsten Schulsteuern (Primar und Sek) haben Bottighofen und Salenstein mit 67 Prozent, gefolgt von Neunforn mit 70 Prozent. Bottighofen liegt immer noch am untern Ende der Rangliste, obwohl es den Steuerfuss 2014 um volle zehn Prozentpunkte erhöht hat.

Am meisten Schulsteuern zahlt man in Berg-Birwinken mit 108 Prozent. Vier Schulgemeinden verlangen 105 Prozent: die Primarschulen Arbon, Götighofen, Lauchetal und die Volksschulgemeinde Nollen. Der Durchschnitt liegt bei 93,9 Prozent.

Bei den Schülerzahlen, die für die Schulfinanzen von hoher Bedeutung sind, ist eine leichte Entspannung zu beobachten. 2014 besuchten 29 300 Thurgauer Kinder und Jugendliche eine öffentliche Volksschule im Kanton oder eine ausserkantonale Sonderschule, was praktisch gleich viele wie im Vorjahr waren. Erstmals seit 1999 hat sich die Schülerzahl nicht mehr verringert. Der bisherige Höchststand wurde 1997 mit 34 800 Schülern erreicht. Gemäss Prognose geht es wieder leicht hinauf. Bis 2018 soll die Anzahl Kinder und Jugendlich um 540 oder 1,9 Prozent wachsen. Der grösste Anstieg entfällt mit 3,9 Prozent auf die Primarstufe. In der Sekundarstufe geht die Abnahme weiter (–1,0 Prozent). Der Anstieg ist stark unterschiedlich. Viele Schulgemeinden verlieren bis 2018 weiterhin Schüler. Fast jede zehnte sogar mehr als 10 Prozent.

Eine Welle geburtenstarker Jahrgänge ist nicht in Sicht: Im Kindergarten wird bis 2018 nur mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent gerechnet.