Schulen gegen grössere Klassen

Die Thurgauer Schulgemeinden wehren sich gegen eine Erhöhung der Sek-Klassen um einen Schüler bei der Berechnung der Kantonsbeiträge. Die Klassengrösse sei schon jetzt zu hoch für einen differenzierten Unterricht.

Thomas Wunderlin
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Mit der Erhöhung des Eckwerts der Sek-Klassengrösse von 20 auf 21 spart der Kanton insgesamt 4,2 Millionen Franken: Sekundarschule Sirnach. (Archivbild: Donato Caspari)

Mit der Erhöhung des Eckwerts der Sek-Klassengrösse von 20 auf 21 spart der Kanton insgesamt 4,2 Millionen Franken: Sekundarschule Sirnach. (Archivbild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Auf die einzelnen Schüler eingehen sollten die Thurgauer Schulen heute. Dass eine ganze Klasse im Gleichschritt den Stoff paukt, gilt nicht mehr als zeitgemäss. Die Thurgauer Sekundarschulen müssen mindestens in Mathematik und einer Fremdsprache den Unterricht in Niveaus führen. Ausserdem sollen Sonderschüler wenn möglich in die Klassen integriert werden.

Diese Ziele stehen in Widerspruch zur Absicht des Regierungsrats, die Beiträge an die Schulgemeinden zu kürzen, findet Felix Züst, Präsident des Verbands Thurgauer Schulgemeinden (VTGS). Der Verband lehnt deshalb die Massnahme 4.10 der Leistungsüberprüfung (LÜP) ab: die Erhöhung der Klassengrösse der Sekundarschule von 20 auf 21. Der Regierungsrat will damit jährlich 4,2 Millionen Franken sparen.

Gemäss Jahresrechnung 2013 hat der Kanton den 90 Thurgauer Schulgemeinden Beiträge von 62,4 Millionen Franken ausbezahlt. Weitere 17 Millionen werden über den Finanzausgleich unter den Schulgemeinden verschoben. Die Beträge können von Jahr zu Jahr stark schwanken. So wurden im Vorjahr total sieben Millionen Franken mehr bezahlt. Laut Walter Berger, Chef des Amts für Volksschule, war die Steuerkraft der Gemeinden tiefer und die Schülerzahl höher.

Tatsächlich unter Eckwert

Die Klassengrösse ist ein Faktor des 2011 eingeführten Systems der Beitragsberechnung. Je grösser die Klasse, desto weniger Lehrer muss eine Schulgemeinde theoretisch besolden und umso tiefere Beiträge erhält sie. In Wirklichkeit sind die Klassen oft kleiner als der Eckwert. Laut VTGS-Präsident Züst, hauptamtlicher Schulpräsident von Bischofszell, umfassen dritte Sek-Klassen manchmal nur 14 Schüler. Auch Niveauklassen haben oft diese Grösse. Die leer bleibenden Plätze gehen auf Kosten der Schule.

Manche Schulen versuchen es laut Züst mit grösseren Klassen; so kämen sie etwa im höheren Niveau des Englischunterrichts auf 28 Schüler. Aus pädagogischer Sicht seien das zu viele. Ein einzelner Schüler komme kaum noch zu Wort.

«Wir müssen keine Vorgaben revidieren», kommentiert Volksschul-Chef Berger. Nach seinen Angaben haben die Sekundar-Klassen im Typ E durchschnittlich 19,2 Schüler, im Typ G 16,2. Bei einer Erhöhung des Eckwerts müssten die Schulgemeinden «aus eigener Kraft zusätzliche Finanzmittel einsetzen», wenn sie ihre Klassengrössen beibehalten wollen. Für die meisten Schulgemeinden sollte das möglich sein.

Schulgemeinden stehen gut da

Sie verfügen laut Berger über «ausgezeichnete Finanzhaushalte mit stark steigendem Eigenkapital». Dazu bringe ihnen die LÜP beträchtliche zusätzliche Steuererträge durch die Begrenzung des Pendlerabzugs. «Generell ist jedoch einzuräumen, dass speziell kleine Sekundarschulen ihr Angebot an Niveauuntericht, Wahlpflicht- und Freifächern mit Blick auf mögliche Einsparungen überprüfen müssen.»

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