Schule ist auf den Hund gekommen

An der Schule Löwenzahn in Lommis geht seit August der Hund Balin ein und aus. Lommis hat als erste Schule im Kanton Thurgau die hundegestützte Pädagogik eingeführt. Das Projekt kommt sowohl bei den Schülern als auch bei den Eltern gut an.

Brenda Zuckschwerdt
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Die Schüler der Schule Löwenzahn teilen seit einiger Zeit das Schulzimmer mit einem Hund. Der Whippet Balin soll ihnen helfen, ihre Sozialkompetenz zu stärken. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Die Schüler der Schule Löwenzahn teilen seit einiger Zeit das Schulzimmer mit einem Hund. Der Whippet Balin soll ihnen helfen, ihre Sozialkompetenz zu stärken. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

LOMMIS. Balin liegt auf seiner Decke in der Ecke des Schulzimmers. Mit typischem Hundeblick, seinen Kopf hat er auf die Vorderpfoten gelegt. Zwischendurch steht der Whippet auf, läuft den Schulbänken entlang, schnuppert an einem Schulthek, wedelt freundlich. Dann legt er sich wieder hin.

Die Viert-, Fünft- und Sechstklässler im Zimmer arbeiten an verschiedenen Aufgaben, ab und zu schweift der Blick eines Schülers zu Balin. Obwohl der scheinbar unbeteiligt daliegt, ist er doch Teil eines Projekts, das sich hundegestützte Pädagogik nennt. Diese basiert auf der Tatsache, dass nur schon die Anwesenheit von Hunden oder auch Katzen auf Menschen entspannend und motivierend wirkt. Das zeigen zahlreiche internationale Studien.

Vorbild aus dem Kanton Luzern

Balins Anwesenheit soll es den Schülern erleichtern, sich besser zu konzentrieren und gleichzeitig sollen sie sozial kompetenter werden. Zum Beispiel indem sie lernen, die Bedürfnisse anderer zu erkennen und zu akzeptieren oder die eigene Impulsivität zu kontrollieren. Im luzernischen Schwarzenberg gehört hundegestützte Pädagogik bereits seit drei Jahren zum Schulalltag. In einer Fernsehsendung hörte Lommis' Schulpräsident Roger Holenstein davon und war begeistert.

In Andrea Müller, Schulische Heilpädagogin an der Schule Lommis, fand er eine passende Hundebesitzerin. Auch Schulbehörde, Lehrer und Eltern waren aufgeschlossen, und so startete das Projekt im August.

Nur positive Erfahrungen

Zweimal pro Woche ist der fünfjährige Rüde seither in den verschiedenen Klassenzimmern von Kindergarten und Primarschule unterwegs. «Anfangs dachte ich, dass Balins Anwesenheit wenig bewirkt», sagt Andrea Müller. Doch dann merkte sie, dass in den Kindern «sehr viel abläuft». «Ich finde es schöner, wenn Balin im Zimmer ist», sagt eine Schülerin. Andere fühlen sich eher abgelenkt. «Die ersten paar Mal bin ich ziemlich erschrocken, als Balin plötzlich neben mir stand», sagt ein Mädchen. Klassenlehrerin Rahel Schmid sieht das ganze eher nüchtern. Für sie sei Balins Anwesenheit im Schulzimmer wichtig, «weil die Schüler Freude an ihm haben».

Grosser Erfolg im Kindergarten

Auch Roger Holenstein ist mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. Vermutlich werde das Projekt im nächsten Semester weitergeführt. Besonders gute Erfahrungen habe man damit im Kindergarten gemacht, wo sich die Anwesenheit des Hundes gerade auf verhaltensauffällige Kinder sehr positiv auswirke.

Auch von den Eltern der Schülerinnen und Schüler habe er nur positive Reaktionen erhalten. «Es ist sogar schon die Frage aufgetaucht, warum Balin bei den Elternabenden nicht dabei sei.»