SCHULABGÄNGER: Fast alle sind untergekommen

Rund 2500 Jugendliche beenden mit den Sommerferien die obligatorische Schulzeit. 98 Prozent haben eine Anschlusslösung: Sie beginnen eine Lehre, eine weiterführende Schule oder ein Brückenangebot.

Christian Kamm
Drucken
Teilen
Detailhandelsfachmann gehört zu den am meisten gewählten Ausbildungen. (Bild: Reto Martin (Romanshorn, 11. Juli 2016))

Detailhandelsfachmann gehört zu den am meisten gewählten Ausbildungen. (Bild: Reto Martin (Romanshorn, 11. Juli 2016))

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch

Wer diese Chance nicht packte, war wirklich selber schuld. Schliesslich hatten die Schulabgänger des Jahresgangs 2017 vor allem ein Problem zu bewältigen: die Qual der Wahl. «Wir haben eine unglaublich gute Situation auf dem Lehrstellenmarkt», kommentierte Marcel Volkart, Chef des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung, die gestern präsentierten Zahlen (Tabelle). Die Auswahl mit rund 140 eidgenössisch anerkannten Berufen, die allein im Thurgau erlernt werden könnten, sei riesig. Darüber hinaus war die Konkurrenz auf dem Lehrstellenmarkt mit gesamthaft 2494 Schulabgängern markant tiefer als noch im Vorjahr (2016: 2697). Das führte zum einen dazu, dass mit Stichtag 5. Juli nicht weniger als 430 Lehrstellen noch offen sind, was einer Zunahme von 20 Prozent gegenüber 2016 entspricht. Gleichzeitig haben lediglich zwei Prozent der Jugendlichen noch keine Lösung.

71 Prozent beginnen eine Lehre

Weitaus am meisten Schulabgänger beginnen auch in diesem August eine Berufslehre (1770 oder 71 Prozent). 355 besuchen das kantonale Brückenangebot oder haben eine private Zwischenlösung (14,2 Prozent) und 273 gehen in eine weiterführende Schule (11 Prozent). Wenn man die 49 Jugendlichen abzieht, die ins Ausland zurückkehren, direkt eine Arbeitsstelle oder ein Vollzeitpraktikum antreten, verbleiben rund 50 (2 Prozent) echte Problemfälle. «Das sind aber nicht etwa hoffnungslose Fälle», betonte Volkart. Sondern es handle sich um Jugendliche mit gesundheitlichen, persönlichen oder psychischen Problemen, «mit einem problematischen Umfeld, das es für sie schwierig macht, mitzumachen». Nicht selten ändere sich eine solche Ausgangslage aber kurzfristig. Zudem widerspiegelten die präsentierten Zahlen den Stichtag 5. Juli, sagte Michael Stahl, Leiter Berufs- und Studienberatung. «Sie sind also eine Momentaufnahme.» Es könne in den kommenden Wochen noch einiges ändern. Die Unterzeichnung von Lehrverträgen oder Praktikumsvereinbarungen bis Anfang September sei keine Seltenheit, sagte Stahl.

Zahlenmässig weiterhin an der Spitze bei der Berufswahl stehen das KV, der Detailhandel und die Ausbildung zur Fachkraft Gesundheit. Aktuell noch am meisten offene Lehrstellen gibt es umgekehrt beim Baugewerbe, der Autobranche, bei den Dachdeckern und Elektroinstallateuren beziehungsweise Elektrikern. Bei Letzteren gebe es grundsätzlich zwar genug Interessenten, diese genügten aber oft den Anforderungen nicht. Gerade in der anspruchsvollen Berufsbildung hätten Firmen zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Lernende zu finden, sagte Stahl. Der Fachkräftemangel und der Kampf um die Talente seien definitiv auch im Lehrstellenmarkt angekommen.

Und wie findet ein künftiger Lehrling den für ihn geeigneten Ausbildungsplatz? Vom Motto «je früher, desto besser» raten die Fachleute ab. Marcel Volkart sagt: «Es geht nicht darum, möglichst früh eine Lehrstelle zu haben, sondern früh in möglichst vielen Berufen zu schnuppern.» Das sei extrem wertvoll, denn mit jedem Schnuppertag täten sich neue Welten auf.