Schüler hinter der Kamera

WILEN. Eine Time-out-Klasse aus Frauenfeld produzierte einen Film über Wilen. Unter Anleitung des Filmemachers Renato Müller machten sie auch Aufnahmen mit einem ferngesteuerten Helikopter. Nun ist der Streifen online.

Simon Dudle
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Von oben: Filmemacher Renato Müller erklärt, wie die Luftaufnahme des Ägelsees zustande gekommen ist. (Bild: Simon Dudle)

Von oben: Filmemacher Renato Müller erklärt, wie die Luftaufnahme des Ägelsees zustande gekommen ist. (Bild: Simon Dudle)

Dass eine Gemeinde einen eigenen Film hat, ist nichts Einzigartiges. Jener von Wilen ist hingegen in zweierlei Hinsicht eigen: einerseits wegen der Länge – der Film dauert 18 Minuten und 13 Sekunden –, andererseits wegen der Art und Weise, wie er produziert wurde. Um das Technische kümmerte sich der Wiler Filmemacher Renato Müller. Für alles andere waren die Schüler der Frauenfelder Time-out-Klasse von Lehrerin Franziska Stöckli zuständig. Ihrer Klasse gehören Jugendliche an, die sich in einer Regelklasse nicht mehr zurechtfinden oder in eine persönliche Notlage geraten sind.

Die Schüler mussten sich zuerst mit den Gegebenheiten und der Geschichte Wilens vertraut machen, danach mit den Einwohnern. Denn es galt, den Film von Grund auf selber zu gestalten. Die Vorgabe des Gemeinderates war lediglich, einen Film über das Dorf zu machen. Zur Verfügung stand ihnen ein Gesamtbudget von 10 000 Franken.

Ein schwerer Ordner

Zwischen der Neujahrsbegrüssung 2011 und jener von 2012 hatten die jungen Filmemacher genau ein Jahr Zeit. Um an Informationen über das Dorf zu kommen, führten sie Interviews mit Bewohnern, erkundeten sich bei diesen über die grössten Anlässe in der Gemeinde, durchkämmten die Strassen Wilens, besuchten das Museum und die Gemeindeversammlung. Dabei stellten sie schnell fest, auf was die Bewohner des Dorfes besonders Wert legen: die Gemeinsamkeit. Die Schüler nahmen darum an diversen gesellschaftlichen Anlässen teil und opferten ihre Wochenenden. «Sie taten dies ohne Murren. «Ich spürte eine grosse Motivation. Die Schüler konnten sich einbringen und etwas Eigenes produzieren. Das erfüllte sie mit Stolz», sagt Renato Müller. Das Resultat war eine fast unüberblickbare Menge an Rohmaterial. 229 Gigabyte wiegt der Ordner auf Müllers Rechner. Dieser ist so schwer, weil alles in High Definition (HD) gefilmt wurde.

Aus 150 Metern Höhe

Schaut man sich den Film an, dann fallen einem bald verschiedene Aufnahmen aus der Luft auf. Auch diese wurden von den jungen Filmemachern gemacht, in Zusammenarbeit mit einem Zuzwiler Filmteam. Die Kamera war an einem ferngesteuerten Helikopter befestigt, der 150 Meter in die Luft stieg. Nach den Aufnahmen war die Arbeit für die Schüler der Time-out-Klasse noch nicht beendet. Sie mussten den Text schreiben, der von Müller danach verlesen wurde. Der Filmemacher investierte rund eineinhalb Wochen Arbeit in den Schnitt und die Vertonung. Einer der letzten Entscheide war, den Film in Mundart und nicht, wie zuerst geplant, auf Hochdeutsch zu besprechen. Damit soll Nähe geschaffen werden.

«Ein ideales Mittel»

Entstanden ist ein Produkt, das Gemeindeammann Kurt Enderli als «authentisch und natürlich» bezeichnet und das bisher «nur positive Reaktionen hervorrief». In seinen Augen zeichnet den Film aus, dass Menschen des Dorfes zu Wort kommen und ihre Meinungen sowie Haltungen zum Ausdruck bringen. «Ein solcher Film ist eine ideale Möglichkeit, um mit wenig Mitteln viel zu sagen», ergänzt Enderli.