Schüler erhalten zwei Jokertage

Die Einführung der Jokertage begann mit einer Motion und endete in der Revision des Volksschulgesetzes. Dieses behandelte der Grosse Rat gestern. Er diskutierte dabei über Religionsunterricht, Kosten für Dolmetscher und Pfingstferien.

Silvan Meile
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In der Debatte um das neue Volksschulgesetz stand Regierungsrätin Monika Knill im Mittelpunkt. (Bild: Reto Martin)

In der Debatte um das neue Volksschulgesetz stand Regierungsrätin Monika Knill im Mittelpunkt. (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. Thurgauer Schüler dürfen künftig zweimal im Jahr dem Unterricht ohne Begründung fern bleiben. Der Grosse Rat befürwortete gestern in erster Lesung die Einführung von sogenannten Jokertagen an der Volksschule. Die dafür nötige Änderung im Volksschulgesetz hatte ihren Ausgangspunkt in einer Motion, die vor rund drei Jahren eingereicht wurde. Der Vorstoss über die Einführung von Jokertagen stiess schliesslich eine grundlegende Revision des Thurgauer Volksschulgesetzes an, die auf Beginn des kommenden Schuljahrs im August 2016 in Kraft treten soll. Über dieses neue Gesetz hatte der Grosse Rat gestern zu befinden. Im Grundsatz waren die Neuerungen wenig bestritten. Wegen zahlreicher Vorschläge zur teilweise detaillierten Anpassung von Gesetzesartikeln entwickelte sich trotzdem eine engagiert geführte dreistündige Debatte.

Liberal oder eingeschränkt?

Gegen die Einführung der Jokertage wurde gestern kein Antrag gestellt. Der Thurgauer Grosse Rat diskutierte aber darüber, ob diese zwei Freitage ohne Einschränkung eingezogen werden dürfen, oder ob dies an gewissen Tagen nicht erlaubt sein soll. «Der erste Schultag nach den Sommerferien soll ausgenommen sein», sagte Kantonsrat und Sekundarlehrer Josef Brägger (Grüne, Amriswil). Sein entsprechender Antrag fand jedoch keine Mehrheit. Zuvor empfahl Regierungsrätin Monika Knill, Vorsteherin des Erziehungsdepartements, dem Grossen Rat, für eine liberale Auffassung ohne Einschränkungen zu stimmen. Erfahrungen würden zeigen, dass vor allem die Tage vor dem Ferienbeginn beliebt seien.

Bereits eine Mehrheit der Schweizer Kantone kennen solche Jokertage. Peter Gubser (SP, Arbon), Präsident der vorberatenden Kommission und ebenfalls Lehrer, sprach von Erfahrungen aus anderen Kantonen, die belegen würden, dass nur ein kleiner Teil solcher Jokertage tatsächlich auch eingezogen werden.

Elternabend mit Dolmetscher

Grosse Änderung erfährt der Gesetzesartikel «Finanzielle Beiträge». Hier wurde bisher lediglich geregelt, dass bei Eltern etwa für Klassenlager oder Exkursionen finanzielle Beiträge erhoben werden können. Neu ist zusätzlich aufgeführt, dass Erziehungsberechtigte auch für die Kostenbeteiligung von Sprachkursen ihres Kindes verpflichtet werden können. Auch für allfällige Dolmetscherdienste können Eltern zur Kasse gebeten werden. Ein Antrag von Norbert Senn (CVP, Romanshorn), der letzteres explizit festhält, fand eine Mehrheit. Ausserdem sollen schulische Informationsveranstaltungen für Eltern obligatorisch werden. Wie die Schule genau benachrichtigt werden soll, wenn Eltern ihre Kinder vernachlässigen, wurde an der gestrigen Ratssitzung nicht abschliessend geklärt. Fabienne Schnyder (SVP, Zuben) verwies auf Datenschutzprobleme beim entsprechenden Informationsaustausch zwischen den Behörden. Erziehungsdirektoren Monika Knill versprach, bis zur zweiten Lesung des Geschäfts diese Frage zu klären.

Stellenwert der Religion

Ein Brennpunkt in der Diskussion um das neue Volksschulgesetz bildete der Religionsunterricht beziehungsweise sein Platz in den Stundenplänen mit Blockunterricht. «Es wird immer schwieriger, den Religionsunterricht durch die Landeskirche zu planen», machte Wolfgang Ackerknecht (EVP, Frauenfeld) deutlich. Diese Meinung teilte auch Ralph Limoncelli (CVP, Frauenfeld) und Alex Frei (CVP, Eschlikon). Frei sprach deshalb dem Regierungsrat seinen Dank aus, dass dieser vorschlug, den Religionsunterricht in den Regelunterricht der Blockzeiten zu integrieren. Die vorberatende Kommission strich aber diesen Zusatz wieder raus. Schliesslich fand im Grossen Rat dann die bestehende Regelung eine Mehrheit, mit der die Blockzeiten in den Schulgemeinden zur Erteilung des Religionsunterrichts verlängert werden dürfen.

Heuferien für alle

Änderungen gibt es auch bei den Ferien. Thurgauer Schüler kommen neu in den Genuss von 13 Wochen Ferien pro Jahr, weil die Weihnachtsferien nun zwei Wochen dauern. Ausserdem sollen die Thurgauer Volksschulen die Ferien einheitlich regeln. So sollen künftig alle Schulen anstelle einer dritten Woche Herbstferien eine Woche Pfingstferien machen. Die betroffenen Schulgemeinden haben ab kommendem Schuljahr zwei Jahre Zeit, diese Änderung einzuführen.

Für die Inkraftsetzung des Volksschulgesetzes ist eine zweite Lesung nötig. Diese findet an der nächsten Sitzung des Grossen Rats statt.