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Schreibend Welten erschaffen

FRAUENFELD. Am «Junge Texte Festival» an der Kantonsschule Frauenfeld haben gestern zwölf Preisträger um den Einzug in den Final und den Festivalpreis gekämpft. Das Rennen macht Jasmin Wunderlich mit dem Text «Resonanz».
Severin Schwendener
Eine Rose für die Siegerin. Jasmin Wunderlich aus Horn überzeugte die Jury mit einem Monolog einer Frau. (Bild: Nana do Carmo)

Eine Rose für die Siegerin. Jasmin Wunderlich aus Horn überzeugte die Jury mit einem Monolog einer Frau. (Bild: Nana do Carmo)

Literatur hing gestern in der Kantonsschule Frauenfeld in der Luft. Bereits den ganzen Nachmittag haben die zwölf Preisträgerinnen und Preisträger des «Junge Texte Festivals» ihre Texte einem interessierten Publikum vorgelesen. Jetzt, um sieben Uhr abends, steigt die Spannung in der Aula. Die Expertenjury hat vier Finalistinnen und Finalisten auserkoren, es geht um den Gesamtsieg. Darum, den eigenen Text so zu präsentieren, dass er überzeugt. Denn ein guter Text reicht alleine nicht aus, das geschriebene Wort will auch passend in Szene gesetzt sein. Angespannte Stille herrscht, als Marios Vettas aus Amriswil am Lesetisch Platz nimmt. «Udos Euphorismen» heisst der Text des mit 16 Jahren jüngsten Finalisten, und er handelt vom einsamen Udo, dessen Leidenschaft der Schönheit seiner Blumen gilt – und der blumigen Sprache. Verzückt kann er sich der Anmut, der blütenreinen Schönheit seiner Gladiolen hingeben, ebenso blumig ist der Text. Für die Jury bisweilen etwas zu viel des Guten: über die Frage, ob die Fülle an Adjektiven nun auf ironisch gescheite Weise die Sprache thematisiere oder eben überflüssig sei, entbrennt eine angeregte Diskussion.

Zweiter üppiger Text

Auch der zweite Herr in der Finalistenrunde, der 24jährige Sven Hirsbrunner aus Erlen, präsentiert einen üppig formulierten Text. «Ein junger Mann schreibt einen Text» ist ein süffig ironisches Spiel mit der Sprache, der Text wurde vom Autor nach dem Feedback der Nachmittagsjury bis zum Abend bereits überarbeitet – laut Jury ein wesentlicher Aspekt der Arbeit mit Texten. Kritik gibt es trotzdem: für zu schnelles Vortragen und unklare Aussage.

Auf dem dünnen Eis einer Beziehungskrise wandelt die 20jährige Jasmin Wunderlich aus Horn mit ihrem Text «Resonanz». Es ist der Monolog einer Frau, die verletzt worden ist und mit «ihm» darüber reden will. Gedanken schiessen ihr durch den Kopf, sie beobachtet sich in ihrer Situation, überlegt, wie sie wirken sollte.

Schwer auch das Thema der letzten Lesung: «Zeilen auf weissem Papier» der 17jährigen Muriel Hoffmann aus Wängi handelt von einem Ich, das sich mit seiner Erinnerung an den Krieg auseinandersetzt. Sind es persönliche Erinnerungen, oder sind es Bilder aus der Erzählung anderer; war ich dabei, oder vielleicht doch nicht? «Endlich mal ein politischer Text, der sich mit einer unschönen Realität auseinandersetzt», gibt sich Jurymitglied Jean Grädel beeindruckt, doch auch dieser Text ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. «Hoch gezielt und gescheitert» ist ebenfalls ein über «Zeilen auf weissem Papier» gefälltes Verdikt.

Am Ende nur Gewinner

Zum Schluss gewinnt Wunderlich den Festivalpreis deutlich. Doch eigentlich haben alle Finalisten gewonnen. Sie haben erfahren, dass sie mit einem selber verfassten Text eine eigene Welt erschaffen und damit andere überzeugen können. Und noch etwas haben die vier jungen Autoren gelernt: Kritik kommt manchmal unverblümt daher, und sie zielt aufs Herz eines Texts. Doch muss man sich ihr aussetzen, um Texte weiterentwickeln zu können.

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