Schreckenstat eines Wahnsinnigen

ROMANSHORN. Grauenhafte Vorgänge haben sich am Samstagabend und letzte Nacht in Romanshorn abgespielt und die Bevölkerung in ungeheure Aufregung versetzt. Es handelt sich um die Tat eines Wahnsinnigen, der ein furchtbares Unglück angerichtet hat.

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ROMANSHORN. Grauenhafte Vorgänge haben sich am Samstagabend und letzte Nacht in Romanshorn abgespielt und die Bevölkerung in ungeheure Aufregung versetzt. Es handelt sich um die Tat eines Wahnsinnigen, der ein furchtbares Unglück angerichtet hat. Wir erhalten von unserem Romanshorner Korrespondenten folgenden ersten Bericht über die Vorgänge:

Die auf der Westseite von Romanshorn unmittelbar anschliessende Ortschaft Hub war gestern abend der Schauplatz eines furchtbaren Vorkommnisses. Ein erst seit kurzer Zeit in Hub wohnender junger Mann, namens Schwarz, begann abends circa sechs Uhr aus seiner Wohnung gegenüber der neuen protestantischen Kirche mit einem Revolver auf die Strasse – Fortsetzung der Romanshorner Bahnhofstrasse – zu schiessen.

Schwarz war zu den Herbstmanövern einberufen, ist nun aber – wie es heisst, wegen anormaler Veranlagung – vom Manöverfeld nach Hause entlassen worden. Hier scheint der Mann irrsinnig geworden zu sein. Auf die Revolverschüsse hin eilten zwei Kantonspolizisten herbei. Sie konnten den Schützen im Hausgang überwältigen und ihm die Waffe entreissen. Mit einem Ruck machte sich jedoch der Tobende los; er konnte entwischen und sich in ein Zimmer einschliessen.

Während die Polizisten und ein inzwischen hinzugekommener Metzgerknecht die verschlossene Türe aufzusprengen versuchten, krachten einige Gewehrschüsse, und der Metzgerknecht fiel tot zu Boden. Die beiden Polizisten verliessen den gefährlichen Ort, da unter den obwaltenden Umständen an eine Festnahme des Verfolgten nicht zu denken war.

Nun schoss aber Schwarz mit seinem Gewehr wieder auf die Strasse, tötete den Kohlenarbeiter Weber und verletzte schwer einen Italiener. Leider dauerte es lange, bis die Umgebung abgesperrt wurde, so dass noch eine dritte Person durch die fortgesetzten Schüsse getötet und zwei weitere Personen verletzt wurden, die eine durch einen Schuss in den Arm, die andere durch einen Schuss in den Oberschenkel.

Jetzt trachtete man, den Tobenden unschädlich zu machen. Einige Bürger gaben Gewehrschüsse nach dem Hause, in dem sich Schwarz befand, ab; allein dieser wechselte seinen Standort und er gab dann einzelne Schüsse vom Garten aus ab, wo man ihn der eingetretenen Dunkelheit wegen nicht sehen konnte. Bis nachts elf Uhr erschoss dieser Unheimliche weitere drei Personen. Im ganzen sind sechs Tote und vier Verletzte; unter den letztern zwei Polizisten.

Jetzt endlich wurde Feueralarm gegeben und Sturm geläutet, um die Feuerwehr auf den Platz zu rufen. Um Mitternacht wurde das Haus erstürmt. Der Gesuchte fand sich aber nicht vor; er muss kurz zuvor unbemerkt die Wohnung verlassen haben. Das Gewehr und einen kleinen Vorrat an Patronen hatte er zurückgelassen, nicht aber den Revolver.

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