Schranke zwingt zum Handeln

Matzingen hat im Zentrum ein Verkehrsproblem. Ein Massnahmenpaket liegt vor. Gegen das geplante Linksabbiegeverbot an der Rösslikreuzung sind zahlreiche Einsprachen eingegangen. Eine Alternative ist kaum möglich.

Elisabeth Reisp
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Wenn die Schranke für die Frauenfeld-Wil-Bahn kommt, wird der Verkehr zu den Stosszeiten kollabieren. (Bild: rsp)

Wenn die Schranke für die Frauenfeld-Wil-Bahn kommt, wird der Verkehr zu den Stosszeiten kollabieren. (Bild: rsp)

MATZINGEN. Bei der Hauptkreuzung in Matzingen muss eine Bahnschranke her. Das verlangt der Bund. Damit fangen die Verkehrsprobleme von Matzingen erst so richtig an.

Die Hauptkreuzung, auch als Rösslikreuzung bekannt, ist ein Knoten, der den Verkehr gerade noch so fliessen oder eben tröpfeln lässt. Die unvermeidbare Schranke der Frauenfeld–Wil-Bahn wird bis zu zwei Minuten die Strasse sperren. Dies liesse den Verkehr bei der jetzigen Strassensituation kollabieren. Während der Stosszeiten morgens, mittags, abends; alle halbe Stunde. Wenn der Viertelstundentakt der FW-Bahn eingeführt wird, noch häufiger.

Lichtsignale und zusätzliche Fahrspuren sollen den Verkehr entschärfen. Die umstrittenste Massnahme ist allerdings das Linksabbiegeverbot in die Altholzstrasse. Gegen dieses sind von Anwohnern zahlreiche Einsprachen eingegangen.

Am Montag lud die Gemeinde deshalb zu einem Infoabend ein. Benedikt Eberle, Leiter der kantonalen Abteilung für Planung und Verkehr, erklärte den Anwesenden das ganze Projekt. Etwa 130 Matzinger folgten der Einladung. Doppelt so viele wie an einer Gemeindeversammlung teilnehmen, bemerkte Gemeindeammann Walter Hugentobler.

Nur gemeinsam gegen Verbot

Amtliche Zählungen haben ergeben, dass zwei Drittel der Autos, welche die Altholzstrasse hinauffahren, Durchgangsverkehr sind. Ziemlich viel für eine verkehrsberuhigte 30er-Zone. Wenn sich die Gemeinde Matzingen respektive die Einsprecher nicht auf einen Lösungsvorschlag einigen, könnte das Bundesamt für Verkehr das aufgelegte Linksabbiegeverbot hinauf in die Altholzstrasse anordnen.

Dann ist der Verkehr, welcher die Altholzstrasse als Schleichweg von der Autobahn ins Spital nutzt, von ebendieser Strasse weg. Er wird sich aber auf die Oberdorfstrasse ins Wohnquartier verlagern. Und auch der landwirtschaftliche Verkehr mit Mähdreschern und Traktoren.

Dagegen wehren sich die Anwohner wie auch die Bauern selbst. «Ich will mit meinen breiten Erntemaschinen nicht durchs Wohnquartier fahren müssen», sagte ein Landwirt an der Infoveranstaltung. Die Oberdorfstrasse sei viel zu eng und die Übersichtlichkeit aus seiner Führerkabine beschränkt. Das sei zu gefährlich.

Die Einwohner waren sich einig: Das Linksabbiegeverbot wollen sie nicht. Ein solches würde das Gewerbe an der unteren Altholzstrasse negativ beeinflussen. Eine Variante, die Benedikt Eberle vom kantonalen Tiefbauamt vorschlug, wäre, die Altholzstrasse nach dem ersten Drittel für den motorisierten Verkehr zu sperren. Eine Sackgasse also. Dies würde den unteren Teil der Altholzstrasse zwar zugänglich machen. Der Durchgangsverkehr würde aber umgeleitet werden.

Kanton akzeptiert nicht alles

Ein Vorschlag aus dem Publikum, mit versenkbaren Pollern das Problem zu lösen, klang zwar im Ansatz gut. Das würde bedeuten, dass nur Anwohner mit einem Steuergerät – ähnlich dem von automatischen Garagentoren – die Sackgasse öffnen könnten. Dies würde der Kanton mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht gestatten, waren sich Gemeindeammann Hugentobler und Eberle sicher. Das wäre dann ähnlich einem Mautsystem, und dafür sei für den Kanton die Verhältnismässigkeit kaum gegeben. Auch eine Sperrung der alten Landstrasse ins Hubenquartier würde der Kanton kaum gutheissen.

Eine Umfahrungsspange von der Altholzstrasse zum Bahnhof hinunter sei grundsätzlich möglich. Hugentobler war davon aber nicht begeistert: «Ich will den Steuerzahlern nicht eine Spange für Millionen zumuten, die zu zwei Dritteln von Auswärtigen genutzt würde.»

Kreisel ist ausgeschlossen

Ein Kreisel wie in Wängi, selbst ein doppelspuriger, wurde ausgeschlossen. Wenn eine Schranke eine Ausfahrt blockiere, komme es bei einem Verkehrsaufkommen wie in Matzingen immer zu Rückstauungen, sagte Benedikt Eberle. In Wängi funktioniere es, da es weniger Verkehr habe.

Der Gemeinderat Matzingen hat bereits mehrfach mit Frauenfeld Gespräche über mögliche Lösungen zur Entlastung geführt. Auch die in der Veranstaltung geäusserten Ideen werde er wieder einbringen, sagte Walter Hugentobler. Die meisten Ideen seien allerdings schon im Gemeinderat zur Sprache gekommen und hätten aus verschiedenen Gründen verworfen werden müssen.